Die Partie in Nürnberg war eine KSC-Chaosvorstellung. Kein Zweikampfverhalten, das Erfolg versprach, keine Kreativität und keine Torgefahr. Offensichtlich auch: Es stehen zu viele Spieler auf dem Feld, deren Grundschnelligkeit nicht den Ansprüchen der zweiten Liga genügt. Dadurch werden Zweikämpfe verloren – falls die Profis überhaupt dazu kommen, diese zu bestreiten. Zudem waren die Badener zuletzt auch viel zu ungenau im Passspiel und wirkten ohne Selbstsicherheit.
Die Karlsruher waren anfangs beim Club darauf bedacht, defensiv keine Fehler zu machen. Das Offensivspiel litt darunter. Die erste richtig gefährliche Situation kam von Nürnberg. KSC-Keeper Hans Christian Bernat war zu Stelle. Doch die Nürnberger bestimmten die Partie. Die Karlsruher liefen hinterher und wurden in die Defensive gedrängt.
Kein KSC-Schuss in den ersten 15 Minuten
Die Fächerstädter agierten zu abwartend und waren viel zu passiv. Nach 15 Minuten: Immer noch kein KSC-Schuss auf das Nürnberger Tor. Und: Nur 38 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dennoch ließen die Blau Weißen anfangs keine Nürnberger Chancen zu. „Die ersten 25 Minuten waren ausgeglichen, da war‘s ordentlich. Dann haben wir uns zweimal dilettantisch beim Abwehrverhalten angestellt“, so Trainer Christian Eichner zur Anfangsphase.
Die erste Nachlässigkeit: Nürnbergs Routinier Adriano Grimaldi (33) kam völlig frei zum Schuss. Bernat parierte, doch danach, beim Schuss von Julian Justvan, war Bernat machtlos. 1:0. (26.) Kurz danach 2:0. Meiko Wäschenbach produzierte einen Fehlpass im Mittelfeld. Die Kugel kam zu Justvan und der hämmerte den Ball in die Maschen. 2:0 (28.). Das alles ging, wie beim ersten Gegentreffer, viel zu schnell für viele KSC-Profis.
KSC vermisst Zweikampfhärte
Die Karlsruher jetzt enorm unter Druck. Es fehlte die Zweikampfhärte und das Tempo. Zudem war keine Passgenauigkeit im Spiel. Auffällig, wie schon bei der Partie gegen Düsseldorf: Die Karlsruher verloren die meisten wichtigen Kopfballduelle.
Nach vorne lief beim KSC weiterhin – nichts. Und hinten? Zu zögerlich. 41. Minute: Mohamed Zoma war da, als die komplette KSC-Defensive einen Blackout hatte – 3:0 (42.). Das Zweikampfverhalten der Blau Weißen war furchterregend. Nur 40 Prozent der direkten Duelle wurden gewonnen. Aggressivität? Nicht vorhanden.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit begann ein Dreifachwechsel beim KSC. Leon Opitz, Louey Ben Farhat und Christoph Kobald kamen. Aber das Scheibenschießen in Richtung KSC-Gehäuse ging weiter. Rafael Pinto Pedrosa verlor im Mittelfeld den Ball. In der Abwehr: Tohuwabohu – 4:0 für den Club (50.). Zoma traf wieder.
Es war ein Offenbarungseid, den die Badener ablieferten: Eine Bestätigung, dass dieser Kader schlecht zusammengesetzt ist und die zahlreichen Neuzugänge keine Verstärkungen sind. Obwohl viele, viele Euros ausgegeben wurden.
11 Meter verhauen
In der 57. Minute keimte ein klein, klein wenig Hoffnung auf. Elfmeter für den KSC. Marvin Wanitzek verwandelte souverän. 4:1. Wanitzek hatte danach gleich zweimal Pech. Zuerst traf er die Kugel bei einem Schuss nicht richtig, kurz danach zielte er etwas zu hoch.
Dann: Erneut ein KSC-Blackout. Berkay Yilmaz wird nicht gestört, kann von links flanken und der nur 173 Zentimeter große Zouma trifft per Kopf. 5:1 (65.). Da wurde – wieder einmal – die KSC-Kopfballschwäche offensichtlich. Eine Viertelstunde vor Schluss vergab Sebastian Jung eine Großchance, scheiterte freistehend am Nürnberger Keeper.
Fazit der KSC-Klatsche in Nürnberg? Der Kader ist schlecht zusammengestellt. Auf den KSC kommen daher schwere Zeiten im Kampf um den Klassenerhalt zu. Mario Eggimann, der Sportgeschäftsführer fauchte: „Ich bin stinksauer, die ersten 60 Minuten gehen gar nicht.“ Er habe nicht bei jedem gesehen, „dass er sich zu hundert Prozent einsetzt.“ Heißt wohl, dass Eggimann einigen Spielern Arbeitsverweigerung unterstellt.
„Maximal frustriert“
Trainer Eichner bekannte: „Ich bin maximal frustriert. Wir haben uns bei der Defensivarbeit dilettantisch angestellt. Auf allen Positionen ist uns der letzte Verteidigungswille abgegangen. Das Abwehrverhalten war nicht zweitligatauglich. Mit diesem Abwehrverhalten kann man in dieser Liga nicht punkten.“ Kapitän Wanitzek schlug in die gleiche Kerbe: „Wenn du fünf Tore kriegst, kannst du nicht viel richtig gemacht haben.“
Für Wanitzek war es „25 Minuten ein normales Spiel. Dann haben wir Fehler gemacht und dann fehlte uns der letzte Verteidigungswille. Und dann brechen wir zusammen, bekommen einfache Tore. Der Gegner hat mit dem letzten Wilen verteidigt. Das war ein Unterschied, daher hat es nicht gereicht.“
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Peter Putzing
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