Die Sonne scheint auf den Friedhof neben der Zammer Pfarrkirche. Links und rechts ragen die Berge in die Höhe. Dazwischen, im Oberinntal, versammeln sich etwa 40 Menschen. Sie stehen um einen kleinen weißen Sarg, nicht viel größer als ein Schuhkarton. „Kommt drauf an, wie viele Kinder im Sarg liegen, manchmal ist er größer, manchmal kleiner“, sagt Paul Probst von der Gemeinde Zams.

Es ist also kein symbolischer Sarg, der an diesem schönen, warmen Herbsttag im Tiroler Oberland zu Grabe getragen wird. Die Trauergemeinde hat sich versammelt für eine besondere Beerdigung: Denn hier trauert jede und jeder um jemand anderen. Niemand der Anwesenden kannte die Person, die im Sarg liegt, näher. Denn sie kam nie zur Welt.

Die Kinder sind sogenannte Sternenkinder, Fehlgeburten, die in der örtlichen Krankenhaus- Pathologie gesammelt aufbewahrt und an zwei Terminen im Jahr vom Bestattungsunternehmen abgeholt und in den Sarg „eingebettet“ werden. „Zwischen 30 und 70 Kinder kommen etwa alle sechs Monate zusammen“, weiß die Bestatterin Christine Dellemann. Sie organisiert die Sternenkinder-Beerdigung gemeinsam mit dem Krankenhaus Zams und der Gemeinde.