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Ein Jahr nach Amtsantritt rutschen Donald Trumps Umfragewerte ab. Drei Erhebungen sehen Joe Biden im direkten Rückblick vorn.
Washington, D.C. – Ein Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit gerät US-Präsident Donald Trump in mehreren nationalen Umfragen unter Druck. Gleich drei aktuelle Erhebungen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach bewerten viele US-Amerikaner die Amtsführung von Joe Biden rückblickend positiver als die des amtierenden Präsidenten.
US-Präsident Donald Trump (l.) steht ein Jahr nach Amtsantritt in den Umfragen unter Druck. Mehrere aktuelle Erhebungen sehen seinen Vorgänger Joe Biden im direkten Rückblick vor ihm. © Beide Fotos: IMAGO / ZUMA Press Wire
Bemerkenswert ist dabei, dass Biden politisch gar nicht mehr im Amt ist. Es geht nicht um ein mögliches Comeback, sondern um einen direkten Leistungsvergleich zwischen den beiden Amtszeiten. Die Zahlen gelten deshalb vor allem als Stimmungsbarometer für Trump mit Blick auf die Zwischenwahlen im November.
Drei nationale Umfragen sehen Biden im Leistungsvergleich vor Trump
Eine Erhebung des Harvard CAPS/Harris Poll vom 28. bis 29. Januar zeigt: 51 Prozent der registrierten Wähler sagen, Trump mache einen schlechteren Job als Biden. 49 Prozent halten ihn für besser. Das berichtet das US-Portal Axios unter Berufung auf die Umfrage.
Auch das als konservativ geltende Institut Rasmussen Reports kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, schreibt die Newsweek. Zwischen dem 2. und 4. Februar gaben 48 Prozent der Befragten an, Biden habe als Präsident bessere Arbeit geleistet. 40 Prozent sehen Trump vorn, acht Prozent bewerten beide Amtszeiten als etwa gleich.
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Eine weitere Umfrage von YouGov gemeinsam mit The Economist (6.–9. Februar) stützt diesen Trend. 46 Prozent der befragten Erwachsenen sagen, berichtet The National aus der Erhebung, Trump mache einen schlechteren Job als Biden. 40 Prozent halten ihn für besser, sieben Prozent sehen keinen Unterschied.
Das Portal Axios ordnet die Entwicklung ein und schreibt sinngemäß, Trump sei politisch so belastet, dass Wähler nun sagen, Biden habe als Präsident bessere Arbeit geleistet. Die übereinstimmenden Ergebnisse mehrerer Institute deuten auf eine breitere Unzufriedenheit hin.
Wirtschaft und Inflation drücken Trumps Zustimmungswerte
Besonders stark fallen die Bewertungen bei wirtschaftlichen Fragen ins Gewicht. Laut der YouGov/Economist-Umfrage stimmen 37 Prozent Trumps Amtsführung insgesamt zu, 56 Prozent lehnen sie ab. Das ergibt eine Nettozustimmung von minus 19 Punkten.
Beim Thema Wirtschaft liegt die Nettozustimmung bei minus 23 Punkten, bei Inflation sogar bei minus 28. Der Harvard CAPS/Harris Poll zeigt zudem, so die Newsweek, dass 53 Prozent der Befragten Trumps Wirtschaftspolitik für falsch halten, während 38 Prozent sie als richtig einschätzen.
Umfragen Biden vs. Trump: Wer war besser?
(Quellen: Newsweek, Axios, The National, YouGov, harvardharrispoll.com, rasmussenreports.com)
Auch beim Kernthema Migration sinkt die Zustimmung für Donald Trump
Selbst in der Einwanderungspolitik, lange eines von Trumps zentralen Themen, zeigen sich Einbußen. Laut YouGov unterstützen 40 Prozent sein Vorgehen, 53 Prozent lehnen es ab. Das entspricht einer Netto-Bewertung von minus 13 Punkten.
Mark Penn, Co-Direktor des Harvard CAPS/Harris Poll, erklärte laut Newsweek, Trumps Zustimmungswerte gingen zurück, weil viele Amerikaner die Wirtschaft als schwächelnd und die Inflation als hoch wahrnähmen – auch wenn wirtschaftliche Kennzahlen ein anderes Bild zeigten. Bei der Einwanderung unterstützte die Bevölkerung zwar die Abschiebung krimineller Migranten, hielt das Vorgehen der Behörden jedoch teilweise für zu weitgehend.
Weißes Haus spricht von klarem Wählerauftrag
Das Weiße Haus weist die Kritik zurück. Sprecher Kush Desai sagte laut Newsweek, fast 80 Millionen Amerikaner hätten Trump am Wahltag ein klares Mandat gegeben, um die wirtschaftliche Krise und die Einwanderungspolitik seines Vorgängers zu beenden.
Die Regierung konzentriere sich weiterhin darauf, die Inflation zu senken, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen, die Grenzen zu sichern und kriminelle illegale Einwanderer konsequent abzuschieben. Man arbeite weiter daran, die zentralen Wahlversprechen umzusetzen.
US-Zwischenwahlen rücken in den Fokus der Republikaner
Die aktuellen Zahlen gelten als mögliches Warnsignal für die Republikaner vor den Zwischenwahlen. Historisch verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei diesen Wahlen häufig Sitze im Kongress. Axios weist darauf hin, dass dem Weißen Haus noch mehrere Monate bleiben, um den Kurs zu korrigieren und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Ein Selbstläufer für die Demokraten ist die Lage jedoch nicht. Laut New York Times verfügen die Republikaner über einen finanziellen Vorteil von rund 550 Millionen Dollar im Wahlkampf. Noch kein wahlentscheidendes Kriterium, aber zumindest gute Rahmenbedingungen für das Trump-Team.
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Zum Gesamtbild passt eine weitere Kennzahl. Das Meinungsforschungsinstitut Gallup berichtet laut Axios, der Zukunftsoptimismus der Amerikaner sei auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten gefallen. Nur noch 59,2 Prozent erwarteten in fünf Jahren ein Leben mit hoher Qualität.
Ob sich der Trend in den kommenden Monaten verstärkt oder wieder dreht, bleibt offen. Klar ist jedoch: Ein Jahr nach Amtsantritt steht Donald Trump in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich stärker unter Druck als zu Beginn seiner zweiten Amtszeit. (Quellen: Axios, Newsweek, The National, Tagesspiegel, YouGov, Gallup, New York Times) (chnnn)