In den 20 Jahren zuvor gab es keine Untersuchungen dazu. Auch Forschende haben es schwer, Daten in diesem Dunkelfeld zu erheben. Charlotte Förster von der TU Chemnitz kennt das Problem und arbeitet bereits an einer Lösung. Sie hat 2024 zusammen mit Partnern in Österreich ein Projekt gestartet, um mehr über Bekanntheit, Erfahrung und den Umgang mit K.O.-Tropfen im deutschsprachigen Raum zu erfahren. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Dunkelziffer beim Einsatz von K.O.-Tropfen weiter auszuleuchten“, so die Forscherin, die jetzt erste Zwischenergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlicht hat. „Die bisherigen Zahlen zeigen bereits, dass das Ausmaß des Problems größer ist, als dass wir hier von einem Nischenphänomen reden können.“
Private Sponsoren für Info-Kampagne
Staatliche Förderung oder politische Unterstützung hat Förster bisher nicht erhalten. Das Projekt läuft im Rahmen der Uni-Forschung und mit Unterstützung privater Sponsoren. So ist es auch gelungen, im Januar und Februar eine Edgar-Freecard-Kampagne zu organisieren. In über knapp 300 Locations in den zehn größten Städten Deutschlands werden die Karten verteilt, die zur Teilnahme an der Online-Studie aufrufen.
Ob die Forschung in Zukunft Unterstützung erhält, ist ungewiss. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat allerdings bei der Vorstellung der aktuellen Dunkelfeldstudie K.O.-Tropfen als „besonders widerwärtige Form der Gewaltausübung“ bezeichnet. Und er kündigte an: „Die Anwendung von K.-O.-Tropfen wird zukünftig behandelt wie die Verwendung einer Waffe.“ Das jedoch kann nur geschehen, wenn sie zur Anzeige kommt, wenn sie nachgewiesen wird. Die Zahlen, die Charlotte Förster bisher aus der Zwischenauswertung ihrer Befragung erhoben hat, lassen daran Zweifel aufkommen.