Die Grippewelle hat Vorpommern-Greifswald voll erfasst. Nach der Asklepios-Klinik in Pasewalk zu Wochenbeginn verzeichnen nun auch die Ameos-Häuser in Anklam und Ueckermünde eine erhöhte Anzahl Influenza-Patienten.

Der Eingang des Pasewalker Krankenhauses: In dem Haus werden derzeit viele Grippe-Patienten behandelt.Bild vergrößern

Der Eingang des Pasewalker Krankenhauses: In dem Haus werden derzeit viele Grippe-Patienten behandelt. (Foto: Andy Bünning)

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„Im Vergleich zur Grippewelle im vergangenen Winter werden aktuell deutlich mehr Patienten versorgt“, teilte Ameos-Sprecher Felix Naundorf am Donnerstag für beide Kliniken mit. „Wir bewegen uns derzeit auf einem saisonal erwartbaren, aber insgesamt hohen Infektionsniveau“, erklärte Dirk Werner, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Anklam.

Atembeschwerden, Fieber und Husten

Besonders betroffen seien ältere Menschen sowie solche mit chronischen Vorerkrankungen, insbesondere der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems, sagte der Arzt. „Wir beobachten überwiegend das klassische Bild einer Influenza Typ A mit Atembeschwerden, Fieber, Abgeschlagenheit und Husten. Schwere Verläufe entstehen in der Regel im Zusammenhang mit bestehenden Grunderkrankungen“, erläutert Dirk Werner.

Die Klinik in Ueckermünde verzeichnet in diesem Monat viele Grippe-Fälle.Bild vergrößern

Die Klinik in Ueckermünde verzeichnet in diesem Monat viele Grippe-Fälle. (Foto: NK-Archiv/Christopher Niemann)

Auffällig ist bei dieser Grippewelle, dass neben den typischen Atemwegssymptomen vermehrt auch Übelkeit und Erbrechen beobachtet werden, ergänzt Dominic Stuth, Hygienefachkraft am Hanse-Klinikum Anklam. „Dabei handelt es sich um ein weniger typisches, aber in dieser Saison gehäuft auftretendes Begleitsymptom.“

Dirk Werner, Chefarzt für Innere Medizin im Ameos-Krankenhaus in AnklamBild vergrößern

Dirk Werner, Chefarzt für Innere Medizin im Ameos-Krankenhaus in Anklam (Foto: Archiv/Ameos)

Für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Erkrankte sowie für medizinisches Personal empfiehlt der Internist die saisonale Influenza-Impfung. „Diese schützt nicht in jedem Fall vor einer Infektion, reduziert aber nachweislich das Risiko schwerer Verläufe, von Krankenhausaufenthalten und von Folgekomplikationen.“

Bis zu fünf Tage Krankenhaus

Im Pasewalker Krankenhaus wurde nach Auskunft des Ärztlichen Direktors Dr. Bernd Müllejans in diesem Jahr „eine höhere zweistellige Zahl an Influenza-Patienten behandelt“. Je nach Schweregrad, Nebenerkrankungen oder Komplikationen würden die Betroffenen drei bis fünf Tage in der Klinik bleiben.

Dr. Bernd Müllejans, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Pasewalker Asklepios-KlinikBild vergrößern

Dr. Bernd Müllejans, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Pasewalker Asklepios-Klinik (Foto: Archiv/Asklepios)

Neben Fieber, Abgeschlagenheit, Halsschmerzen und Husten würden manche auch über Bauchschmerzen klagen. Die Symptome seien nicht stärker als gewöhnlich. „Wir haben jedes Jahr solche Welle. Momentan ist es vor allem Influenza A des Subtyps H2N3. Diese Virus-Variante ist sehr infektiös auf der ganzen Welt.“ Besonders häufig betroffen seien Kinder und Jugendliche und ältere Menschen ab 65 Jahren.

Das Infektionsgeschehen flaut erfreulicherweise leicht ab.“

Dr. Bernd Müllejans, Arzt im Pasewalker Krankenhaus

Behandelt würden die Patienten unter anderem mit fiebersenkenden Infusionen und je nach Infektionszeitpunkt und Schwere der Erkrankung mit antiviralen Medikamenten. Antibiotika verordne er bei Virusinfektionen dann, wenn bakterielle Komplikationen wie Lungenentzündungen auftreten. Nach seinen Beobachtungen flaut das Infektionsgeschehen „erfreulicherweise leicht ab“, sagte der Arzt am Mittwoch.

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Dennoch besteht in der Pasewalker Asklepios-Klinik weiterhin die dringende Bitte, Masken zu tragen. Besucher bekommen an der Rezeption kostenlosen Mund-Nasen-Schutz ausgehändigt. Außerdem sind sie angehalten, sich die Hände zu desinfizieren. Schilder im Eingangsbereich informieren über die aktuelle Infektionslage und Verhaltensregeln.

Altersheime weitgehend verschont

Vor den Altersheimen in Vorpommern-Greifswald scheint die Grippewelle bislang Halt gemacht zu haben. In keiner der vom Nordkurier stichprobenartig befragten Seniorenresidenzen in Anklam, Ueckermünde, Torgelow und Pasewalk war Influenza ein akutes Problem. „Wir haben keine Grippe“, hieß es von der Gesellschaft für betreutes Wohnen in Anklam. „Höchstens ein bis zwei Fälle“, vermeldete die KS Wohnresidenz in Anklam. „Bei uns werden alle Besucher gebeten, sich die Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten, einfach auf Hygiene zu achten. Bisher haben wir keine Fälle und klopfen auf Holz“, teilte das Kursana-Domizil Haus am Tanger in Torgelow mit.

Die Gesellschaft für betreutes Wohnen in Anklam blieb bisher von der Grippe verschont.Bild vergrößern

Die Gesellschaft für betreutes Wohnen in Anklam blieb bisher von der Grippe verschont. (Foto: NK-Archiv)

Im Cura-Seniorenzentrum in Pasewalk sind nach Auskunft der Geschäftsleitung „fast alle geimpft, Personal wie Bewohner“. „Trotzdem lässt sich Ansteckung nicht ganz vermeiden. Bei uns hält sich die Grippewelle aber im Rahmen, ist nicht anders als sonst, toi, toi, toi.“ Besucher seien ermuntert, eine Zeit lang „auf Umarmungen und Küsschen zu verzichten“ und sich derzeit lieber zu überlegen, ob die Enkel und Urenkel aus dem Kindergarten unbedingt mit ins Pflegeheim müssen.

Wer selbst Erkältungssymptome hat, solle von einem Besuch Abstand nehmen, ansonsten gelten bei Cura die gängigen Hygienemaßnahmen. Aus dem Gesundheits- und Pflegezentrum in Anklam und dem Vitanas-Seniorenzentrum Am Tierpark in Ueckermünde gab es keine Auskunft.

Impfstoff wird knapp

Dem Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald sind seit Jahresbeginn bis Mittwochnachmittag 1296 Grippe-Fälle gemeldet worden. Wer noch nicht geimpft ist, könne eventuell Schwierigkeiten bekommen, das nachzuholen. „Der Zeitpunkt der Impfung sollte immer vor Beginn der Grippesaison sein. Unserer Kenntnis nach verfügen nur noch wenige Arztpraxen über Impfstoffdosen“, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Größere Impfaktionen habe es bereits im Herbst in Greifswald, Anklam und Pasewalk gegeben.

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Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind in Vorpommern-Greifswald gerade einmal fünf Prozent aller Einwohner gegen Grippe geimpft. Das sind immer noch mehr als in der benachbarten Mecklenburgischen Seenplatte und der Uckermark mit jeweils vier Prozent. Die bundesweite Impfquote liegt nach Auskunft des RKI bei 13 Prozent.

Um nicht selbst zum Überträger zu werden, könne jeder ein paar Vorsichtsmaßnahmen beachten. Anhusten und Anniesen seien zu vermeiden, Taschentücher sicher zu entsorgen, empfiehlt das Gesundheitsamt. Räume sollten intensiv gelüftet werden. Gründliches Händewaschen nach Kontakt mit Menschen, Sanitäreinrichtungen oder Gegenständen von Erkrankten und vor dem Essen sei geboten. Wer krank ist, solle zu Hause bleiben und Kontakte vermeiden.

Ein Ende der Grippesaison sei noch nicht in Sicht. Die dauere erfahrungsgemäß bis Mitte Mai.