Durch das kalte Winterwetter in ganz Deutschland läuft in vielen Haushalten die Heizung auf Hochtouren. Angesichts der niedrigen Füllstände in den deutschen Gasspeichern beantragen die Grünen eine Sondersitzung des Bundestags-Ausschusses für Wirtschaft und Energie – unter Anwesenheit von Ministerin Katherina Reiche (CDU).
„Ministerin Reiche macht ihren Job nicht“, sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur. „Das Ministerium wiegelt ab. Sie hoffen aufs Wetter, doch die Lage ist angespannt.“ Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland liegen aktuell bei unter 30 Prozent.
Gasstand historisch niedrig – Sondersitzung am Dienstag
In dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Grünen-Antrag für eine Sondersitzung heißt es, die Füllstände seien historisch niedrig und binnen eines Monats um 25 Prozent gesunken. Meteorologisch gehe der Winter noch viele Wochen, bei gleichzeitiger Prognose für weiterhin tiefste Temperaturen in großen Teilen des Landes. Entsprechend hoch sei der Gasbedarf zum Heizen, neben dem üblichen Gasbedarf der deutschen Industrie. „Ein Mangel oder möglicher Engpass in der Versorgung, auch durch politisch unzuverlässige Staaten, muss ausgeschlossen werden.“ Zudem stiegen die Gaspreise deutlich an.
Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Sondersitzung am kommenden Dienstag stattfinden soll. Allerdings wird sie ausschließlich als Zoom-Konferenz abgehalten und nicht öffentlich sein, wie die „taz“ berichtet. Einziger Tagesordnungspunkt sei laut der Zeitung: „Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu den niedrigen Gasspeicherfüllständen – Stand und Maßnahmen zur Sicherung der Gasversorgung und Reduktion der Abhängigkeit von unsicheren Staaten.“ Teilnehmen werde neben Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller, der den Grünen angehört.
Der aktuelle Füllstand liegt bei unter 25 Prozent. Die gesetzlichen Vorgaben sehen eigentlich einen Mindestfüllstand aller deutschen Speicher zum 1. Februar von insgesamt 30 Prozent vor. Allerdings verfügt Deutschland laut Bundesnetzagentur über ausreichende Importmöglichkeiten, etwa über LNG‑Terminals.
Die Bundesnetzagentur hatte vor kurzem die Versorgungslage mit Erdgas als stabil bezeichnet. „Die Erdgasspeicher sind weiterhin wichtig, aber sind nicht mehr der allein entscheidende Indikator“, sagte Präsident Klaus Müller.
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Das Bundeswirtschaftsministerium teilte mit, dass anders als in Vorjahren mittlerweile schwimmende Flüssiggasterminals für die Versorgung zur Verfügung stehen. „Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland. Die Gasversorgung ist sichergestellt.“ Müller sprach sich für eine strategische Gasreserve aus.
Deutscher Gasverbrauch stieg 2025 leicht – bleibt aber unter Vorkrisenniveau
Insgesamt hat Deutschland im Jahr 2025 etwas mehr Erdgas verbraucht als im Vorjahr. In der Bundesrepublik wurden im vergangenen Jahr 864 Terawattstunden (TWh) Gas verbraucht – rund 2,2 Prozent mehr als 2024. Dennoch bleibt der Gasbedarf deutlich unter dem Niveau vor dem Ende der russischen Gaslieferungen: Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 wurde knapp 13,5 Prozent weniger Gas verbraucht.

Die Deutschen haben 2025 etwas mehr Gas verbraucht als im Vorjahr.
© DPA Images | Hauke-Christian Dittrich
Rund 40 Prozent des Verbrauchs entfielen auf Haushalte und Gewerbe, die übrigen 60 Prozent gingen in die Industrie. Auch das Wetter spielte eine Rolle: Das Jahr 2025 war mit einer mittleren Jahrestemperatur von 10 Grad insgesamt vergleichbar mit den Jahren 2018 bis 2021. Einzelne Monate fielen jedoch abweichend aus: Ein milder Februar senkte den Heizbedarf, während Oktober und November kälter waren als die Vergleichswerte der Vorjahre.

Gasimporte nach Deutschland: Norwegen bleibt wichtigster Lieferant
Gedeckt wurde der Bedarf vor allem durch Importe. Nach vorläufigen Zahlen der Bundesnetzagentur führte Deutschland 2025 insgesamt 1.031 TWh Erdgas ein, deutlich mehr als im Vorjahr (864 TWh). Wichtigster Lieferant blieb Norwegen mit einem Anteil von 44 Prozent, gefolgt von den Niederlanden (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent).
Eine wachsende Rolle spielten dabei die deutschen LNG-Terminals: Über die Anlagen in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran wurden 106 TWh Flüssigerdgas importiert, gut zehn Prozent der gesamten Gasimporte. „Wir haben mit den LNG-Terminals zusätzliche Importmöglichkeiten“, sagt Müller. „Da zahlen sich die Anstrengungen der letzten Jahre aus.“ Gleichzeitig stiegen die Gasexporte kräftig an. Mit 221 TWh lagen sie weit über dem Vorjahreswert von 89 TWh. Wichtigste Abnehmer waren 2025 Österreich (46 Prozent), Tschechien (26 Prozent) und die Schweiz (13 Prozent).
Gasspeicher trotz niedrigem Niveau ausreichend gefüllt
Beim Blick auf die Gasspeicher sieht die Lage trotz niedrigerer Füllstände stabil aus. Nach den gesetzlichen Vorgaben sollten die Anlagen am 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein, einzelne Speicher in Bad Lauchstädt, Frankenthal, Hähnlein, Rehden, Stockstadt und Uelsen zu 45 Prozent. In der Gesamtbetrachtung ergab sich damit ein Füllstand von 70 Prozent, was europaweit als ausreichend gilt.

Diese Zielvorgabe wurde laut Bundesnetzagentur über alle deutschen Speicher erfüllt. Zwar lagen die Speicher ab August meist unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021, doch habe sich die Versorgungslage grundlegend verändert, erklärt die Behörde. Mehr Importmöglichkeiten und neue Gasflüsse erlauben heute andere Absicherungsstrategien von Händlern und Versorgern.
dpa/gau/kae/les