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Seite 1Da wirkt selbst „Elden Ring“ wie ein Spaziergang
Seite 2Moment: Kennt man das nicht alles schon?
Ob mit Ninja-Stirnband
oder in bunt gefederter Samurai-Rüstung: Es wird wieder gekämpft, geblutet und
gestorben. Gerade Letzteres wird in Nioh 3 immer wieder passieren, aber zumindest
vor schönen Kulissen. In Schneefeldern und idyllischen Fischerdörfern, auf
ruhigen Seen und im Schlachtfeldgetümmel werden Katanas gekreuzt und Blut
vergossen. Wer keinen Spaß am virtuellen Sterben und Lernen hat, wird auch hier kaum
Spaß finden. Wer sich an Gegnern gerne die Zähne ausbeißt, umso mehr.
Schließlich ist Nioh 3 ein Soulslike. Damit sind Spiele gemeint, die sich in ihrer Machart und
Mechanik auf die Dark-Souls-Reihe beziehen, bekannte Action-Rollenspiele
im düsteren Fantasy-Setting. Soulslike ist eines der beliebtesten Genres des
letzten Jahrzehnts. Charakteristisch
für sie ist ihr gnadenlos hoher Schwierigkeitsgrad, den Spieler besonders bei
den Bossgegnern zu spüren bekommen.
Als die Entwicklungsschmiede FromSoftware 2011 den ersten Teil von Dark Souls veröffentlichte, verkaufte
es sich millionenfach. Viele Studios kopierten dessen Erfolgsformel in den
unterschiedlichsten Szenarien. Doch die meisten Nachzügler konnten dem Genre
kaum etwas Neues hinzufügen. Mit den ersten beiden Teilen von Nioh ist es dem
japanischen Entwickler Team Ninja noch am ehesten gelungen, eigene Akzente zu
setzen. Sie versetzten den Spieler nicht nur in das bunte, fantasievolle
Mittelalter Japans, sondern gaben ihm auch rasante, auf perfektes Timing
ausgelegte Kämpfe an die Hand. Das aktuelle und voraussichtliche letzte Nioh
3 kann sich sogar mit dem FromSoftware-Erfolgspiel Elden Ring von 2022 messen.
Mutanten, Monster, Power Rangers
Auch im dritten Teil geht
es wieder in das feudale Japan von 1622, in dem die Monster und Wesen aus der Folklore
lebendig und gefährlich werden. Hauptcharakter und Spielfigur Tokugawa
Takechiyo soll der nächste Shogun und damit mächtigster Herrscher im Land
werden, doch der herrschsüchtige Kunimatsu will das Amt an sich reißen und
beschwört eine Schar an blutrünstigen Dämonen.
Bevor das Gemetzel
beginnt, kann man im Charakter-Editor nicht nur die Höhe der eigenen
Augenbrauen und Stimme festlegen, sondern auch die Hautfarbe. Im zuletzt
veröffentlichten Assassin’s Creed Shadows brachen über so etwas noch kulturkampfartige
Debatten aus: Während die eine Seite von Wokeness sprach, bemängelte die
andere, dass man Japan nie als eigenständige Kultur darstelle. Um Nioh 3 gibt
es solche Diskussionen nicht, womöglich weil es sich deutlich mehr
übernatürlicher Elemente bedient als noch Assassin’s Creed Shadows.
© ZEIT ONLINE
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So kämpft man gegen Geisterwesen
und Ungeheuer, mehrarmige Mutanten, geflügelte und gehörnte Monster, aber auch
menschliche Gegner. Diese erinnern in ihren übergroßen Rüstungen aber mehr an
Power Rangers als an eine realistische Darstellung der Samurai. Doch wer erwartet
bei Nioh 3 schon Realismus oder historische Faktentreue? Die Story ist nur
Mittel zum Zweck, um dem Spieler abwechslungsreiche Schauplätze und Gegner zu
präsentieren.
„Nioh 3“ konfrontiert seine Spieler mit ungeheuren Ungeheuern – und jeder Menge Waffen zur Auswahl. © Koei Tecmo Games
Viele der Monster orientieren sich an den traditionellen Darstellungen in der japanischen
Kunst, nur eben in Größe und Erscheinung für ein Actionspiel angepasst. Die
sogenannten Yokai sind äußerst kreativ gestaltet: Mal treten sie als gepanzerte
Krabbe auf, mal nehmen sie die Form eines lebendigen Wandstücks an oder aber
die eines einäugigen, aggressiven Regenschirms. Die Visualisierung der
japanischen Mythen war in den ersten beiden Nioh-Teilen noch etwas vollkommen
Neues und sorgte für eine eigene, viel gelobte Handschrift. Im dritten Teil hat
man sie perfektioniert. Die Yokai sind nicht weniger kreativ, gleichzeitig kann Team Ninja nicht mehr mit vollkommen neuen Einfällen oder
Designentscheidungen überraschen.
Neben dem Design ist die
Reihe für ihre Inszenierung der Action bekannt geworden. Nioh 3 bleibt bei der
Tradition der Vorgänger und gibt den Spielern so viele Waffen an die Hand, dass
es an Überfluss grenzt. Es wird auf nahe, mittlere und weite Distanz mit Äxten,
Speeren und Schwertern gekämpft, mit Krallen, Kriegshämmern, Wurfsternen und
Bögen. Und sagt einem eine Waffe nicht zu, kann man sie gegen zig andere
austauschen.
Einfacher wird der Kampf
trotz dieser Fülle an Mordwerkzeugen nicht. Gerade die Ausdauer, hier Ki genannt, geht schnell aus, wenn man sie nicht nach jeder Attacke
regeneriert. Und weicht man dem gegnerischen Schlag zu früh aus oder pariert
ihn zu spät, wird das mit extremem Schaden oder direkt dem Game Over bestraft, wie
man es von einem Spiel dieses Genres auch erwartet. Schleichen und Angriffe aus
dem Hinterhalt sind zwar möglich und oft hilfreich, doch versteht sich Nioh 3 primär als kampflastiges Spiel und will auch als solches gespielt werden.