Wir kennen die Gesichter, die Slogans von den Plakaten, vielleicht das ein oder andere Wahlprogramm. Aber was das für Menschen sind, die in Stuttgart für die Landtagswahl am 8. März antreten, wissen wir in den allermeisten Fällen nicht. Darum haben wir die 24 Kandidatinnen und Kandidaten der sechs größten Parteien gefragt, was über sie (fast) niemand weiß. Dabei mussten sie sich beschränken auf 150 Zeichen.

Manche haben verraten, was ihr liebstes Getränk oder ihre erste eigene Platte war. Andere haben erzählt, welche Krankheit sie als Kind hatten oder warum sie mit Anfang 20 mit einem Kampfjet unterwegs waren. Manche wurden etwas philosophischer. Hier die Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, AfD und Linke aus den vier Stuttgarter Wahlkreisen.

Stuttgart I:

Muhterem Aras (Grüne): Ich durfte erst mit 28 Jahren wählen. Auch deshalb liebe und verteidige ich unsere Demokratie.

Teresa Schreiber (CDU): Zu Hause bin ich immer für die handgeschabten Spätzle nach dem Rezept meiner Großmutter zuständig. Spätzle mit Soße bedeuten für mich Heimat.

Hanna Binder (SPD): Ich brauche Sport und Bewegung, um glücklich zu sein. Eine Woche ohne Sport macht mich unausstehlich – sagt meine Familie.

Claudia Schober (FDP): Ich habe mit 21 einen Flug in einem Kampfjet gewonnen – Tiefflug mit 800 km/h über dem Schwarzen Meer. Unvergesslich.

Mersedeh Ghazaei (Die Linke): Ich kann fließend und akzentfrei sowohl American und British English sprechen.

(Anmerkung der Redaktion: Der AfD-Kandidat Arthur Hammerschmidt hat sich nicht geäußert.)

Stuttgart II:

Cem Özdemir (Grüne): Meine erste eigene LP war „Watch“ von Manfred Mann‘s Earth Band. Ich habe sie in Stuttgart im legendären Plattenladen Lerche gekauft.

Klaus Nopper (CDU): Dass ich mich nicht so leicht in irgendeine Schublade oder Schablone einordnen lasse.

Sara Dahme (SPD): Dass ich schneller ins Machen komme, wenn etwas unperfekt ist. Stillstand macht mich nervöser als Fehler es tun.

Friedrich Haag (FDP): Ich kann einem Zwiebelrostbraten nicht widerstehen – und Cola Zero geht immer.

Faisal Osman (Die Linke): Ich bin Volkswirt, Afroschwabe und Rassismus-Veteran. Und ich weiß: Bei der Politik von Merz und Co. wird selbst der entspannteste Zeitgenosse zum Choleriker.

(Anmerkung der Redaktion: Der AfD-Kandidat Steffen Degler hat sich nicht geäußert.)

Seit Ende Januar hängen Wahlplakate in Stuttgart. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich Stuttgart III:

Oliver Hildenbrand (Grüne): Ich halte mich regelmäßig in einem Geheimraum auf. Das ist ein abhörsicherer und besonders geschützter Raum im Landtag. Hier tagt das Parlamentarische Kontrollgremium für den Verfassungsschutz, dessen Vorsitzender ich bin.

Shajeevan „Saschi“ Thavakkumar (CDU): Ich bin der Erste in meiner Familie in der Politik. Meine Eltern haben sich mit harter Arbeit einen kleinen Betrieb aufgebaut – anpacken statt jammern prägt mich bis heute.

Laura Streitbürger (SPD): Im Jahr 2011 habe ich als Mitarbeiterin der FH Salzburg den Förderpreis der Stadt Salzburg für Wissenschaft und Forschung erhalten für unser EU Projekt, in dem es um nachhaltigen interkulturellen Kompetenzerwerb durch Auslandspraktika ging.

Gabriele Heise (FDP): Dass ich als Kind vor meiner Einschulung ein Jahr lang auf einer Förderschule war, weil ich nach einer Gehirnhautentzündung und langem Krankenhausaufenthalt sehr stark gestottert habe.

Utz Mörbe (Die Linke): Nach 20 Jahren in der Behindertenwerkstatt habe ich den Sprung geschafft und arbeite mittlerweile als kommunaler Behindertenbeauftragter im Landkreis Böblingen und damit auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt.

(Anmerkung der Redaktion: Der AfD-Kandidat Andreas Mürter hat sich nicht geäußert.)

Stuttgart IV:

Petra Olschowski (Grüne): Dass ich als Redakteurin im Sportressort der Stuttgarter Zeitung gestartet habe. Leider reicht’s beim eigenen Training oft nur für 15 Minuten Hula Hoop.

Markus Reiners (CDU): Meine Frau Nicole habe ich 1993 auf dem Felsenfest in Untertürkheim kennengelernt. Unsere Ehe ist wie meine Politik zuverlässig und „felsenfest“.

Katrin Steinhülb-Joos (SPD): Als Schülerin habe ich mich bei Ritter Sport als Testesserin beworben. Den Job habe ich leider nicht bekommen, die Schokoladenliebe ist aber bis heute geblieben.

Juliane Becker (FDP): Ich kann schwer weghören, wenn jemand Unsinn erzählt – selbst privat. Manchmal nervt das sogar meine Freunde.

Christian Köhler (AfD): Ich lebe nicht nur in Cannstatt, ich bin auch in Cannstatt geboren. Ich habe einen Teil meiner Kindheit bei Oma und Opa in Ost am Gaskessel in der Hausmannstraße verbracht. Außerdem liebe ich die Architektur der Moderne bis in die 1970er-Jahre.

Luna Monteiro Bailey (Die Linke): Ich bringe meine Erfahrungen aus der Intensivpflege direkt in die Politik und bin dabei menschlich, klar, solidarisch und immer intersektional.