Herstellung von Sprengstoff

Berliner Firma lieferte Moskau wohl kriegswichtigen Stoff

Aktualisiert am 16.02.2026 – 17:00 UhrLesedauer: 2 Min.

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Russischer Artillerist mit einer 152-mm-Granate: Die Berliner Firma BLW Handel soll Glycerin nach Russland geliefert haben – ein wichtiger Bestandteil von Sprengstoff. (Quelle: IMAGO/Alexei Konovalov)

Die Sanktionen gegen Russland haben viele Schlupflöcher. Ein aus Moskau gesteuertes Netzwerk nutzt das aus. Auch eine deutsche Firma soll beteiligt sein.

Eine Berliner Firma spielt offenbar eine wichtige Rolle in einem aus Moskau gesteuerten Netzwerk, das zur Beschaffung kriegswichtiger Stoffe für Russland dient – vorbei an westlichen Sanktionen. Das berichtet die ukrainische Zeitung „Kyiv Independent“ unter Berufung auf Handelsdaten.

Im Mittelpunkt der Recherche steht die russische Delfin-Gruppe, ein Petrochemiekonzern mit Sitz in Moskau mit mutmaßlichen Kontakten zum Militär- und Sicherheitsapparat. Zu dem Netzwerk gehört dem Bericht zufolge ein weitverzweigtes Geflecht aus Tochterfirmen, Zwischenhändlern und Logistikpartnern in Russland, Lettland und Deutschland. Über das Netzwerk sollen Motoröladditive, Schmierstoffe und chemische Rohstoffe gehandelt werden. Diese Stoffe sind zivil nutzbar, spielen aber auch für den militärisch-industriellen Komplex eine wichtige Rolle.

Die in Berlin ansässige Firma BLW Handel soll dem „Kyiv Independent“ in dem Netzwerk eine Schlüsselrolle spielen. Den Handelsdaten zufolge fungiert das Unternehmen als Logistikpartner und ist für die Lieferung von technischem Glycerin und Schmierstoffen nach Russland zuständig. Zeitweise war BLW Handel an der Privatadresse eines inzwischen von der EU sanktionierten ehemaligen Offiziers des russischen Militärgeheimdienstes registriert, heißt es. An der neuen Adresse der Firma ließen sich nach Angaben der Zeitung keine Anzeichen auf einen operativen Betrieb feststellen.

Den Recherchen zufolge wird die Berliner Firma seit 2019 von Jeļena Rjabaja geführt, die zugleich eine zentrale Rolle in den lettischen Niederlassungen der Delfin-Gruppe einnehmen soll. Zollunterlagen legten nahe, dass BLW Handel zwischen März 2023 und Mitte 2024 fast 1.500 Tonnen technisches Glycerin mit einem Zollwert von rund 50 Millionen Rubel (etwa 550.000 Euro) exportierte. Auf Anfrage des „Kyiv Independent“ habe Rjabaja zunächst um nähere Angaben zu den Vorwürfen gebeten, sich jedoch nicht inhaltlich zu den Vorwürfen geäußert.

Glycerin ist ein Rohstoff, der vielfältig eingesetzt werden kann. In zivilen Bereichen findet es Anwendung in der Lebensmittelindustrie oder im Bereich Kosmetik und Pharmazie. Es kann aber auch zur Herstellung von Nitroglyzerin verwendet werden, das Bestandteil von Sprengstoffen und Treibladungen für Munition ist. Während die EU bestimmte raffinierte Formen inzwischen stärker reguliert, bleibt natürliches Rohglycerin weitgehend von Sanktionen ausgenommen. Genau diese Lücke macht sich das Netzwerk offenbar zunutze: Die Substanz wird aus der EU exportiert und in russischen Produktionsanlagen weiterverarbeitet.

Neben Deutschland spielt auch Lettland eine Schlüsselrolle. Über Firmen im Hafen von Riga sollen seit Beginn des Angriffskriegs tausende Tonnen Glycerin nach Russland geliefert worden sein. Einige der beteiligten Akteure stehen in der Ukraine auf Sanktionslisten, sind jedoch von EU-Sanktionen bislang nicht betroffen.