Fragen & Antworten
Standdatum: 14. Februar 2026.
Autorinnen und Autoren:
Alexander Schnackenburg
Die Suche nach der richtigen Wohnung ist nicht nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es geht auch um Wirtschaftlichkeit und finanziell Machbares.
Bild: Imago | photothek/Sebastian Rau
Die Immobilienpreise im Land Bremen steigen wieder. Allerdings auch die Mietpreise. Die Frage: Lieber kaufen oder doch mieten? Fachleute aus der Branche wägen ab.
Ob in Bremen, in Bremerhaven oder im Umland: Das Wohnen wird immer teurer. Denn Wohnraum ist knapp, gerade in Städten, die wachsen. Entsprechend schwierig ist es, eine geeignete Wohnung zu finden. Für wen sich die Mietwohnung eher lohnt als der Kauf – darüber hat buten un binnen mit der Verbraucherzentrale Bremen gesprochen sowie mit der Eigentümer-Interessenvertretung „Haus und Grund“, dem Mieterverein Bremen und dem Mieterverein Bremerhaven.
Was ist das stärkste Argument für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses?
Die Altersvorsorge. Das sagen Kornelia Ahlring, Geschäftsführerin des Mietervereins Bremen, Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus und Grund Bremen, sowie Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen. Immobilienkäufer erwerben in der Regel ein Objekt von bleibendem Wert – sofern sie ihr Haus oder ihre Wohnung nicht verkommen lassen. Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, wird das Objekt im Regelfall vor Eintritt ins Rentenalter abbezahlt haben, und muss von der Rente „nur“ noch die Betriebskosten des Hauses bestreiten.
Wer dagegen zur Miete wohnt, muss diese Miete sein Leben lang zahlen, auch im Alter. Daher sagt Stecher: „Auf lange Sicht rechnet sich im Normalfall das Kaufen einer Wohnung.“
Wieso könnte die Mietwohnung trotzdem die bessere Wahl sein?
Weil Mieter flexibler sind als Eigentümer. Auch in diesem Punkt liegen Ahlring, Vergau und Stecher auf einer Linie. „Gerade junge Leute wissen oft nicht, wie es wo beruflich für sie weitergehen wird. Mit einer Mietwohnung binden sie sich nicht so stark an einen Ort wie mit einer Eigentumswohnung“, fasst Ahlring zusammen.
Hinzu kommt, dass Mieter weniger Verantwortung für ihre Wohnung tragen als Vermieter, betont Vergau: „Man zahlt für Miete und Betriebskosten und muss sich sonst um nichts kümmern. Ein Mieter hat fast so etwas wie eine Full-Service-Garantie.“ Auch wirtschaftlich könne das Wohnen zur Miete von Vorteil sein, sagt Vergau: „Mieten können nur in bestimmten Maßen steigen. Das ist gut planbar.“
Eigentümer dagegen seien stark von politischen Entscheidungen abhängig, beispielsweise von Gesetzen zu Heizungen. Auch könnten sie leicht unvorhergesehene hohe Kosten durch Reparaturen treffen. Vergau verweist an dieser Stelle auf die Vermieterbefragung 2025 des Bundesverbands von Haus und Grund. Danach zahlen 13 Prozent der Eigentümer drauf, das heißt: Sie erzielen durch das Vermieten der Wohnung geringere Einnahmen als sie Ausgaben haben.
Was spricht speziell in Bremen für das Wohnen zur Miete?
Vergau und Ahlring sagen, dass die Stadt Bremen geprägt sei von vielen Kleinvermietern. Daraus hätten sich überwiegend persönliche, gute Mietverhältnisse entwickelt. „Die Vermieter kümmern sich in der Regel persönlich um Anliegen der Mieter, beispielsweise, wenn es um Fragen der Instandsetzung oder der Renovierung geht“, so Vergau. Auch Ahlring betont: „Das sind überwiegend gute Mietverhältnisse. Da kommt es im Großen und Ganzen seltener zu Konflikten als bei Mietverhältnissen mit großen Gesellschaften.“
Sybille Kassebaum-Liermann vom Vorstand des Mietervereins Bremerhaven kann das für Bremerhaven nicht bestätigten. „Wir haben leider auch mit privaten Vermietern immer wieder Ärger“, sagt sie. Wohl am häufigsten beschwerten sich Mieterinnen und Mieter in Bremerhaven über große kapitalorientierte Gesellschaften wie Grand City Property oder LEG. Vergleichsweise selten seien Beschwerden über die ortsansässigen Unternehmen Stäwog, Gewoba und GWF.
Verbraucherschützer Roland Stecher ist davon überzeugt, dass sich die Frage „Kaufen oder mieten?“ für viele Menschen im Land Bremen gar nicht stellt: weil ihnen das Geld zum Kauf fehlt. „Man sollte wenigstens 20 Prozent Eigenmittel vom Kaufpreis haben. Außerdem sollte die monatliche Rate bei der Bank 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens nicht überschreiten“, so Stecher. Zwar böten einige Banken auch dann Finanzierungen an, wenn die Rate 40 bis 45 Prozent des Nettoeinkommens betrage. Doch das sei zu viel, sagt der Verbraucherschützer.
Man muss als Hauskäufer einen Puffer einplanen. Es können immer außerplanmäßige Kosten anfallen.
Roland Stecher, Verbraucherzentrale Bremen
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfiehlt Stecher verschiedene Beiträge sowie den Modellrechner Kaufen oder Mieten der Stiftung Warentest.
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, Dein Audio Update, 13. Februar 2026, 15:38 Uhr
