Banken und Sparkassen in Sachsen-Anhalt haben nach dem Einbruch von Gelsenkirchen ihre Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Trotzdem sind viele Kunden – auch in Sachsen-Anhalt – verunsichert. Können ihre Schätze wie Gold, Familienschmuck und persönliche Andenken, aus den Schließfächern abhandenkommen?

Was passierte beim Sparkasseneinbruch in Gelsenkirchen?
Ende Dezember 2025 haben Einbrecher in der Filiale Gelsenkirchen-Buer den Inhalt von 3.200 Schließfächern gestohlen. Der Wert der erbeuteten Gegenstände wird auf 30 bis über 100 Millionen Euro geschätzt. Der Einbruch ereignete sich zwischen dem 25. und 28. Dezember, wurde aber erst am 29. Dezember entdeckt. Die Täter hatten sich von einer benachbarten Tiefgarage aus zunächst Zugang zu einem Archivraum verschafft und bohrten sich dann durch die Stahlbetonwand zum Tresorraum.

„Unvorstellbar, dass so etwas passiert“

Der Wittenberger Sparkassen-Vorstand Thomas Arndt sitzt in seinem Büro und wirkt nachdenklich. Er gibt zu, dass der Überfall auf das kommunale Kreditinstitut in Gelsenkirchen ihn in Panik versetzt habe: „Wenn ich ein lautes Bohrgeräusch gehört habe, bin ich zusammengezuckt. Unvorstellbar, dass so etwas in Gelsenkirchen passieren konnte.“ Arndt spricht vom Vertrauen der Kunden, dass diese überzeugt sind, dass ihre Wertgegenstände sicher aufbewahrt werden. Vertrauen sei die wichtigste Währung einer Bank.

Die Sparkasse Wittenberg, die 2024 eine Bilanzsumme von mehr als 1,9 Milliarden Euro auswies, besitzt 3.500 Schließfächer in unterschiedlicher Größe, verteilt auf Filialen im gesamten Landkreis Wittenberg. Die meisten Schließfächer sind ganz klassisch in der Wand eingelassen, in der Sparkassenzentrale am Alten Bahnhof in Wittenberg dagegen vertraut man auf ein modernes automatisches Regalsystem, das von Förderbändern bewegt wird.

Vertrauen ist die wichtigste Währung einer Bank.

Thomas Arndt
Wittenberger Sparkassen-Vorstand

Sparkassen-Mitarbeiterin Ramona Gallert hat dort selbst ein kleines Schließfach, in dem sie wichtige persönliche Dokumente aufbewahrt. Sie zeigt, wie es funktioniert. „Das Schließfach steht rund um die Uhr zur Verfügung. Mit meiner Sparkassenkarte gehe ich durch eine Schleuse, muss am Lesegerät dann die PIN-Nummer eingeben.“ Danach muss sie einige Minuten warten, bis die automatische Anlage ihr Schließfach zutage fördert. Es rumpelt auf einmal laut, die Stahlklappe springt ein Stück auf. Mit ihrem Schlüssel kommt Ramona Gallert an ihre Wertgegenstände heran. So weit, so sicher.

Wittenberger Tresore zum Test angebohrt

Sind solche modernen Schließfächer besser geschützt vor Überfällen? Sparkassen-Vorstand Arndt antwortet ausweichend: „Wir haben hier natürlich eine starke Gebäudehülle um die Schließfächer. Das ist wie beim Zwiebelprinzip oder wie bei einer Kokosnuss. Das ist schon ein starker Schutz. Aber ich will jetzt nicht so arrogant sein und sagen, dass uns nie etwas passieren kann.“ Doch der 55-Jährige ist kein Typ, der sich gern überraschen lässt. Deshalb ging er in die Offensive und brachte damit seine Sicherheitsfirma zum Verzweifeln. „Unsere Alarmsysteme sind schon vor 20 oder sogar 30 Jahren installiert worden. Die werden auch ständig gewartet und zeigen immer an, dass alles in Ordnung ist. Doch ist wirklich alles in Ordnung? Wir haben es ja nie getestet.“

Deshalb ordnete Arndt eine ungewöhnliche und teure Untersuchung an. Er ließ alle Tresore der Wittenberger Sparkasse anbohren, und zwar mit verschiedenen Spezialbohrern. „Die Welt hat sich verändert. Möglicherweise haben Bohrer heute weniger Schlagkraft, lösen weniger Erschütterungen aus. Deshalb war es mir wichtig,  zu überprüfen, ob die Alarmmelder noch funktionieren.“  Und tatsächlich. Wie erhofft wurde bei jeder Bohrung jedes Mal Alarm ausgelöst. Für Arndt steht damit fest, dass ein Überfall wie in Gelsenkirchen so in Wittenberg nicht möglich gewesen wäre.

Zusatzversicherung für höheren Schutz ist sinnvoll

Dennoch rät der Wittenberger Sparkassen-Vorstand seinen Kunden zu einer finanziellen Absicherung – für den Fall der Fälle. „Die Schließfächer sind standardmäßig immer mit 1.500 Euro versichert. Deshalb empfiehlt es sich, eine Zusatzversicherung abzuschließen, die unter 100 Euro im Jahr kostet. Dann erhöht sich der Versicherungsschutz auf 100.000 Euro.“ Für Beträge darüber hinaus gebe es noch weitere Versicherungsmöglichkeiten. Wichtig sei außerdem, den Inhalt seiner Schließfächer zu fotografieren,  damit die Versicherung am Ende auch zahlt.