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Der „Ginnheimer Spargel“ erhält besondere Anerkennung. Und die Willemerschule bekommt den Hessischen Denkmalschutzpreis für ihre Restaurierung.

Frankfurt – Manchmal kommt es vor, dass Bau- und Naturdenkmäler miteinander konkurrieren und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen für das Naturdenkmal, in diesem Fall eine Platane, nötig sind. Was jedoch Ungeduldige mit launigen Sprüchen kommentieren, die an Berliner Verhältnisse erinnern: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu sanieren.“

Mauern sind das tägliche Brot von Denkmalpflegern und Archäologen. Sei es die Höchster Stadtmauer am Neuen Schloss oder am Main, wo sie der Platane zuliebe rück- und wiederaufgebaut wurde, die Mauer des Neuen Jüdischen Friedhofs, von der ein Abschnitt nach einem Parkunfall wiedererrichtet wurde, oder die vielen Grundmauern, die bei Grabungen ans Tageslicht kamen. Einmal mehr blicken das Frankfurter Denkmalamt und der Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) auf die Höhepunkte des vergangenen Jahres vor rund 200 Besucherinnen und Besuchern in der Evangelischen Akademie zurück.

Frankfurt ist eine pulsierende Stadt mit einer sehr langen Siedlungsgeschichte, in der immer wieder viel gefunden wird. Es ist wichtig, unser kulturelles Erbe zu schützen“, betont Gwechenberger. Auch gründerzeitliche und moderne Architektur verdient die besondere Anerkennung des Denkmalschutzes: So wurde der von Johannes Mörle und Peter Metzger 1974 bis 1979 errichtete Europaturm, im Volksmund besser bekannt als „Ginnheimer Spargel“, vom Denkmalbeirat der Stadt Frankfurt zum Denkmal des Jahres 2025 gewählt.

Besondere Ehre für „Ginnheimer Spargel“ in FrankfurtBlick auf Frankfurt am Main.Der „Ginnheimer Spargel“ wurde zwischen 1974 und 1979 gebaut. (Archiv) © Florian Gaul/imago

Den Hessischen Denkmalschutzpreis 2025 in der Kategorie Öffentliches Bauen erhielt die 1888 erbaute Willemerschule in Sachsenhausen. Ein erfolgreich restauriertes Schulhaus im Stil der Neorenaissance, das zum Lernen einladen sollte, wie die Leiterin des Denkmalamts Andrea Hampel findet. Die Grabpatin des Jahres 2025 wurde für die Pflege der denkmalgeschützten Grabstätte Sabarly ausgezeichnet, die Ernst-May-Gesellschaft erhielt den Hessischen Ehrenamtspreis für die Instandsetzung der Gartenlaube Schütte-Lihotzky in der Kleingartenanlage Römerstadt II.

Das Frankfurter Denkmalamt ist nun Mitglied im Verbund Archäologie Rhein-Main (VARM) und erhielt von der Deutschen Forschungsgesellschaft 1,1 Millionen Euro zur Erforschung des römischen Tempelbezirks in Nida. „Denn seit den dortigen Funden wissen wir, dass Nida zu den bedeutendsten römischen rechtsrheinischen Städten gehört“, betont Hampel. Eine schöne Öllampe fand man im römischen Lager unter dem Bolongaropalast. „Auch dort war mehr als nur ein Marschlager.“

Der Palast selbst blickt auf eine wechselvolle Nutzungsgeschichte zurück, war von 1909 bis 1928 Höchster Rathaus und soll 2027 als Bürger- und Kulturzentrum wiedereröffnet werden. Inzwischen gehen die Arbeiten im Innern voran, wie der Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege Gerrit Heidenfelder an einigen Beispielen erläutert: So wurde das Holz der Türen abgeschliffen, barocke Deckenmalereien und Stuckoberflächen behutsam restauriert und anhand von erhaltenen Resten die Tapetenmuster von 1925/26 neu gedruckt und angebracht.

In der Wed wurde das Greifenchlau‘sche Haus erneuert – und um ein paar Jahrzehnte jünger: „Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass der Adelssitz nicht um 1590, sondern 1648/49 gebaut wurde“, erklärt Heidenfelder. Dort mussten unter anderem der Dachstuhl, das Mauerwerk, die Holzfenster und der Natursteinputz erneuert werden.

Fortschritte gibt es auch in der Sankt Leonhardskirche: Dort geht die Sanierung der nördlichen Vorhalle voran, nachdem die Schiefstellung der nördlichen Außenwand behoben werden konnte. Es wurde ein Holzmodell des Heilig-Grab-Altars aufgestellt, denn es gibt Überlegungen, die im Archäologischen Museum ausgestellten Fragmente wieder an den Ursprungsort zurückzubringen.

Hessischen Denkmalschutzpreis 2025 für Willemerschule in Frankfurt-SachsenhausenFrankfurt. 24.06.2025.  Willemerschule.  Das Gebaeude der  Ganztags-Grundschule wurde in der  Gruenderzeit erbaut und jetzt saniert und fuer den Hessischen- Denkmalschutz-Preis vorgeschlagen. TAGESHONORAREinwilligung (nach DS-GVO) liegt nur muendlich vor.Veroeffentlichung nur zur aktuellen Berichterstattung, unter Beachtung des Medienprivilegs.Vereinbarung ueber Abtretung von Persoenlichkeitsrechten der abgebildeten Person(en), Model / Product Release liegt nicht vor. Foto: Renate Hoyer, 60316 Frankfurt.Den Hessischen Denkmalschutzpreis 2025 in der Kategorie Öffentliches Bauen erhielt die 1888 erbaute Willemerschule in Sachsenhausen. © Renate Hoyer 60316 Frankfurt/Renate Hoyer

In der Siedlung Westhausen (1923 bis 1925) wurde ein Laubenganghaus saniert und die Fassade energetisch ertüchtigt. Auch hier mussten Lösungen für Holztüren, Betontreppen und Briefkastenanlagen gefunden werden, die nun hinter Glasplatten gezeigt werden.

Für die Archäologie spannend sind neben einem Einmannbunker, der in Niederrad gefunden wurde, Fernwärmeleitungen und Reste der Innenstadtbefestigung sowie Windparks, da zur Aufstellung der Windräder viele Erdbewegungen nötig sind. „Bei der Windkraftanlage in Nieder-Erlenbach gab es steinzeitliche Baufunde der Rössener Kultur aus dem 5./6. Jahrtausend vor Christus“, berichtet Hampel.

Bei Hochspannungsleitungen in der Gemarkung Zeilsheim wurde eine Knochengrube mit acht Erwachsenen und Kindern ausgegraben, die aus der Latènezeit etwa 300 v. Chr. stammen.

Weitere Funde aus der Römerzeit gab es bei einer Neubaumaßnahme der katholischen Kirche Sankt Sebastian in der Nordweststadt, an einer Fernstraße Richtung Saalburg wurde auf einem römischen Friedhof ein Skelett mit Gefäß ausgegraben. Eine Abfallgrube in der alten Hellerhofsiedlung weist auf das gleichnamige, im 18. Jahrhundert abgebrochene Hofgut hin.