
In die Enttäuschung über die eigene Leistung mischte sich Olympia-Frust: Linus Straßer hat nach dem Slalom bei den Olympischen Winterspielen die Bedingungen in Bormio heftig kritisiert.
„Auf solche Spiele kann ich auch verzichten“, schimpfte der 32-Jährige im Sportschau-Interview. „Am Schluss ist es absolut schade und traurig, was wir hier erleben. Bei den Spielen merke ich, dass Peking gar nicht so schlecht war“, sagte Straßer, der von einem „hochsterilen, hochseltsamen Rennen“ sprach.
Kurz zuvor hatte Straßer den Slalom als Neunter beendet. In beiden Läufen baute er ein paar Fehler zu viel ein. Am Ende lag er 1,01 Sekunden hinter dem Podest. Gold sicherte sich Loic Meillard aus der Schweiz vor dem Österreicher Fabio Gstrein (0,35 Sekunden) und dem Norweger Henrik Kristoffersen (+1,13 Sekunden).
Kritik am Zugang zur Familie
Sein eigenes sportliches Abschneiden hatte der Skifahrer vom TSV 1860 München zuvor noch recht sachlich eingeschätzt. „Es war ein guter Lauf und eine gute Herangehensweise Nur so geht auch was“, analysierte er kurz und knapp seine Fahrt im Finaldurchgang.
Aber auch da merkte man schon, dass es in ihm brodelte. Es folgte der Frontalangriff: „Die Geschichte hinter Olympia ist unglaublich, jeder will Olympiasieger werden oder Medaillen gewinnen, ich auch. Aber hier sind wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Fans – das macht es doch eigentlich aus.“ Seine komplette Familie sei da, auch die Freunde. Wirklich in Kontakt sei er mit ihnen aber nicht gekommen, „absolut steril“, nannte er das Event zuvor bereits im ZDF.
Straßer über Olympia: „Mein letztes Mal“
Der Frust saß tief beim Bayern, der kaum mehr zu bremsen war: „Wenn das der Genuss von Olympia sein soll, bin ich froh, dass das mein letztes Mal war.“
Straßer war nach einem nicht wirklich guten ersten Lauf als Zwölfter ins Finale gegangen. Sein Rückstand auf das Podium betrug knapp anderthalb Sekunden. Zunächst sah es zwei Drittel der Strecke so aus, als könnte er wirklich noch einen Angriff starten. Dann aber blieb er an einem der drehenden Tore hängen und verlor seinen gesamten Vorsprung. Im Ziel leuchtete ein Rückstand auf.
McGrath flüchtet in den Wald
Während Straßer also die Rahmenbedingungen scharf attackierte, schob auch ein Norweger großen Frust. Der Halbzeitführende Atle Lie McGrath fädelte im Finale ein und stapfte frustriert über die Strecke Richtung Wald, wo er sich fernab der Menge in den Schnee legte.
Im ersten Lauf war McGrath mit Startnummer eins noch förmlich durch den Stangenwald getanzt und hatte sich eine halbe Sekunde Vorsprung herausgearbeitet. Dann aber passierte ihm der folgenschwere Fehler.
Braathen und andere Favoriten schon im ersten Lauf raus
Einen Wettkampf zum Vergessen erlebte auch der brasilianische Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen. Er schied nach rund einer halben Fahrminute mit der bis dahin schnellsten Zeit aus. Bei einem Linksschwung hatte er nicht genug Druck auf dem Außenski und rutschte weg.
Damit war er raus aus der Medaillenentscheidung. Mit dem Österreicher Manuel Feller und Paco Rassat aus Frankreich erwischte es zwei weitere Medaillenkandidaten ebenfalls im ersten Lauf.