Kevin Keegan im HSV-Trikot

AUDIO: Lange lebe Kevin Keegan – das HSV-Idol wird 75 (1 Min)

Fußball

Stand: 15.02.2026 00:05 Uhr

Kevin Keegan ist einer der populärsten Spieler in der Geschichte des HSV und wird in Hamburg noch immer verehrt. am Sonnabend feierte der Engländer seinen 75. Geburtstag, der aber von einer schweren Krankheit überschattet wurde.

von Sebastian Ragoß

1,69 Meter groß, mit wehendem Wuschelkopf, schnellen Beinen und spektakulären Toren: So ist Kevin Keegan den Fußball-Fans in Erinnerungen geblieben. Ein Sympathieträger, der in mehreren Vereinen als Legende verehrt wird und einst den Spitznamen „Mighty Mouse“ erhielt.

Heute wird Keegan 75 Jahre alt, doch zu seinem Ehrentag überwiegen die Sorgen um den englischen Fußball-Star. Vor wenigen Wochen hat Keegan bekanntgegeben, dass er an Magenkrebs erkrankt sei. Aus der Öffentlichkeit hat er sich schon seit Längerem zurückgezogen.

Kevin Keegan im HSV-Trikot

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Die Familie des 74-Jährigen, der 1979 mit dem HSV die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, machte die Erkrankung am Mittwoch öffentlich.

„Das war eine furchtbare Nachricht“, sagt sein ehemaliger HSV-Mitspieler Felix Magath: „Kevin Keegan war als Spieler schon ein ganz starker Mann und ich hoffe, dass er die Situation in den Griff kriegt und dass es ihm gelingt, die schwere Krankheit zu besiegen.“

Wechsel nach Hamburg verändert den HSV

Der Hamburger SV ist einer jener Clubs, in denen Keegan Legenden-Status erreicht hat, obwohl er nur drei Jahre (1977 bis 1980) für den HSV aktiv war.

Keegans Wechsel vom FC Liverpool nach Hamburg im Jahr 1977 verändert den Club nachhaltig und läutet die erfolgreichste Zeit des HSV ein.

Gut 15 Jahre zuvor waren die Beatles aus der englischen Hafenstadt nach Norddeutschland gekommen. Doch anders als die „Pilzköpfe“ damals, ist Keegan bereits ein Star, als er in Hamburg eintrifft. Ein Leistungsträger beim FC Liverpool, der in England und in Europa Titel um Titel holt.

Rekordablöse und schwieriger Start

2,3 Millionen D-Mark bezahlt der HSV – eine damals fast irrwitzige Summe. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Keegan: Die Meisterschaft soll erstmals seit 1960 wieder nach Hamburg. Doch Keegans erste HSV-Saison ist ein Debakel. Das Team bröselt auseinander, wird von Trainer Rudi Gutendorf schlecht geführt und schafft es nicht, den neuen Star zu integrieren.

Keegan möchte Hamburg wieder verlassen und formuliert seinen Abschiedswunsch deutlich beim neuen Manager Günter Netzer. Doch der glättet die Wogen und holt in Branco Zebec einen Trainer, der nicht nur Keegan in die Mannschaft integriert, sondern den HSV komplett neu erfindet und zum Topteam der Bundesliga formt.

Keegan Schlüsselspieler bei der Meisterschaft 1979

In der Saison 1978/1979 sind die Norddeutschen das Maß der Dinge. Keegan wieselt ohne feste Position hinter, vor und zwischen den Spitzen und stellt seine Gegenspieler vor unlösbare Probleme. Der kreative Kämpfer spielt 1979 Fußball im Tempo des Jahres 2000 und schießt den Traditionsclub mit 17 Toren zur deutschen Meisterschaft. Zudem wird er wie schon im Jahr zuvor zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

HSV-Star Kevin Keegan 1979 mit der Meisterschale

Kevin Keegan ist der entscheidende Spieler beim Titelgewinn der Hamburger 1979.

„Kevin war ein ganz wichtiger Baustein für diese Mannschaft“, sagt Magath: „Er war ein super Teamplayer und ein super Mensch.“

In den Top Ten als Sänger

Einen derart nahbaren und sympathischen Star hat der HSV seit Uwe Seeler nicht mehr gehabt. „Er war Vollprofi und uns in der Zeit voraus, was das ganze Auftreten gegenüber Medien und Fans betraf“, so Magath über Keegan, der reihenweise öffentliche Auftritte und Werbetermine abreißt.

Kevin Keegan posiert mit seiner Hitsingle "Head Over Heals In Love"

Und da singende Fußballer in den 1970er-Jahren keine Seltenheit sind, versucht sich auch Keegan am Mikrofon. Chris Norman und Pete Spencer von der Band Smokie schreiben und produzieren für ihn die Single „Head Over Heels In Love“, die in Deutschland die Top Ten der Charts erreicht.

Müde von Zebec‘ Training – Abschied 1980

Dem Engländer scheint alles mit Leichtigkeit zu gelingen. Doch Keegan ist fast 30 Jahre alt und steuert auf die Endphase seiner Karriere zu. Das (über-)harte Training unter Zebec setzt dem Stürmer zu. „Das größte Problem war Zebec“, sagt Keegan Jahre später zu den Gründen für seinen HSV-Abschied im Sommer 1980: „Nach dem Training bin ich nach Hause gegangen – nur um zu schlafen. Das zeigt, wie anstrengend das alles für mich war.“

Keegan kehrt zurück nach England und spielt dort noch jeweils zwei Jahre für den FC Southampton und Newcastle United, den Lieblingsclub seines Vaters.

Als Trainer in Newcastle erfolgreich

Newcastle ist auch Keegans erste und erfolgreichste Station als Trainer. Im Februar 1992 übernimmt er United am Rande der Drittklassigkeit, anderthalb Jahre später feiert der Traditionsclub mit den leidenschaftlichen Anhängern die Rückkehr in die englische Eliteliga.

Im hohen Norden Englands ist ein Titelkandidat herangereift, der von „King Kev“ trainiert wird. Keegans Aura und Erfahrung inspirieren Newcastle, das im Februar 1996 satte zwölf Punkte Vorsprung auf Manchester United hat. Es kommt jedoch zu einem epochalen Einbruch – Newcastle verspielt die Chance auf die erste Meisterschaft seit 1927 und wird nur Zweiter. Ein halbes Jahr später verlässt Keegan den Club.

Es folgen ein unglückliches Engagement als englischer Nationaltrainer (1999 – 2000) sowie Engagements beim FC Fulham (1997 – 1999) und Manchester City (2001 – 2005), bei denen Keegan jeweils den Erstliga-Aufstieg feiert. Und schließlich eine kurze, nicht besonders erfolgreiche Rückkehr nach Newcastle (2008).

„Lang lebe King Kev“

Fans von Newcastle United zeigen ein Plakt auf dem steht: "Long liv King Kev"

Eine Welt-Karriere wie als Spieler gelingt Keegan als Coach nicht, seine Popularität leidet darunter nicht im Geringsten.

Vor allem nicht in Newcastle, das seine verdienten Fußball-Helden nicht vergisst. Kurz nach Bekanntgabe der Krebs-Diagnose zeigten die Fans Anfang Januar ein großes Banner im St. James‘ Park: „Lang lebe King Kev, der Messias.“

Es bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird.

Fahnen mit dem Logo des Hamburger SV

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