Mit Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz verdeutlichen neue Umfragedaten, wie groß der Vertrauensverlust gegenüber den USA inzwischen ist: Das Ansehen der Vereinigten Staaten ist in Westeuropa so schlecht wie seit Beginn entsprechender Erhebungen im Jahr 2016 nicht mehr. Besonders deutlich fällt der Vertrauensverlust in Deutschland aus.
Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des in London ansässigen internationalen Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, das regelmäßig politische Stimmungsbilder in Europa erhebt. Die Originalstudie liegt dieser Redaktion vor. Befragt wurden Bürger in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Dänemark. In jedem dieser Länder wurden im Januar online mehr als 1000 Menschen befragt, in Großbritannien und Deutschland waren es sogar je mehr als 2000.
Wie stark sich die Stimmung verschoben hat, zeigt besonders das Beispiel Deutschland: Nur noch 21 Prozent äußern ein positives Bild der USA – vor anderthalb Jahren, unter Präsident Joe Biden, war es mehr als die Hälfte.
In Dänemark hat nur noch jeder Neunte ein positives Bild der USA
Auch in den anderen untersuchten Ländern ist das Image der Vereinigten Staaten deutlich gesunken. Am größten ist der Vertrauenseinbruch in Dänemark, wo nur noch elf Prozent ein positives Bild äußern. Vor dem Hintergrund des Streits um Grönland, das als autonomes Gebiet zu Dänemark gehört und von Washington beansprucht wurde, überrascht dieser Wert kaum.
Doch es geht nicht nur um Sympathiewerte. In Deutschland sehen nur noch 41 Prozent die USA als Freund, Verbündeten oder zumindest als „freundlichen Rivalen“. Fast ebenso viele stufen Amerika inzwischen als unfreundlich oder feindlich ein. Vor rund drei Jahren lag der Anteil derjenigen, die die Vereinigten Staaten als grundsätzlich befreundet wahrnahmen, noch bei etwa 70 Prozent.
Damit endet die Verschiebung im Stimmungsbild jedoch nicht. Die Antworten der Befragten zeigen ein deutlich komplizierteres Bild. In nahezu allen untersuchten Ländern spricht sich eine relative Mehrheit dafür aus, Europas politische Unabhängigkeit stärker zu betonen – selbst wenn dies die transatlantische Allianz weiter belasten sollte.
Gleichzeitig glauben die meisten der Befragten, dass Frieden und Verteidigungsfähigkeit Europas weiterhin von den USA abhängen. Auch wirtschaftlich wird Amerika mehrheitlich als stärkere Macht wahrgenommen.
Wunsch nach Unabhängigkeit bei Sorge vor anhaltender Abhängigkeit
Mit anderen Worten: Viele Europäer wünschen sich mehr Unabhängigkeit – trauen sich aber nicht zu, ohne Washington auszukommen. Genau dieses Spannungsfeld dürfte auf der Sicherheitskonferenz in München eine Rolle spielen.
Dabei ist die Ablehnung der USA keineswegs in allen Punkten eindeutig. Zwar wird Präsident Donald Trump persönlich in den untersuchten Ländern überwiegend negativ bewertet. Doch in einzelnen Sachfragen teilen viele Europäer zentrale Argumente aus Washington. Mehrheiten zwischen 59 und 74 Prozent stimmen zum Beispiel der Einschätzung zu, Europa sei bisher in Verteidigungsfragen zu abhängig von den USA gewesen.
Auch bei der Migrationspolitik zeigt sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung: In allen sechs untersuchten Ländern meint eine Mehrheit – zwischen 52 und 63 Prozent –, Europa habe zu viel Zuwanderung zugelassen.
Harter Kurs gegen Hassrede
Für den Fall, dass das transatlantische Verhältnis weiter eskaliert oder völlig auseinanderbricht, sprechen sich 54 Prozent der Deutschen für eine stärkere politische Integration innerhalb der Europäischen Union aus. Zugleich wäre eine Mehrheit (56 Prozent) bereit, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen.
Doch sobald es um andere konkrete Forderungen aus Washington geht, ziehen viele Europäer eine klare Grenze. Lockerere Vorschriften gegen Hassrede – also gegen hetzerische oder diskriminierende Inhalte im Internet – finden keine Mehrheit. Hintergrund ist, dass Vertreter der US-Regierung Europa seit längerem vorwerfen, mit solchen Regelungen die Meinungsfreiheit zu stark einzuschränken.
Auch Handelsabkommen mit weiteren Vorteilen für die USA oder finanzielle Extra-Beiträge für amerikanische Truppen in Europa stoßen überwiegend auf Ablehnung.