„Die Sonne lacht und es ist zum Glück trocken“, freute sich Nadine Träggert am Tulpensonntag. Gemeinsam mit ihrer Mutter Anna und Töchterchen Sina hatten sie sich ein windgeschütztes Plätzchen gesichert, um ganz nah dabei zu sein, wenn der Veedelszoch durch Niederkassel zieht. „Wir sind das erste Mal dabei“, erzählt die gebürtige Krefelderin. Die Familie ist vor einem halben Jahr nach Düsseldorf gezogen. „Kolleginnen haben mir den Tipp gegeben, diesen Umzug anzusehen, weil der so familiär ist und man besonders gut mit kleinen Kindern hingehen kann“, erzählte die 29-Jährige.
Die Drei sind nicht die einzigen, die sich dick eingemummelt haben, denn das Thermometer lag im niedrigen einstelligen Bereich. „Egal, wir schunkeln uns einfach warm“, bestimmte die Oma, während sie Tochter und Enkelchen unterhakte, um der Aussage gleich Taten folgen zu lassen. Denn vor ihnen hatte ein mit Palmen und einer großen gelben Sonne geschmückter Prunkwagen gestoppt, aus dessen Lautsprechern heiße Sambarhythmen kamen und der die Aufschrift „Teneriffa – Puerto de la Cruz trug“. „Das ist ja toll, da machen wir schon seit Jahren immer Urlaub“, verriet Nadine Träggert.
Zwanzig Gruppen und insgesamt über 1000 Teilnehmende machten den närrischen Lindwurm auch in diesem Jahr zu einem echten Hingucker. Bei den Kostümen gaben die Narren alles. Ob als Raketen, Sterne oder Unterwasserwesen, der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Eine der größten Gruppen bildete die Internationale Schule, deren amerikanischer Schoolbus nie fehlen darf. Auch der irisch-deutsche Stammtisch Mighty Mighty Irish zeigte Flagge und der Meerbuscher Freundeskreis feierte ebenso wie die Tanzgarde der KG Blau-Weiß Büderich, die gute Nachbarschaft zu den Niederkasselern.
Die Leibgarde des Prinzenpaares Marcus I. und Venetia Nicole hatte ihren VW-Bulli „Strubbel“, gefüllt mit Kamelle, am Start.
Einfach tierisch war eine Fußgruppe, die den „Wahnsinnigen Wald“ und die Jagd auf Fuchs und Wildschwein zum Thema machte. Nicht die einzigen „Tiere“ am Tulpensonntag, auch Pandas, Hasen oder Tiger waren unterwegs.
„Der Zoch ist jedes Jahr unser Highlight“, verriet Sven, der mit seinen „Kumpels vom Bau“ gleich den Proviant für das jecke Treiben im Bollerwagen mitgebracht hatte. Auf die Frage, was es denn Leckeres gibt, zählte „der Baumeister“ auf: „Bloodwoosch natürlich, Halve Hahn, Löwensenf und Alt“.
Hoch im Kurs beim närrischen Volk standen Kinohelden aus „Star Wars“ und „Wicked“. Auch Harry Potter und seine Freundin Hermine säumten den Zugweg, schwangen lachend ihre funkensprühenden Zauberstäbe.
„Der friert bestimmt nicht“, meinte die siebenjährige Leah zu ihrer Mama Nathalie und zeigte dabei auf einen Narren, der im Koala-Kostüm vorbeilief und ihnen fröhlich winkend ein „Helau!“ zurief und zu „Unser Zoo, tierisch bunt und wunderbar!“ gehörte.
Traditionell bildet die Tonnengarde mit ihrem Tonnenbauernpaar Burkhard Weiss und Alexandra Hinkel den Höhepunkt des Umzugs. Auch „das junge Gemüse“ war mit Kindertonnenbauer Kian Modjahedpour (zehn Jahre) und -bäuerin Sophie Schuster (elf Jahre) auf einem eigenen Wagen dabei. Das Fußvolk der Tonnengarde läuft übrigens den gesamten Zugweg in den hölzernen Klompen.
Das Kindertonnenbauernpaar wollte zum Abschluss des närrischen Treibens noch das Tonnenrennen ordentlich rocken und den Großen mal zeigen, wie ein Wagen mit Holzfass so gerollt werden muss.
Natürlich mussten auch seine Tollität Marcus I. und seine Venetia Nicole gegen die Profis aus Niederkassel im Tonnenrennen unter dem Jubel der Jecken antreten. Zum Rennen hat Tonnenbäuerin Alexandra Hinkel eine ganz besondere Erinnerung. Denn ihr erster Sohn kam nur wenige Stunden nach dem Niederkasseler Umzug und Tonnenrennen 2016 zur Welt, den die jecke Düsseldorferin vorher noch mitgelaufen war.
Tonnenbauer Burkhard feiert 2026 sein erstes närrisches Jubiläum. Denn seit elf Jahren ist er nun schon mit Herzblut Mitglied der Tonnengarde.