Werther. Er stand schon auf der Kippe, bis er quasi in letzter Sekunde gerettet wurde: der Christkindl-Markt. Nach dem Tiefpunkt 2019 wurde er auf Initiative der Stadt komplett umgemodelt und findet inzwischen unter deren Regie statt. Aber wie viel Geld gibt die Verwaltung – also der Steuerzahler – eigentlich dafür aus? Wie viele Arbeitsstunden steckt sie in Planung, Auf- und Abbau? Wie hoch sind die Kosten für externe Sicherungsmaßnahmen? Diese und weitere Fragen wollte die CDU jetzt von der Stadtverwaltung beantwortet wissen. Allerdings nicht, weil sie den Markt infrage stellt. „Sondern um ein Verständnis für den Aufwand zu bekommen“, so Fraktionschef Ralf Eckelmann. „Denn als Ereignis soll der Christkindl-Markt auf jeden Fall erhalten bleiben.“
Stefan Meier vom Kulturamt und inzwischen Chef-Organisator des Christkindl-Markts blickt im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss zusammen mit den Ausschuss-Mitgliedern zurück – und beginnt seine Ausführungen mit der Ausgabe 2019. Es war kalt und nass, eine Bühne gab es nicht, entsprechend auch kein Bühnenprogramm, die Eröffnung fand an einem Karussell statt, Stände von örtlichen Vereinen suchte man nahezu vergebens, dafür gab es kommerzielle Händler mit Angeboten, die kaum jemand wollte. Feststellung der Besucher nach drei Tagen: „Einfach trostlos!“
Fast wäre es der Todesstoß für den Markt gewesen. Denn die Kritik in den darauffolgenden Wochen war verheerend. Am externen Veranstalter, an der nicht vorhandenen weihnachtlichen Atmosphäre, einfach an allem. Es war klar: Würde man nicht mit einem komplett neuen Konzept an den Start gehen, wäre der Markt gestorben. Und Werther die einzige Stadt weit und breit ohne Weihnachtsmarkt.
Zahlreiche Wertheraner kamen, um ihren Weihnachtsmarkt zu erhalten
CDU-Fraktionschef Ralf Eckelmann hatte sich die Aufstellung der Kosten gewünscht.
| © CDU Werther
Im darauffolgenden Februar stand genau dies zur Debatte. Die Stadt hatte zu einem Arbeitstreffen eingeladen, um über Rettung oder Untergang des Markts zu sprechen. Sollte er eine Zukunft haben, müssten an diesem Abend die Wertheraner Farbe bekennen und Einsatz demonstrieren.
„Und das taten sie“, erinnert Stefan Meier. 60 Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Verbänden und Institutionen, aus Schulen, Politik und Bürgerschaft kamen und signalisierten: „Wir wollen unseren Christkindl-Markt behalten!“
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„Es waren unglaublich viele Leute dabei, die bis dahin nichts mit dem Markt zu tun hatten“, schildert Meier. Das habe ihn sehr beeindruckt und hoffnungsfroh gestimmt. Alle hätten Vorschläge gemacht und neue Ideen ins Spiel gebracht. „Was allen wichtig war, war die Bühne. Es sollte unbedingt wieder eine geben, mit einem entsprechenden Programm.“
Corona-Pandemie macht dem Neuanfang einen Strich durch die Rechnung
Stefan Meier vom Kulturamt der Stadt ist inzwischen Haupt-Organisator des Christkindl-Markts.
| © Anja Hanneforth
Es seien aber auch Sorgen genannt worden, so Meier: Dass die Vereine nicht genügend Leute finden würden oder die ganze Organisation nicht gestemmt bekämen. „Da war klar, dass wir als Verwaltung in vielerlei Hinsicht unterstützen müssen.“ Was etwa die Fragen Sicherheit, Versicherungen und Hygiene angeht, das Bereitstellen von Strom- und Wasseranschlüssen oder auch die Koordination von Ständen und Bühnenprogramm. Und weil das alles nicht umsonst zu haben ist, habe die Politik beschlossen, in den Haushalt 2020 eine Summe von 15.000 Euro einzustellen. „Und dann haben wir angefangen zu planen.“
Mit „wir“ meint Stefan Meier hauptsächlich sich selbst – auch wenn ihn zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung unterstützt haben. In die Umsetzung kam die Sache dann allerdings erst einmal nicht. Stattdessen grassierte Corona und sorgte dafür, dass weder 2020 noch 2021 ein Christkindl-Markt stattfinden konnte.
Trotzdem schaffte die Stadt schon einmal Weihnachtsbeleuchtung und sieben Holzhütten an, suchte außerdem nach einem neuen Veranstalter. Ohne Erfolg. „Im September 2022 standen wir alleine da“, so Meier. „Weil wir aber schon in Vorleistung gegangen waren und bei den Vereinen im Wort standen, haben wir entschieden, den Markt in Eigenregie durchzuführen.“
Städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren hunderte Arbeitsstunden
Eine große Hilfe seien Christkindl-Urgestein Usmar Carles und Eventmanager Reiner Stodieck gewesen. Wichtigste Ratschläge der beiden: Stromanschlüsse sicherstellen und die richtigen Daten für die Banner bestellen.
Was das alles gekostet hat und bis heute kostet? Stefan Meier rechnet vor: Bei der jüngsten Ausgabe 2025 habe die Stadt 12.000 Euro für Bühnenprogramm und Technik ausgegeben, weitere 7.500 Euro für Dinge wie Haftpflichtversicherung, Strom, Wasser, Schlauchbrücken, Ausstattung und sanitäre Anlagen. Dazu 5.000 Euro für einen externen Sicherheitsdienst, die Ausschilderung von Fluchtwegen und überhaupt die Beschilderung sowie 6.000 Euro für Werbung, Aufwandsentschädigungen, Schmuck für die Innenstadt sowie das Storck-Haus innen und außen.
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Nicht aufgeführt hat Meier die Arbeitsstunden aller, die seitens der Stadt geholfen haben: 200 seien es bestimmt bei ihm selbst gewesen, weitere 200 bis 250 bei den Kollegen vom Bauhof und noch einmal weitere von anderen Mitarbeitern. „Wir mussten zum Beispiel ein Verkehrs- und ein Sicherheitskonzept aufstellen. Allein dafür steigt der Aufwand jedes Jahr.“
Wertheraner Kulturamtsleiter bekommt viel Applaus für seinen Bericht
Stefan Meier erhält viel Applaus für seinen Bericht. Im Anschluss entspinnt sich eine Diskussion über die Höhe der Kosten, die jedoch allgemein für eher günstig angesehen werden. Forderungen, die Stadt möge sich aus der Organisation zurückziehen, gibt es keine.
Sollte das so bleiben, bleibt die Stadt Organisator des Markts. Entsprechende Kosten werden aus dem Kultur-Etat bestritten, nach Aussage von Stefan Meier dürften sie jedoch geringer ausfallen als noch am Anfang, da viele Dinge wie Holzhütten, Kabelbrücken oder Hydranten-Aufsätze ja inzwischen angeschafft seien. Und Stefan Meier? Der hat getreu dem Motto „Nach dem Christkindl-Markt ist vor dem Christkindl-Markt“ bereits mit der Organisation für die Ausgabe 2026 begonnen.
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