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Er spricht von einer „Unaufmerksamkeit“: Offenbachs ehemaliger Karnevalsprinz bekennt sich gegen seine AfD-Kandidatur – und erhält dafür auch anerkennende Worte.
Offenbach – Nicht Schneewittchen und die sieben Zwerge, sondern Robert Lambrou und die sieben Kandidaten. So lautete das Märchen von Offenbachs AfD vor der Kommunalwahl am 15. März. Denn dem Vorsitzenden der Landespartei war es gelungen, seine Erzfeindin Christin Thüne zu entmachten; und kurz vor Ablauf der Nominierungsfrist eine Mini-Liste für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung aufzustellen. Doch jetzt wird klar: Einer dieser Lambrou‘schen Zöglinge lehnt die Kandidatur ab.
Kommunalwahl in Offenbach: AfD-Kandidatur aus „Unaufmerksamkeit“
Karnevalist Dennis Renner, als Prinz des Offenbacher Karneval Vereins regierte er vor drei Jahren über Lederanien, will nicht mehr für die AfD ins Stadtparlament. Zwar steht sein Name weiter auf dem bereits vorbereiteten Stimmzettel.
Land und Kommunen sehen keine größeren organisatorischen Risiken bei den Kommunalwahlen wegen eines anderen Auszählverfahrens der Stimmen. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Doch auf Anfrage teilt Renner, Listenplatz 7, mit: eine Kandidatur sei „in dieser Form nie geplant. Meine namentliche Nennung auf der Kommunalwahlliste war nicht beabsichtigt und ist bedauerlicherweise auf eine Unaufmerksamkeit meinerseits zurückzuführen.“ Ein Fehler, für den er die volle Verantwortung übernehme.
Auf Nachfrage mutmaßt AfD-Chef Lambrou: Renner verschmähe sein mögliches Mandat wohl aus Furcht vor beruflichen Konsequenzen. Immerhin gilt die AfD in Hessen doch als rechtsextremer Verdachtsfall. Die Entscheidung könnte aber auch nach vielen Gesprächen mit seinem persönlichen Umfeld gefallen sein. Auch Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke hatte den Kontakt zu Renner gesucht – allerdings nicht in seiner Rolle als Politiker.
Zu seinem Entschluss gehören auch Mut und Rückgrat.
„Ich kann mich dazu ausdrücklich nur als Privatperson äußern“, teilt Schwenke mit. Und als Privatperson, als Mensch, findet Schwenke: Politik solle zwar immer um ein Angebot bemüht sein, das Menschen von der Demokratie überzeuge; Positionen toleriere – auch solche, „die nicht den eigenen Überzeugungen entsprechen“.
Doch Schwenke fügt hinzu: „Gleichzeitig gibt es eine rote Linie: Wer sich neben die AfD setzt, sitzt neben Menschen wie Björn Höcke. Höcke und seine Denker planen die politische Verfolgung von Andersdenkenden, auch von Fastnachtern die frei sprechen, schon heute. Das tritt die Werte unseres Deutschlands mit Füßen. Es ist das Ende der Freiheit. Über diese Fragen habe ich auch mit Herrn Renner gesprochen.“ Für die finale Entscheidung zollt er Renner Respekt: „Zu seinem Entschluss gehören Mut und Rückgrat.“
Und so darf sich Renner, der betont: für ihn zähle allein, dass sein Gegenüber das Herz am richtigen Fleck habe, völlig ungeachtet von Herkunft oder Hautfarbe, auf das Fastnachtswochenende freuen. Der Offenbacher Karneval Verein, zwischenzeitlich erwog er wohl einen Ausschluss von Renner, bekennt sich zum Ex-Prinzen. „Die Sachlage ist eine andere. Seine Entscheidung hat unseren vollen Respekt“, sagt Vize Simon Isser. „Wir kennen Dennis seit Jahren. Und wir glauben seinem Bekenntnis. Die Fastnacht stand immer für Toleranz, Offenheit und Miteinander.“ (von Julius Fastnacht)