Dresden. Am 81. Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 hat die Stadt neben den offiziellen Gedenkveranstaltungen auch ein reges Demo-Geschehen erlebt. Der Freitagabend blieb abgesehen von Störaktionen und mutmaßlichen Verstößen gegen das Versammlungsverbot weitestgehend ruhig. Mobilisiert hatte das Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen, um dem institutionellen Gedenken etwas entgegenzusetzen. Bündnis-Sprecher Matthias Lüth (SPD) sprach gegen Ende der Versammlung von 4500 Teilnehmern insgesamt. Andere Schätzungen gehen von einer niedrigerer Zahl aus.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Unmittelbar nachdem sich gegen 18.15 Uhr die Hände der Menschenkette in der Altstadt lösten, begann auf dem Altmarkt eine Kundgebung des Bündnisses. Die Dresdner Rapperin La Rey trat auf einer Bühne auf und fand mahnende Worte: „Ich möchte euch ermutigen, dem Dialog mit Menschen, bei denen er noch möglich ist, nicht aus dem Weg zu gehen.“ Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits zwei Zubringerdemos vom TU-Campus und der Neustadt in Gang gesetzt.

Ein Dutzend steht Tausenden gegenüber

Vor der Altmarkt-Galerie hatte sich seit Donnerstagabend die rechtsextreme Kleinstpartei Freie Sachsen niedergelassen – in einer Stahltonne brannte eine „Flamme der Erinnerung“. Die Gruppierung nutzt seit Jahren den 13. Februar als Anlass zur Geschichtsverdrehung und Inszenierung des Opfermythos. Es blieb kaum jemand stehen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Am Dr.-Külz-Ring trafen sich die beiden Demo-Züge mit einer halben Stunde Zeitunterschied. Mit Lautsprecherwagen und in Begleitung der Polizei füllten die Demonstranten den Platz vor dem Einkaufstempel. Den Tausenden im linken Lager stand etwa ein Dutzend Teilnehmer aufseiten der Freien Sachsen gegenüber, getrennt durch eine ungefähr 15 Meter breite Zone. Ausschreitungen gab es nicht, Pöbeleien allerdings schon.

Wir haben wenig Nazi-Geschehen beobachtet.

Matthias Lüth (SPD)

Sprecher Dresden Wi(e)dersetzen

Später verlagerte sich der linke Protest zum Altmarkt, wo Livemusik und Kundgebungen folgten. Als sich gegen 20.30 Uhr auch dieser Platz allmählich leerte, zeigten die Initiatoren auf der Bühne noch den einstündigen Dokumentarfilm „Die Juden sind weg“ (1997), der vom sogenannten Judenlager auf dem Hellerberg in Dresden handelt. Kurz nach 21.30 Uhr endete die Versammlung.

„Wir blicken sehr erfreut auf den Tag zurück“, resümierte Bündnis-Sprecher Lüth gegenüber den DNN, „wir haben wenig Nazi-Geschehen beobachtet.“ Mit der Teilnehmerzahl zeigte sich Lüth zufrieden. „Wir haben deutlich besser mobilisieren können als im letzten Jahr.“

Auch die Polizei Dresden blickt zufrieden auf den Tag. Insgesamt 900 Beamte waren am Freitag im Einsatz. Sie leiteten lediglich drei Ermittlungsverfahren ein, zwei wegen Körperverletzung und eines wegen Beleidigung. Alle Versammlungen des Tages verliefen laut Polizeisprecher Marko Laske friedlich.

Weiterlesen nach der Anzeige

Weiterlesen nach der Anzeige

Die Gruppe „Rotes Dresden“ bekannte sich zur Banneraktion auf dem Neumarkt, die die Polizei noch beschäftigen wird.

Ein Vorfall auf dem Neumarkt veranlasste die Polizei zur Prüfung, ob ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorliegt. Dort entrollten 25 Aktivisten ein riesiges Banner mit der Aufschrift: „Gegen Dresdner Rotz und Wasser! – Gegen Gedenken, Opfermythos und Geschichtsrevisionismus!“ Auf dem Transparent war eindeutig die Antifa-Flagge zu erkennen. Im Nachgang bekannte sich die Gruppe „Rotes Dresden“ zu der Aktion.

DNN