„So läuft das eben: Sie blähten die Backen auf, stopften schöne Rechenschaftsberichte in einen roten Ordner und präsentierten sie dem höchsten Verantwortungsträger auf dem Silbertablett. Am Ende landeten sie im Dreck und brüllten herum. Aber sie schafften es, eine Menge Geld aus dem Staatshaushalt herauszupressen“, hieß es bei einem der zahlreichen russischen Politblogger [externer Link] spöttisch zur Meldung, wonach die Produktion der von Putin persönlich viel beworbenen russischen Luxus-Automarke Aurus „wegen Inventur“ seit Anfang Februar bis mindestens Ende März ruht.

Peinlich daran: Der russische Präsident hatte seinen indischen Amtskollegen Narendra Modi demonstrativ in seinen Dienstwagen eingeladen („Limousinen-Diplomatie“) und im Sommer 2024 zwei dieser Staatskarossen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un geschenkt, wohl auch, um die Leistungsfähigkeit der russischen Autoindustrie zu unterstreichen.

„Autos nur in einer Parallelwelt“

Inzwischen stellte sich nach Angaben russischer und britischer Medien heraus, dass Kim Jong-un lieber mit Maybach-Luxuslimousinen aus deutscher Produktion unterwegs ist, während die Aurus-Modelle in der Garage „verstaubten“, wie es Beobachter ausdrückten. Der kremlkritische Politologe Andrei Nikulin empfand darüber [externer Link] nach eigenen Worten „ausdrücklich kein Bedauern“.

Die St. Petersburger Zeitung „Fontanka“ hatte berichtet [externer Link], der Hersteller von Aurus habe millionenschwere Schulden, die Montage sei bis auf Weiteres stillgelegt. Dafür könne es drei Gründe geben: Entweder sei der Absatz des bis zu umgerechnet 700.000 Euro teuren Wagens eingebrochen oder es gebe technische Probleme mit einer Modernisierung. Denkbar sei auch, dass es im Ausland so gut wie keine Nachfrage gegeben habe, von ein paar Exemplaren abgesehen, die in die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden seien.

Mangels glaubwürdiger Statistiken sei völlig schleierhaft, wie viele Aurus-Wagen überhaupt hergestellt worden seien, zumal deren Besitzer keinen Wert auf Publicity legten: „Wenn diese Autos nur in einer Parallelwelt existieren, für die es keine zugänglichen Daten oder registrierte Eigentümer gibt, dann ist völlig unklar, wer genau aufgehört hat, sie zu kaufen.“

„Schweiz baut auch keine Autos“

In russischen Leserkommentaren hieß es ironisch, womöglich könne der Aurus mangels Privatkunden ja bald als Taxi durch Moskau rollen: „Wir müssen die Autoproduktion in Russland einstellen. Das ist nicht unsere Spezialität. Schauen Sie sich die Schweiz an, die produziert auch keine Autos – und was für ein reiches Land ist sie!“ Andere schimpften: „Er sieht widerlich altmodisch aus, der Name ist dämlich. Er ist Lichtjahre von einem Mercedes entfernt.“ Russische Panzer seien ja technisch auch noch auf dem Niveau der Sowjetzeit“, wurde gehöhnt.