„Nicht mehr mein Karneval“
Fastelovend-Legende zieht emotionalen Schlussstrich
Aktualisiert am 13.02.2026 – 07:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Ingrid Kühne (Archivbild): Die Kabarettistin möchte sich in Zukunft mehr auf ihre Soloauftritte konzentrieren. (Quelle: Christian Creon/imago)
Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Kölner Karneval zieht Ingrid Kühne die Reißleine. Welche Gründe sie zu diesem Schritt bewegt haben.
Die Kölner Karnevalsszene muss sich auf einen Abschied einstellen: Kabarettistin Ingrid Kühne hat angekündigt, dass die aktuelle Session ihre letzte im Karneval sein wird. In einem emotionalen YouTube-Video verkündete die 56-Jährige ihre Entscheidung und stellte klar: „Ich verabschiede mich nicht komplett von der Bühne, ich höre nur mit dem Karneval auf.“ Auf Comedy und Kabarett mit ihrem Solo-Programm möchte sie auch weiterhin nicht verzichten – nur die närrische Zeit wird künftig ohne eine ihrer bekanntesten Stimmen auskommen müssen.
Die Entscheidung, früher als ursprünglich geplant auszusteigen, begründet Kühne mit gesundheitlichen Problemen und familiären Gründen. „Ich stelle fest, dass ich gesundheitlich ziemlich an meine Grenzen komme“, sagt die Rednerin. In der vergangenen Session hätten ihr eine schwere Grippe und eine Entzündung im Sprunggelenk zu schaffen gemacht. Zudem sei ihre Mutter während der Session mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen. „Die wäre mir vielleicht sogar früher aufgefallen, wenn ich mehr Zeit für sie gehabt hätte“, gesteht Kühne.
Neben der physischen Belastung nennt die gebürtige Aldekerkerin noch einen weiteren Grund für ihren Ausstieg: Die Veränderung des Karnevals selbst. „Da wird mit Schnapsfläschchen auf die Tische geklopft. Gäste, die an Tischen Karten spielen. Du stehst da und schreist dir die Seele aus dem Leib, weil dir kein Mensch auch nur im Ansatz zuhören kann und viele gar nicht wollen. Und all das ist nicht mehr mein Karneval“, beschreibt Kühne ihre Erfahrungen in manchen Sälen und Zelten.
Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen, betont die Kabarettistin. „Ich weiß nicht, wie es mir gehen wird, ohne meinen geliebten Karneval. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt ertrag“, sagt sie mit stockender Stimme. Noch zehn Minuten vor der Aufnahme ihrer Videobotschaft habe sie „Rotz und Wasser geheult“ und mit sich gehadert, wie sie später der Redaktion des „Express“ mitteilte.
Kühne blickt auf eine erfolgreiche Karnevalskarriere zurück. Nach ersten Auftritten im Dorfkarneval ihrer Heimat begann ihre professionelle Büttenlaufbahn im Jahr 1998. Ihr Sieg als „Rampensau“ beim WDR-Fernsehen 2014 und der erste Auftritt bei der ZDF-Mädchensitzung im Jahr 2016 ließen sie in die erste Liga des rheinischen Karnevals aufsteigen. „Natürlich verzichte ich auf viel Geld. Aber das nützt mir auch nichts, wenn ich eines Tages in der Kiste liege“, sagte sie dem „Express“. Stattdessen wolle sie ihr „Herzblut noch stärker in die Soloprogramme legen.“
