Der britische
Regierungschef Keir Starmer hat nach Enthüllungen um den US-Sexualstraftäter
Jeffrey Epstein seinen dritten hochrangigen Mitarbeiter innerhalb weniger Tage verloren.
Der Kabinettssekretär und Leiter des öffentlichen Dienstes, Chris Wormald,
trete „im gegenseitigen Einvernehmen“ und mit sofortiger Wirkung
zurück, teilte die Regierung in London mit.

Starmers Büro nannte
keine Gründe für den Rücktritt des Kabinettssprechers. Am Sonntag war bereits Starmers
Stabschef Morgan McSweeney zurückgetreten. Weniger als 24 Stunden später kündigte
Kommunikationschef Tim Allan. Starmer selbst steht zunehmend unter Druck.
Mehrere Politiker, darunter der Chef der schottischen Labour-Partei, forderten in
den vergangenen Tagen seinen Rücktritt.

Die Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein

Jeffrey Epstein war ein US-Investor und Multimillionär, der ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger und zum Menschenhandel betrieben haben soll. 2007 erreichten seine Anwälte in Florida nach ersten Ermittlungen einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft, Epstein erhielt im Jahr darauf eine überraschend milde Strafe. 2019 wurde er jedoch erneut verhaftet und auf Bundesebene angeklagt. Wenige Wochen später starb Epstein in Untersuchungshaft, nach offiziellen Angaben durch Suizid.

Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist das öffentliche Interesse an dem Fall sehr groß. Insbesondere die Kontakte zahlreicher Prominenter zu Epstein sowie dessen Tod sorgen für unzählige Spekulationen. US-Präsident Donald Trump, der selbst in den Unterlagen auftaucht und Kontakt zu Epstein hatte, versprach im Wahlkampf Aufklärung sowie die Veröffentlichung der Ermittlungsakten. Nach seinem Amtsantritt gab das US-Justizministerium allerdings nur sehr unsystematisch und in kleinen Schritten Informationen zum Fall Epstein heraus. Trump wurde dafür auch von seiner eigenen Anhängerschaft kritisiert.

Ein im November 2025 vom Kongress verabschiedetes Gesetz verpflichtete die Behörden schließlich zur Herausgabe aller unklassifizierten Ermittlungsakten. In der Folge gab das Justizministerium die Akten in mehreren Schüben frei – deutlich langsamer als im Gesetz vorgesehen. Das Ministerium begründete die Verzögerungen mit dem Schutz der Opfer; zahlreiche Stellen in den Akten hätten zunächst geschwärzt werden müssen. Dabei gingen die Behörden jedoch ungenau vor, viele Betroffene konnten in den Unterlagen identifiziert werden.

Die gesetzliche Frist zur Herausgabe der Unterlagen endete am 19. Dezember 2025. An diesem Tag sowie in den Tagen danach gab das Justizministerium zahlreiche – teils nahezu vollständig geschwärzte – Dokumente heraus. Doch erst am 30. Januar erfolgte die umfangreichste Veröffentlichung: Mehr als drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilddateien wurden freigegeben. Laut dem Justizministerium ist es die wohl letzte Veröffentlichung von Ermittlungsakten; man habe die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, teilte das Ministerium mit.

Starmer will laut Opposition „seine eigene Haut retten“

Auslöser der
Regierungskrise waren Enthüllungen in den von der US-Justiz freigegebenen Akten
zum Epstein-Skandal. Diese zeigten, dass Starmer den früheren britischen
Wirtschaftsminister Peter Mandelson Anfang 2025 zum US-Botschafter ernannte,
obwohl er von dessen Freundschaft zu Epstein wusste. Mandelson soll zudem vertrauliche
Interna aus Kabinettssitzungen an Epstein weitergeleitet haben. 

Starmer hat einen
Rücktritt bisher ausgeschlossen. Er sei nicht bereit, sein Mandat abzugeben, hatte
er am Montagabend gesagt. Britischen Medienberichten zufolge will Starmer nach
der Kontroverse um Mandelson seine Arbeit und das Team in der Downing Street neu
ausrichten.

Oppositionschefin
Kemi Badenoch von den Konservativen warf dem Labour-Politiker im Onlinedienst X
vor, seine Mitarbeiter für die eigenen Fehler büßen zu lassen. Der Premier
wolle durch den Rücktritt „seine eigene Haut retten“.

Über Wormalds Abgang
hatten britische Medien bereits spekuliert. Er war seit Dezember 2024
Kabinettssekretär und damit oberster Beamter des Landes. Damit hatte er sein Amt
kurz vor Mandelsons Ernennung zum Botschafter übernommen. In seiner Funktion
als Kabinettssekretär war er jedoch für die Überprüfung von Mandelsons
Ernennung verantwortlich. Britische Medien hatten zudem mehrfach berichtet,
dass Starmers Labour-Regierung unzufrieden mit Wormalds Arbeit bei der Reform
des öffentlichen Dienstes gewesen sei.

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