„Also, das gute Wetter habe ich ja bestellt, aber dabei die Temperaturen vergessen“, meinte Karnevals-Urgestein Guido Werner am Rathausvorplatz, wo gestern zwar herrlicher Sonnenschein bei blauem Himmel die karnevalistischen Herzen erfreute, aber Minusgrade die allgemeine Gemütslage ein wenig abkühlten. Da war es natürlich die Aufgabe des Programms, das bergische Temperament wieder in wärmere Gefilde zu treiben.

Und es gelang, denn Wilfried Michealis, der Präsident des Carneval Comitee Wuppertal (CCW) und seine Mitstreiter hatten eine rund vierstündige Abfolge von Höhepunkten zusammengestellt, die dazu angetan war, bei der diesjährigen Open-Air-Party zum Rosensonntag Herz und Glieder auf dem ausgezeichnet besuchten Rathausvorplatz so zu erwärmen, wie man das bei diesem fröhlichen Anlass erwarten durfte. Zumal Schunkellieder und Armübungen beim dreifach donnernden „Wuppdika“ den Kreislauf aktivierten.

Als erstes rief der CCW-Präsident nämlich die Dorfgrenadiere Birkenfeld, eine handfeste Männertruppe aus dem Rhein-Sieg-Kreis, auf die Sparkassenbühne. Die waren zwar uniformiert und mit Gewehren gekommen, doch in den Mündungsrohren steckten Blümchen, und die kernigen Burschen tun seit 30 Jahren einiges, um dem eigentlichen Karnevalszweck, nämlich die Obrigkeit und militaristisches Gehabe, durch den Kakao zu ziehen. „So ist das auch gemeint“, so Kommandant Jörg Sengpiel, der mit seiner Truppe sang und tanzte und dabei aufwärmende Freiübungen vorführte, an denen sich die noch frierende Menge begeistert beteiligte.

Und dann präsentierten sich die Tänzerinnen der Prinzengarde, instruiert und trainiert von Präsidentin Nordhild Neumeyer und Kommandantin Melissa Peters (ihr Solo war ein besonderes Highlight) einmal mehr als Glanzstück des Wuppertaler Karnevals. Die beiden hatten nämlich eine hin- und mitreißende Revue inszeniert und verblüfften das Publikum mit einfallsreicher Choreografie, Gesang, Bodenakrobatik und blitzschnell hinter einer „spanischen Wand“ vollzogenen Kostümwechseln. „Eine tolle Show“, sprach Wilfried Michaelis wohl allen aus dem Herzen, nachdem die Prinzengarde es für die Jüngsten auch Kamelle (in Wuppertal „Klömkes“) regnen ließ.

Beschränkten sich die Tätigkeiten des Publikums bei der Prinzengarde aufs Beifallklatschen, so wurde das anders, als die Wuppertaler Stimmungssänger „Die Magics“, nämlich Bernd & Stephan, die Menschenmenge zu Tanz, Schunkeln und Mitschmettern der gängigen Gassenhauer und Polonaise mit tänzerischen Elementen animierten.

Mitten unter den Marschierern mit dem als rothaariger Schotte verkleideten 1. Bürgermeister Heiner Fragemann, Alt-Sozialdezernent Stefan Kühn und Alt-OB Andreas Mucke ein „rotes Dreigestirn“, das sichtlich „Spass an der Freud“ hatte und menschliche Wärme genoss (schließlich sind die drei ja Genossen).

Celine I. und Logan I., das muntere Wuppertaler Jugendprinzenpaar durfte bei der Open-Air-Gala natürlich nicht fehlen und hatte den stattliche acht Kilogramm schweren Stadtschlüssel, den beide ja beim Weiberfastnacht-Rathaussturm erst von Miriam I., dem Wuppertaler Stadtoberhaupt „erbeutet“ hatten, wieder dabei, und es schien, als würden die beiden Teenager Verantwortung und das gewichtige Trumm gern wieder loswerden würden.

Bei ihrem pfiffigen Gesangs- und Tanzauftritt zusammen mit dem Hofstaat, den Paginnen Aline und Doreen, taten sie sich sichtlich leichter und überzeugten durch gute Laune und ansteckende Fröhlichkeit. Als die Tollitäten dann die Kinder vor der Bühne aufforderten, mit ihnen zu singen und zu tanzen, da bekam die Open-Air-Party einen geradezu quirligen Charakter. Von dem profitierten auch die vier Hitfluencer aus dem hohen Norden, die ihren Auftritt auch durch ihr vorzüglich bedientes Schlagzeug bereicherten.

Dass sie, wie auch die übrigen Auftretenden gesanglich gut zu verstehen waren, war das Werk von „Ur-Werk“ dem Wuppertaler Unternehmen, das nicht nur per Mischpult für den guten Ton sorgt, sondern der einen oder anderen Stimme mittels Playback unter die Arme griff. „Wir haben schon vor der Veranstaltung die entsprechenden Tonbänder erhalten“, plauderte Geschäftsführer Ulrich Rasch aus dem „Nähkörbchen“.

Die Begleitmusik für die gelenkigen Tanzmariechen der Show- und Ehrengarden lief dann vom Band, während der Kölner Trompeter Markus Rey sich weitgehend auf sein virtuos gehandhabtes Instrument verlassen konnte. Und dass Kölner Gäste auch in der Nähe von Düsseldorf jede Karnevals-Veranstaltung veredeln, bewiesen zum Abschluss der nun schon traditionellen Open-Air-Party (anstelle des nach wie vor angestrebten Rosensonntagszugs) die kölsche „Domstadtbande“.