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Einst lieferte die Pferdekutsche die Brötchen des Familienunternehmens Ridder aus. Nun hört der Heessener Bäckermeister nach vielen Jahrzehnten auf. Der Nachfolger steht schon lange bereit.

Heessen – Der Heessens Bäckermeister Wilhelm „Knabbel“ Ridder geht mit 83 Jahren in den Ruhestand. „Ich muss jetzt auch einmal an meine Gesundheit denken“, erklärt er seinen gar nicht gerne gemachten Schritt.

Anfänglich war die heutige Bäckerei Ridder ein Spar-LebensmittelladenAnfänglich war die heutige Bäckerei Ridder ein Spar-Lebensmittelladen. © Herbert Hansen

Ende des 19. Jahrhunderts kauften „Knabbels“ Großeltern, Mathias und Ida Ridder, das Eckhaus im Heessener Reinenhof mit der Nummer 2 gegenüber der Stephanuskirche, in dem sich bis heute der Stammsitz der Bäckerfamilie Ridder befindet. Bis dahin war dieses Haus im Besitz der Familie Boeselager gewesen und hatte dieser als Verwaltungssitz des Schlosses Heessen gedient.

Haus aus dem Besitz der Familie Boeselager erworben

Später stiegen dann Onkel Georg Ridder als eigentlicher Bäckermeister und Vater Wilhelm Ridder, gelernter Getreidekaufmann, in das Geschäft ein. Vater Wilhelm Ridder beließ es damals aber nicht bei Backwaren, sondern machte aus dem Geschäft in den 50er-Jahren einen Spar-Lebensmittelladen, war er doch selber im Vorstand der Spar-Handelsgesellschaft Dortmund-Hamm tätig.

Über Backstube und Geschäftsräumen befanden sich bis zu sechs Bäckergesellenstuben, denn damals erhielten die Bäckerlehrlinge und -gesellen neben ihrem Lohn auch Kost und Logis, da ein großer Teil der Arbeitsstunden in die Nacht fiel und so die Angestellten kurze Wege hatten. Überhaupt war das Wohl ihrer Mannschaft den Eltern Ridder als auch „Knabbel“ selber ein großes Anliegen. „Meinen Eltern und mir war es immer wichtig, das Menschliche im Umgang mit unseren Leuten zu betonen“, meint „Knabbel“ dazu.

Mit dem Pferdewagen bis an die Haustür

Zwischen dem Ridder-Haus und der alten Schule, dort, wo heute eine bewachsene Pergola zum schattigen Verweilen auf dem sogenannten Dorfplatz in Heessen einlädt, befand sich damals ein Pferde- und Schweinestall. In der Bäckerei und im Lebensmittelgeschäft fielen immer wieder Lebensmittel-Abfälle an, die an die Schweine verfüttert wurden, und mit dem Pferdewagen belieferte Ridder die Bevölkerung Heessens direkt an der Haustüre mit seinen Backwaren und anderen Lebensmitteln.

Wilhelm „Knabbel“ Ridder übergibt die Geschäftsführung seiner Heessener Bäckerei an Serkan AlaogluNachfolger gefunden: Wilhelm „Knabbel“ Ridder übergibt die Geschäftsführung seiner Heessener Bäckerei an Serkan Alaoglu. © Herbert Hansen

Zwischenzeitlich hatte der 1942 geborene Wilhelm „Knabbel“ Ridder die Handelsschule und eine Ausbildung absolviert und 1965 dann seinen Bäckermeister gemacht. Für ihn stand von Anfang an fest, dass er den bestehenden Lebensmittelladen gegen den Willen seines Vaters so nicht weiterführen, sondern sich ganz auf das Backhandwerk konzentrieren wollte. Hier gab ihm vor allem seine Mutter Rückendeckung und „Knabbel“ konnte seinen Plan durchsetzen.

Filialen in ganz Hamm

Neben dem Bäckerladen im Stammhaus belieferte er nun über 20 damals existierende „Tante-Emma“-Läden in ganz Heessen mit Backwaren. Als die Discounter diese nach und nach verdrängten, begann die Bäckerei Ridder Kantinen der Region zu beliefern, vor allem hier in Hamm die der Zechen, später konzentrierte sich Ridder auf Krankenhäuser. Außerdem versorgte man mehrere Ridder-Filialen über ganz Hamm verteilt mit Backwaren, sogar andere Bäckereien und Cafés waren Kunden.

Hier stehen noch die Stallgebäude zwischen dem Spar-Laden Ridder und der alten Heessener SchuleHier stehen noch die Stallgebäude zwischen dem Spar-Laden Ridder und der alten Heessener Schule. © Herbert Hansen

Auch die parallel, aber unabhängig von Heessen auf der Ostenallee existierende Bäckerei Ridder, die „Knabbels“ Onkel Stefan bis 1969 betrieb, dann bis 1999 dessen Sohn Siegfried, ist heute eine Filiale des Stammhauses in Heessen. Dabei war die Bäckerei immer bestrebt, ihren Kunden beste Ware anzubieten. „Premium-Qualität aus erstklassigen regionalen Zutaten, das war immer oberstes Gebot bei Ridder, und so soll es auch bleiben“, erklärt der Bäckermeister.

Qualitätsgaranten im Team Ridder

Qualität lässt sich aber nur mit erstklassigen Mitarbeitern erzielen, worauf die Familie immer besonderen Wert legte. Und so blieben die Bäckermeister wie Heinrich Knop, dann Wolfgang Reichenberger und später noch Wolfgang Lehnert der Bäckerei Ridder jeweils über viele Jahre verbunden. „Unsere Bäckermeister waren und sind unsere Qualitätsgaranten“, betont „Knabbel“.

Mein Vater pflegte mir immer klarzumachen, dass ich zwar alleine singen könnte, aber erfolgreich arbeiten könnte ich nur zusammen mir einem guten Team.

Aber natürlich war das immer freundliche, gut gelaunte und hilfsbereite Ladenpersonal nicht minder wichtig für den Erfolg und auch hier verweist Wilhelm Ridder auf den Teamgeist innerhalb seiner Mannschaft. „Mein Vater pflegte mir immer klarzumachen, dass ich zwar alleine singen könnte, aber erfolgreich arbeiten könnte ich nur zusammen mir einem guten Team“, meint Ridder.

Seit zehn

Schließlich erweiterte Ridder sein Geschäft im Sinne eines Café-Angebots, wo Wanderer, Radfahrer und andere Besucher bis heute einkehren und in den Sommermonaten sogar gemütlich draußen Kaffee und Kuchen genießen können.

Seit etwa zehn Jahren versuchte Wilhelm „Knabbel“ Ridder immer wieder mit ganz kleinen Schritten den Übergang in einen Ruhestand einzuleiten. „Es war auch meiner Gesundheit geschuldet, dass ich mich mit diesem Gedanken auseinandersetzen musste“, beschreibt er diesen Lebensabschnitt. Nun ist also auch Wilhelm „Knabbel“ Ridders Zeit gekommen, das Jahr 2026 ist das Jahr seines Gangs in den Ruhestand.

So übergibt er also dieses Jahr das Ruder dem neuen geschäftsführenden „Steuermann“ Serkan Alaoglu, der schon seit 27 Jahren in der Bäckerei in Heessen tätig ist. „Serkan hat schon in den Zeiten meiner gesundheitlichen Probleme den Laden zusammengehalten“, erwähnt Ridder. Und Wilhelm „Knabbel“ Ridder weiß, dass Serkan den Bäckereibetrieb Ridder in seinem Sinne fortführen wird.

Vor vier Jahren hatte in Heessen eine andere Traditionsbäckerei geschlossen. Hier gab es keinen Nachfolger. Und seit knapp eineinhalb Jahren müssen die Heessener schon auf einen der beliebtesten Biergärten Hamms mit einer ebenfalls langen Geschichte verzichten.