Standdatum: 15. Februar 2026.
Autorinnen und Autoren:
Christian Osterloh
Im Nelson-Mandela-Park geben Helfer Essen an Bedürftige aus. Der Wagen ist aber auch Treffpunkt für Gespräche. Auch Kleidung gibt es hier.
Bild: Radio Bremen | Christian Osterloh
Jeden Mittwoch um 16 Uhr fahren Monika Hartmann und ihre Helfer in den Nelson-Mandela-Park am Bremer Hauptbahnhof und versorgen bis zu 150 bedürftige Menschen mit Kleidung und Lebensmitteln.
Es sind minus 4 Grad in Bremen. Der Boden ist gefroren und der Wind eiskalt. Trotzdem warten bereits zehn Menschen auf Manuela Hartmann und ihre Helfer im Nelson-Mandela-Park. Weniger als sonst, doch wer heute die Möglichkeit auf eine warme Unterkunft hat, der nimmt den Hunger dafür in Kauf und verzichtet auf die Unterstützung im Nelson-Mandela-Park.
Es ist 15.15 Uhr als sie mit ihrem umgebauten Rettungswagen in den Park fährt. Seit 2016 gehört das zu ihrer wöchentlichen Routine. Sie hatte den Kampf gegen eine lange Krebserkrankung gewonnen und beschlossen nun ihre Zeit zu nutzen, um anderen Menschen zu helfen. Dafür verkaufte sie die Hebebühnen-Firma, welche sie zusammen mit ihrem Mann geleitet hat.
Bremerin fährt dahin, wo Wohnungslose Hilfe brauchen – seit zehn Jahren
Einmal pro Woche fährt Manuela Hartmann mit ihrem umgebauten Krankenwagen durch Bremen. Überall wo Menschen Hilfe brauchen, hält sie an.
Quelle: Radio Bremen
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Bild: Radio Bremen
Von Lebensmitteln bis Schuhwerk – Manuela Hartmann hilft mit vielem
Manuela Hartmann steigt aus ihrem Wagen und zündet sich erstmal eine Zigarette an. „Als erstes entspannen wir uns ein paar Minuten. Bis alle Helfer da sind, dann bauen wir so langsam auf“. Aus der Entspannung wird nichts, denn ein junger Mann braucht dringend neues festes Schuhwerk. Sie kennt sich gut in ihrem Auto aus. Es braucht zwei Handgriffe und sie hat die richtige Größe parat. Der erste Stammgast ist glücklich. Ein weiterer sucht einfach nur ein nettes Gespräch bei ihr.
Viele Lebensmittel liegen auf den U-förmigen Tischen bereit.
Bild: Radio Bremen | Christian Osterloh
Die Zigarette ist nun bis zum Filter runtergebrannt, ohne das sie groß dran ziehen konnte. Die Helfer sind noch nicht in Sicht, deshalb fängt sie mit dem Aufbau an. Ganz selbstverständlich kommen alle Obdachlosen dazu und stellen die Tische routiniert in U-Form vor dem Wagen auf. Dort sollen die Lebensmittel bereitliegen, die noch von zwei weiteren Helfern bei der Tafel abgeholt werden.
„Obdachlose on Tour“ ist kein Verein und lebt ausschließlich von Spenden
Manuela Hartmann hat sich ein gutes Netzwerk aus Supermärkten und Bäckereien aufgebaut. Einiges steht in Kisten schon bereit. Backwaren, Wurst, Schmierkäse, Joghurt-Drinks, aber auch Schokoladen-Weihnachtsmänner. „Schokolade geht immer. Die Form ist ziemlich unwichtig“, sagt sie und lacht. Auch ein riesiger Topf warme Suppe ist dabei. Die kocht sie selbst.
Es füllt sich im Park. Mittlerweile sind 30 Bedürftige da. Auch die anderen Helfer sind dazugekommen. Klaus und Monika haben die Spenden der Tafel in ihrem Transporter dabei. Alle packen mit an und sortieren die Lebensmittel auf den Tisch. Es gibt kein Gedränge, sondern wirkt eher wie eingespieltes Teamwork.
Nun stellen sich alle in einer Schlange neben Manuelas Hartmanns Wagen auf und lassen sich von der 28-jährigen Milla die Lebensmittel anreichen. Sie arbeitet in einem IT-Unternehmen. Dank der Möglichkeit auf Gleitzeit kann sie jeden Mittwoch mit anpacken. Hier können sich alle die Taschen richtig vollmachen, um die nächsten Tage genügend zu Essen zu haben. Wieder fällt auf, wie gesittet und routiniert alles abläuft.
Auch Brot und Schokolade liegen für die Obdachlosen bereit – besonders letzteres ist sehr beliebt.
Bild: Radio Bremen | Christian Osterloh
Viele kommen auch wegen der Gespräche
Ein paar Meter weiter hat Helferin Tanja sich zwei weitere Tische aufgebaut. Sie gibt die Suppe aus. Die Obdachlosen sollen natürlich auch im Park direkt etwas Warmes zu sich nehmen. Viele nutzen es auch, um ins Gespräch zu kommen.
Wer seine Lebensmittel und eine warme Suppe hat, der kann nun die Zeit für eine Tasse Kaffee nutzen, oder bei Manuela Hartmann am Wagen nach neuer Kleidung gucken. So wie Steffi. Sie braucht eine neue Jacke, doch die meisten treffen nicht wirklich ihren Geschmack. Es dauert, bis sie eine findet, in der sie sich wohlfühlt. Für Steffi und ihren Hund ist diese Hilfe lebensnotwendig. Denn auch Hundefutter bekommt sie hier. Aber noch etwas viel Wichtigeres.
Auf der Straße verkaufe ich Postkarten und frage die Leute, ob sie mir eine abkaufen wollen, damit ich mir und meinem Hund etwas zu Essen kaufen kann. Viele antworten dann gar nicht. Und dieses nicht gesehen werden ist für uns das Schlimmste. Das ist ganz traurig. Und das man hier noch gesehen wird, das ist eben das Wichtigste.
Steffi
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Morgen, 5. Februar 2026, 07:10 Uhr


