In Dresden ist der Bombardierung der Stadt kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren gedacht worden. Am Abend schloss sich wieder die traditionelle Menschenkette um die historische Altstadt. Zuvor hatte es Gedenkveranstaltungen, etwa auf Friedhöfen, gegeben. Am Samstag mobilisieren wie in den Vorjahren Rechtsextreme zu einem sogenannten Gedenkmarsch. Es gibt Gegenproteste, die Polizei plant einen Großeinsatz.

Bei den britischen und US-amerikanischen Luftangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945 waren rund 25.000 Menschen getötet worden. Große Teile der Altstadt wurden zerstört. Mit Kranzniederlegungen und Andachten wird jedes Jahr daran erinnert. Die Menschenkette um die Altstadt, in der sich Baudenkmäler wie die Frauenkirche befinden, gehört seit 2010 dazu.

Ein Zeichen gegen Krieg und Gewalt

In Videos auf Instagram, die von der Stadtverwaltung verbreitet wurden, ist zu sehen, wie sich die Menschenkette in der Innenstadt unter dem Geläut der Dresdner Kirchen am frühen Abend schloss. Rund 5.000 Menschen waren daran beteiligt, wie die Nachrichtenagentur epd berichtet. Außerdem wurden zahlreiche Kerzen vor der Frauenkirche entzündet und das traditionelle sogenannte Bürgersingen zum Gedenken angestimmt. Nach Angaben der Stadtverwaltung soll die Menschenkette ein Zeichen gegen Krieg, Gewalt und die politische Instrumentalisierung des Geschehens sowie für Demokratie und Freiheit setzen. 

Dresdens erster Bürgermeister Jan Donhauser (CDU) sagte, die Menschenkette stehe dafür, dass die Hoffnung auf Versöhnung nie vergebens sei, „auch nicht in der dunkelsten Stunde“. Ursula Staudinger, Rektorin der Technischen Universität Dresden und Versammlungsleiterin der Menschenkette, mahnte, die Demokratie sei kein Geschenk, sondern ein Auftrag.

Rechtsextreme versuchen, das Gedenken zu instrumentalisieren

Rachel Lancaster, Bürgermeisterin der britischen Partnerstadt Coventry, sagte, das gemeinsame Erinnern sei von besonderer Bedeutung. Die heutige Freundschaft beider Städte sei ein Zeichen, dass Konflikte und Verlust sich überwinden ließen. Coventry war im Zweiten Weltkrieg am 14. November 1940 durch deutsche Luftangriffe zerstört worden.

© Lea Dohle

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Schon am Freitag wurden nach Polizeiangaben parallel zum offiziellen Gedenken erste Versammlungen der rechten Szene erwartet. Immer wieder versuchen Rechtsextreme, die Erinnerung an die Bombardierung für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Beim 80. Jahrestag im vergangenen Jahr gab es einen größeren Aufmarsch sowie zahlreiche Gegendemonstrationen. Die Bombardierung Dresdens war bereits von den Nationalsozialisten für Propaganda benutzt worden.

Die Polizei erwartet einen ruhigeren Verlauf als letztes Jahr

In diesem Jahr erwartet die Polizei in Dresden aufgrund des weniger symbolträchtigen Jahrestags nach eigenen Angaben einen insgesamt ruhigeren Verlauf. Sie plant wegen des rechtsextremen Aufmarsches an diesem Samstag aber trotzdem einen Großeinsatz. Unterstützt werden die Beamten unter anderem von Einsatzkräften der Polizei aus Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der Bundespolizei.

Nach Angaben des sächsischen Landesverfassungsschutzes versuchen Rechtsextreme und Neonazis, das jährliche Gedenken zu nutzen, um geschichtsrevisionistische und verfassungsfeindliche Erzählungen zu verbreiten. Dazu gehören demnach die Relativierung des Holocaust und die Umdeutung des vom nationalsozialistischen Deutschland begonnenen Weltkriegs in einen völkischen „Freiheitskampf“. Die rechtsextreme Propaganda verwendet dabei oft auch weit überhöhte Totenzahlen.

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