Wenn das Wort „charmieren“ noch nicht erfunden wäre, dann müsste man es nach dem Auftritt von US-Außenminister Marco Rubio tun. Was war dieser Rede mit Bangen erwartet worden, was war ihr entgegen spekuliert worden: Würde Rubio, von dem die Europäer gerne glauben, er wäre ihr Mann in der US-Administration, nach dem Aufschlag von JD Vance im vergangenen Jahr noch einen drauf setzen würde? Würde er die transatlantische Kluft vertiefen, Europa und Amerika weiter spalten? Oder würde er den „good cop“ geben?

Genau das tat er. Freundlich, aber doch streng. Und dennoch natürlich ein Vertreter einer Trump-Administration. Allerdings ohne die disruptive Rhetorik, die auf dieser Seite des Atlantiks noch immer so verstörend klingt. Dennoch konnte man, während er sprach, die westlichen Staats- und Regierungschefs im Bayerischen Hof quasi gemeinsam erleichtert aufseufzen hören, denn die Botschaft, die der 54-Jährige dabeihatte, war: „Die USA sind auf dem Weg in ein neues Jahrhundert des Fortschritts.“ Und: „Wir wollen das gemeinsam mit ihnen erreichen.“

Rubio entfaltete ein Panorama der gemeinsamen Wurzeln

Rubio entfaltete ein Panorama der gemeinsamen Wurzeln und der gemeinsamen Geschichte, die die USA und Europa teilen. Der Mann aus Miami schickte vorweg: „Eure Zukunft liegt uns sehr am Herzen“. Und weil die USA sich um Europa kümmern, und damit auch dem letzten klar würde, dass er hier keinen JD-Vance-Sound erklingen lassen würde, schickte er fast ein wenig väterlich-entschuldigend vorweg: „Deshalb sind wir manchmal ein bisschen direkt.“

Rubio würdigte die Geschichte des transatlantischen Bündnisses seit der Nachkriegszeit, zugleich aber mahnte er an, dass Fehler gemacht worden seien. Die Übertragung staatlicher Souveränität an internationale Organisationen, während die anderen massiv aufrüsten. Rubio kritisierte, dass die Vorgaben der Klimapolitik beschränken, während die anderen fossile Energien nutzen würden.

Rubio: „Es wurden Fehler gemacht“

Der Sohn von Exil-Kubanern ging auch auf die Folgen unkontrollierter Migration ein. Die USA korrigierten diese Fehler nun. Rubio sagte: „Wir haben diese Fehler zusammen gemacht“. Die USA seien bereit, diese Fehler im Alleingang zu korrigieren, würden es aber bevorzugen, dies mit den Europäern zu machen. Er sagte: „Wir sind Teil einer Zivilisation, der westlichen Zivilisation.“

Dass die amerikanischen Migranten-Jäger von ICE nicht unbedingt für zivilisiertes Auftreten stehen, war nicht Thema in München. Und so klar die Differenzen sind, die Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Grundsatzrede am Freitag sehr deutlich benannt hatte, und so klar doch war, dass Rubio als ein Abgesandter Donald Trumps an der Spitze der US-Delegation gekommen war, so klar wurde doch, dass er als einer kam, der die Hand ausstreckte. Allerdings mit festem und verbindlichem Händedruck. Das klang dann so: „Wir wollen starke und stolze Verbündete, wir wollen nicht Verbündete, die den Niedergang verwalten“ Die USA wollten kein Bündnis, das „in Angst erstarrt“.

Trumps Friedensrat als Alternative zu den Vereinten Nationen?

Und die USA wollen Veränderung: Die gemeinsam geschaffenen globalen Institutionen der alten Ordnung müssten nicht abgeschafft werden, sagte Rubio. Aber er verlangte Reformen, einen Neubau. Ob dass tatsächlich der Friedensrat Trumpsch´er Architektur sein kann, werden sich viele im Saal gefragt haben. Und ob die Außenpolitik der USA von Venezuela bis Grönland nicht eher wenig mit Aufbau sondern doch mehr mit Zerstörung und Imperialismus zu tun hat?

Trotz aller Differenzen – es ging Rubio deutlich erkennbar mehr um das Gemeinsame: Er bediente in einer Passage auch gegenseitige Nostalgie-Mechanismen. Es ging um Michelangelo, die Beatles, die Rolling Stones, die Romantik des Cowboys, die ihre Wurzeln in Spanien habe. Es gipfelt in dem Satz: „Wir werden immer ein Kind Europas bleiben“.

Allerdings, und auch das wurde für jeden im Saal klar: Das Kind Europas fordert die ziemlich hüftsteifen Eltern auf, sich nicht länger gehen zu lassen. Sonst sei ihnen nicht mehr zu helfen. Die USA, so sagte Rubio, wollten ein „Europa, dass in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, und das den Willen hat zu überleben.“

  • Stefan Küpper

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