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Washington – US-Präsident Donald Trump (79) nennt Klimaschutz den „größten Betrug“ – und könnte dennoch zum Klimaretter werden. Die Trump-Regierung erklärt ein zentrales Fundament der US-Klimapolitik für ungültig: die „Gefährdungsfeststellung“ von 2009, wonach Treibhausgase wie CO₂ die Gesundheit gefährden. Auf dieser Einstufung beruhen zahlreiche Regeln der Umweltbehörde EPA zur Begrenzung von Emissionen, beispielsweise aus Autos und Kraftwerken.
Das Weiße Haus preist den Schritt als „größte Deregulierungsaktion der amerikanischen Geschichte“. Kritiker verweisen auf die inzwischen noch stärkere Evidenz zu schädlichen Klimawirkungen und kündigen Klagen an. Der Widerruf passt in Trumps Energieagenda, inklusive Rückzug aus Paris und der UN-Klimarahmenkonvention.
Steigen jetzt wirklich die Treibhausgas-Emissionen?
Der Effekt auf die CO₂-Emissionen dürfte dennoch begrenzt bleiben. Modellierungen der Rhodium Group zufolge würden die Emissionen der USA bis 2035 auch ohne neue EPA-Klimaregeln weiter sinken und 26 bis 35 Prozent unter dem Niveau von 2005 liegen; mit strengen Regeln wären es 32 bis 44 Prozent.
Haupttreiber ist der Strukturwandel im Energiesystem: Seit 2007 sinken die Emissionen vor allem, weil Kohle durch Fracking-Gas ersetzt wurde. Zudem kommt seit 2023 der Großteil der neu ans Netz gegangenen Kraftwerkskapazitäten aus Wind, Solar oder Energiespeichern.
Trumps Beitrag zum Klimaschutz: Mehr Kernkraft!
Der womöglich wichtigste Klimahebel liegt aber anderswo: Kernenergie. Sie ist klimafreundlich. Trumps Regierung startete im Mai 2025 eine beispiellose Initiative zur Kommerzialisierung neuer Reaktortechnik. Ziel sind kleinere, flexiblere Reaktoren (SMR), die den steigenden Strombedarf decken sollen – auch wegen des KI-Booms und damit einhergehender neuer Rechenzentren.

Kombination der Zukunft: Ein Rechenzentrum von „Amazon Web Services“ – direkt neben dem Atomkraftwerk Susquehanna in Berwick (US-Bundesstaat Pennsylvania)
Foto: AP
Das Energieministerium will Test- und Demonstrationsreaktoren beschleunigt prüfen und genehmigen, das Verteidigungsministerium plant Reaktoren auf Militärbasen. Start-ups wie Oklo ziehen Großinvestitionen an und versprechen standardisierte Reaktoren mit kurzen Bauzeiten.
Gouverneure, egal ob von Republikanern oder Demokraten, wetteifern bereits darum, als Erste neue Reaktoren einzusetzen. Gelingt diese Kernkraft-Offensive, könnten die USA Emissionen langfristig stärker senken, als es die Deregulierung vermuten lässt – während Deutschland nach dem Atomausstieg weiter auf teure Förderung sowie Erdgas und teils Kohle angewiesen ist.