Die Wahl per Brief hat in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen und das ist nachvollziehbar: Sie ist viel entspannter. Verloren geht durch die Heimabstimmung zwar das Wahlkabinenerlebnis, aber ehrlicherweise ist das schon immer mit Stress verbunden gewesen. Der oder die Nächste wartet, und dann muss man all die Bögen auch noch richtig zusammenfalten. So viel Aufregung – sonntags! Braucht wirklich keiner.
Dem Wahlvolk im Landkreis Fürth sei die Briefwahl in diesem Jahr allerdings aus einem anderen Grund nahegelegt. Man muss ihm sogar eindringlich dazu raten, denn nachdem ihnen im zuständigen Landratsamt Fehler bei Stimmzettelgestaltung und -druck unterlaufen sind, werden sich die Wähler einzig von zu Hause aus umfassend über ihre Kandidaten für den Kreistag informieren können.
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Zu finden sind die Fehler im Kleingedruckten, was nicht überrascht, da für 346 groß gedruckte Kandidaten kein Platz gewesen wäre auf dem Stimmzettel und deshalb alles klein gedruckt ist. Jedenfalls offenbarten nun kritische Blicke, dass bei 18 Bewerbern persönliche Informationen fehlen, vorwiegend Wohnorte, aber auch ihre Berufe oder kommunalen Ehrenämter. Und zwar, wie das Landratsamt Fürth mitteilt, wegen technischer Probleme, einer „unglücklichen Verkettung mehrerer Umstände“.
Man könnte dies für eine Petitesse halten, aber so einfach ist es nicht: „Bei Kommunalwahlen ist nicht nur die Wahlbeteiligung eher gering, sondern auch der Wissensstand bei den Wählenden“, erläuterte jüngst der Verhaltensökonom Mario Mechtel von der Leuphana-Universität in Lüneburg in der SZ und führte aus: Für die Wahlentscheidung sei „jede kleinste Information wichtig, auch die Berufsangabe auf dem Wahlzettel“. Ärzte oder Krankenpfleger etwa seien im Vorteil, Unternehmensberater unbeliebter.
Also doch nicht ganz egal, wenn am 8. März in den Wahlkabinen unvollständige Stimmzettel ausliegen. Aber dem Landratsamt zufolge nicht mehr zu ändern, aus Zeit- und Kostengründen. Überdies habe die Regierung von Mittelfranken als zuständige Rechtsaufsichts- und Wahlprüfungsbehörde mitgeteilt, „dass nach derzeitigem Erkenntnisstand keine Anhaltspunkte für eine Verzerrung des Wahlergebnisses vorliegen und der vorliegende Fehler wahlrechtlich keine Auswirkungen habe“.
Immerhin hat das Landratsamt zum Zwecke der Chancengleichheit inzwischen beide Stimmzettel auf seine Internetseite gestellt, mit und ohne Angaben, die betroffenen Kandidaten praktischerweise Gelb markiert, sodass sich jeder beim Vergleich der Dokumente einen Überblick verschaffen und seine Kreuze machen kann: zu Hause, ganz in Ruhe. Ein Hoch auf die Briefwahl!
