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Mittelständische Unternehmen reagieren auf Trumps Handelspolitik mit Investitionszurückhaltung und verlagern ihren Fokus zunehmend auf Europa.
Frankfurt – Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus im Januar 2025 sorgen seine handelspolitischen Maßnahmen für Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft. Besonders der deutsche Mittelstand, traditionell stark exportorientiert und eng in globale Lieferketten eingebunden, reagiert zurückhaltend auf die Perspektiven im US-Markt. Unterschiedliche Umfragen und Studien zeigen, wie sich diese Wahrnehmung in konkreten wirtschaftlichen Entscheidungen niederschlägt.
Investitionszurückhaltung steigt rasant an
Untersuchungen belegen, dass die Handels- und Zollpolitik der USA unter Präsident Trump die Risikowahrnehmung deutscher Unternehmen markant verändert hat. Daten des Insituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen, dass die deutschen Direktinvestitionen in den USA im ersten Jahr der neuen Trump-Präsidentschaft deutlich zurückgegangen sind: Von Februar bis November 2025 flossen rund 10,2 Milliarden Euro in die USA. Gut 45 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Selbst im Vergleich zum langjährigen Durchschnitts-Niveau seit 2015 waren die Investitionen um über 24 Prozent niedriger, berichtet das Finanzportal Investing.com.
Begleitumfragen stützen dieses Bild: Eine Reuters-Erhebung aus dem Sommer 2025 fand, dass fast 30 Prozent der deutschen Unternehmen geplante US-Investitionen verschoben und rund 15 Prozent sie sogar komplett gestrichen haben. Als direkte Reaktion auf die Unwägbarkeiten der US-Tarifpolitik.
Unsichere Zeiten: Trumps Handelspolitik bremst Investitionen deutscher Mittelständler in den USA. (Archivfoto) © IMAGO/Daniel Torok/White House
/ ZUMA Press WireTrump-Zölle verunsichern Mittelstand
Eine aktuelle Unternehmensbefragung der DZ BANK zeigt, wie mittelständische Entscheider auf die außergewöhnliche US-Zoll- und Handelspolitik reagieren: Angesichts der schwer planbaren Rahmenbedingungen richten viele Unternehmen ihren strategischen Fokus wieder stärker auf den Heimatmarkt und Europa. Ziel ist es, Abhängigkeiten von den USA zu reduzieren und Risiken besser zu steuern.
Laut dieser Umfrage sind zwar nur rund 12 Prozent der Mittelständler direkt durch US-Zölle betroffen, doch fast die Hälfte spürt bereits indirekte Auswirkungen über Kunden und Zulieferer. Viele Unternehmen sehen daher eine verstärkte Diversifizierung ihrer Märkte und Lieferketten als strategische Antwort auf die schwankenden Rahmenbedingungen.
Trumps volatile Handelspolitik erschwert die Zusammenarbeit
Die Unsicherheiten entstehen nicht nur durch höhere Zölle, sondern auch durch häufige politische Wechsel in der US-Handelspolitik. Handelsabkommen und Zollvereinbarungen können sich kurzfristig ändern, was Investitions- und Exportplanung erschwert. Mehrere deutsche Politiker betonen, dass US-Zölle und protektionistische Maßnahmen den globalen Handel belasten und Lieferketten verkomplizieren, was insbesondere für exportorientierte mittelständische Unternehmen spürbar sei.
Diese Tendenz ist kein vollständiger Rückzug aus dem US-Markt, sondern eher eine strategische Absicherung: Durch eine stärkere regionale Verankerung sollen Risiken aus geopolitischen Spannungen und volatileren Handelsbeziehungen abgemildert werden. (Verwendete Quellen: Investing.com, Reuters, DZ Bank, IW)