Mit „Mutpost“ ist am Mittwoch eine neue Online-Plattform zur niedrigschwelligen Unterstützung für Menschen in psychischen Krisen gestartet. Über ein Kontaktformular können Nutzer persönliche Mutmach-Briefe verfassen und teilen – mit eigenen Erfahrungen, Gedanken oder Momenten, die Hoffnung geben. Entwickelt wurde die Seite vom Werner-Felber-Institut für Suizidprävention in Dresden.

Die Idee dahinter: Menschen, die selbst schwere Zeiten überstanden haben, geben ihre Geschichten an Betroffene weiter – als Zeichen dafür, dass Krisen überwindbar sind. „Gerade in schwierigen Lebensphasen kann es entscheidend sein, Worte des Trostes zu finden, die zeigen: Du bist nicht allein“, erklärt Instituts-Vorstandsvorsitzende Ute Lewitzka.

Von englischer Seite inspiriert

Die Inspiration für „Mutpost“ stammt von der englischsprachigen Plattform „reasons to stay“, wie Christiane Felsenstein vom Institut sagt. Deren Gründer Ben West hatte das Projekt ins Leben gerufen, nachdem sich sein 15 Jahre alter Bruder Sam das Leben genommen hatte. Bis heute wurden dort fast 870.000 Briefe eingereicht. „Als ich das Video von Ben West sah, dachte ich: Das brauchen wir auch im deutschsprachigen Raum“, sagt Felsenstein. In nur drei Wochen sei aus der Idee eine funktionsfähige Website geworden.

Suizid häufigste Todesursache bei Menschen unter 25

Wie wichtig solche Angebote sind, zeigen die Zahlen: Suizid ist laut Institut die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25 Jahren. Bundesweit nehmen sich jedes Jahr rund 10.000 Menschen das Leben. Betroffene kämpfen oft über lange Zeit mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Konstantin Siegel, der schon zwei schwere Krisen durchlebt hat, weiß, wie wichtig Verständnis und Unterstützung in solchen Momenten sein können. „Ein achtsamer Umgang mit sich selbst und echte Ermutigung von außen können viel verändern“, sagt er.

Kein Ersatz für professionelle Hilfe

„Mutpost“ will genau diesen kleinen, aber oft entscheidenden Impuls geben – und zugleich klar vermitteln, dass digitale Briefe keine professionelle Hilfe ersetzen. „Wir nennen Anlaufstellen, an die man sich in akuten Situationen wenden kann“, so Felsenstein. Die Website bietet dafür einen Soforthilfe-Button sowie eine Übersicht mit professionellen Angeboten.

Sachsen bei bundesweiter Suizidrate mit einer der höchsten Raten
Wie aus Zahlen des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro) und der Deutschen Akademie für Suizidprävention (DASP) hervorgeht, gibt es bei den Suizidraten regionale Unterschiede in Deutschland. Demnach weist Mecklenburg-Vorpommern mit einer Suizidziffer von 16,6 pro 100.000 Einwohnern die höchste Rate auf, gefolgt von Sachsen (15,9) und Sachsen-Anhalt (15,7). Die niedrigsten Werte verzeichnen das Saarland (8,3) sowie Nordrhein-Westfalen (10,2).