Der Gedanke klingt einleuchtend: Um dem E-Auto hierzulande endlich zum Durchbruch zu verhelfen und zugleich den darbenden deutschen Autobauern unter die Arme zu greifen, fördert der Staat wieder den Kauf von Stromern – und dies durchaus großzügig mit bis zu 6000 Euro. Eine Prämie beim Erwerb von E-Autos hat es schon einmal gegeben. Als diese dann Ende 2023 – praktisch über Nacht – von der damaligen Ampelregierung gestrichen wurde, brach der Markt regelrecht zusammen – und erholte sich anschließend über viele Monate hinweg nicht mehr. Jetzt will man es besser machen.
„Die Gefahr ist groß, dass die Prämien einen erheblichen Schaden im deutschen Automarkt anrichten“, sagt jedoch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer unserer Redaktion. „Das Umweltministerium macht Elektroautos mit Steuerzahlergeld zum Ramschartikel“, legt der meinungsfreudige Professor aus Bochum nach, den viele auch „Autopapst“ nennen. Der „extrem schädliche Dumping-Wettbewerb in China“ werde durch das Umweltministerium nach Deutschland importiert, so seine schonungslose Analyse.
Durch die Rabatte „gerät der Markt ins Rutschen“
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Dudenhöffer rechnet vor: Wenn Autos aus China – wie der Dacia „Spring“, der in Wuhan gefertigt wird – bei einem Listenpreis von 16.990 Euro als Neuwagen mit Rabatten von bis zu 5400 Euro angeboten werden, „gerät der Markt ins Rutschen“. „Noch schlimmer, weil breiter über alle Fahrzeugklassen, sind die Angebote von BYD mit der deutschen Umweltprämie“, betont der Experte. So werde der elektrische BYD „Dolphin Surf“, der in der Preisliste mit 19.990 Euro hinterlegt ist, mit maximaler Prämie für 12.990 Euro angeboten.
Zum Hintergrund: BYD bietet in Deutschland – zunächst befristet bis zum 31. März 2026 – einen eigenen „E-Bonus“ an, der die staatliche Elektroauto-Förderung der Bundesregierung noch einmal ergänzt. Die Prämien gelten laut BYD für alle elf in Deutschland erhältlichen Modelle – dazu gehören acht reine Elektrofahrzeuge und drei Plug-in-Hybride. Auch Citroën, Ford, Toyota und andere Hersteller bieten Nachlässe an, losgelöst von den Rahmenbedingungen der staatlichen Prämie, wie der ADAC informiert.
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„Die deutschen Autobauer müssen den Rabatten der Chinesen folgen – oft aber ohne Prämien, weil Kunden von Mercedes-Benz, BMW oder Porsche wohl kaum prämienberechtigt sein werden“, erläutert Dudenhöffer im Gespräch mit unserer Redaktion. Die neue E-Auto-Förderung in Deutschland beträgt je nach Einkommen, Haushaltsgröße und Fahrzeugtyp zwischen 1500 und 6000 Euro für Privatpersonen. Reine E-Autos erhalten eine Basisförderung von 3000 Euro, während Plug-in-Hybride mit 1500 Euro bezuschusst werden. Zusätzliche Boni für Kinder und ein geringeres Einkommen erhöhen die Förderung noch. Allerdings gibt es Einkommensobergrenzen, bis zu denen die Prämie ausgezahlt wird. Diese liegt bei 80.000 Euro Haushaltseinkommen im Jahr, mit zwei Kindern bei 90.000 Euro.
Gewöhnung an ein „Preisparadies, das nicht real ist“
Die Förderung zerstöre im Endeffekt den freien Wettbewerb und bringe die Arbeitsplätze in Stuttgart, Zwickau, Ingolstadt oder München „unter erheblichen Druck“, prognostiziert Branchenkenner Dudenhöffer. Und diese geschehe auch noch „mit den Steuergeldern der Beschäftigten“. Das Umweltministerium von Carsten Schneider (SPD) richte durch die öffentliche Förderung einen „erheblichen Schaden“ im deutschen Automarkt an. „Unvorstellbar, dass so etwas möglich ist“, zeigt sich Dudenhöffer regelrecht fassungslos. Zudem hält er es für nur schwer vorstellbar, „wie der Markt nach Prämienende wieder in einen Normalzustand kommen soll“. „Die Prämie gewöhnt Autokäufer an ein Preisparadies, das nicht real ist“, befürchtet Dudenhöffer.
Auch andere Experten sehen die E-Auto-Förderung ausgesprochen kritisch: Stefan Schneck, Vertriebschef der Plattform „Autoscout24.de“, geht nicht nur von einem massiven Wertverlust für gebrauchte E-Autos aus, die ohnehin schwer an die Käufer zu bringen sind, er befürchtet auch, dass der Kunde am Ende „genauso viel zahlt wie vorher“ – da Hersteller möglicherweise auf eigene Nachlässe verzichten oder diese zumindest deutlich verringern.
Prämie? Viele haben noch nicht von der Förderung gehört
Umweltminister Schneider sieht dies naturgemäß anders. Bei der Vorstellung der Förderung im Januar hatte er prognostiziert, die neue Kaufprämie werde „der deutschen und europäischen Autobranche einen Schub verleihen“. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes kamen im Jahr 2025 die elf am häufigsten neu zugelassenen reinen Elektroautos aus dem VW-Konzern oder von der BMW-Gruppe. Allen voran waren das der ID.7 und der ID.3 von Volkswagen. Beantragen kann man die Förderung voraussichtlich erst ab Mai, wenn das entsprechende Internetportal an den Start gehen soll.
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Im Hinblick auf die neue Prämie ist allerdings noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Jeder Dritte (34 Prozent) in Deutschland hat bislang noch gar nichts von der neuen Förderung gehört. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „YouGov“ hervor. Außerdem fühlt sich eine Mehrheit der Befragten, die von der neuen Prämie bereits gehört hatte, nicht gut informiert. Demnach sagen 42 Prozent der Menschen, sie seien „eher schlecht“ informiert. Zwölf Prozent fühlten sich sogar „sehr schlecht“ informiert. Ferner antworteten 21 Prozent der Befragten, dass ein E-Auto für sie generell nicht infrage komme.