Zwei Freunde, eine Mission: Der Korntal-Münchinger Eventkoch Craig Taylor und der Stuttgarter Boxtrainer Angelo Tanga zeigen Kindern und Jugendlichen, was in ihnen steckt.

Ist das Glas nun halb leer oder halb voll? Für Craig Taylor ist es ganz klar: halb voll. Der Eventkoch aus Korntal-Münchingen, bekannt aus der Sat-1-Fernsehshow „The Taste“, ist durch und durch Optimist. Er sprüht vor Begeisterung, wenn es um seine Leidenschaft geht, das Kochen, das er zum Beruf gemacht hat. Längst ist der 38-Jährige aber nicht mehr nur international mit Kochshows unterwegs oder serviert Mehrgänge-Menüs in Korntal in seiner Eventlocation „Taylors Kitchen“, wo er auch Kochkurse anbietet – für Erwachsene und Kinder. Der Nachwuchs liegt ihm, selbst Vater von zwei Söhnen, besonders am Herzen.

Craig Taylor will Kinder und Jugendliche an gesundes Essen heranführen, damit es ihnen schmeckt. Mehr noch: Er will ihnen auch zeigen, dass mehr in ihnen steckt, als sie vielleicht glauben. Indem er sich Zeit für sie nimmt, ihnen zuhört und eine Plattform gibt. Er wolle das Selbstbewusstsein der Kinder stärken, soziale Kompetenzen fördern und ihnen früh vermitteln: „Ich kann etwas – und ich bin wertvoll.“ Denn „Talent braucht Chance“, findet Craig Taylor, der sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche und aus schwierigen Verhältnissen im Fokus hat. Für sie engagiert er sich zunehmend ehrenamtlich. Mit seinem Beruf, sagt Taylor, habe er einen großen Hebel. Außerdem weiß der 38-Jährige, wovon er spricht: Er ist selbst im sozialen Brennpunkt Hallschlag groß geworden. „Deshalb habe ich eine Verbindung zu den Kids.“

„Die Koch-Challenge ist mehr als ein kulinarisches Event. Sie ist ein sozialpädagogisches Projekt.“

Florian Aufrecht, Zukunftsfelder

Der Fernsehkoch wurde von der Straße in die Sporthalle geholt

Offen erzählt er über sich, dem einst „schlechten Hauptschüler“, dem Jungen, der vom Vereinstrainer „von der Straße“ in die Sporthalle geholt wurde, um zu ringen. Und er berichtet von seinem Freund Angelo Tanga, 40 Jahre alt. Der Boxtrainer mit Studio im Stuttgarter Westen trainiert Profis wie die MMA-Kämpferin Alina Dalaslan. MMA steht für die Kampfsportart Mixed Martial Arts. Angelo Tanga trainierte aber einst auch Craig Taylor – und ermutigte ihn, seine Träume zu verwirklichen.

Die beiden haben sich zusammengetan: Sie wollen gemeinsam soziale Projekte stemmen und schlummernde Potenziale wecken. Wie etwa Anfang Februar in der Johannes-Kullen-Schule in Korntal, einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Erst fand ein Kochkurs statt, tags drauf ein Box- und Bewegungstraining. Sie verbinden, wie sie sagen, Essen und Sport, weil eben beides verbinde. „Die Kinder finden zueinander. Sie kochen und genießen zusammen das Essen, und beim Sport schwitzen sie“, sagt Craig Taylor. Angelo Tanga betont, „wenn man sich gesund ernährt, kann man Leistung und Kraft gut abrufen“. Die Kinder seien so stolz, so glücklich, so dankbar, stellt er fest. „Das ist für uns keine Arbeit. Das ist mehr wert als Geld.“

Essen verbindet, da ist sich Craig Taylor sicher. Foto: Simon Granville

Craig Taylor sagt, es sei toll zu sehen, dass er und Tanga etwas bewirkten, selbst bei einmaligen Veranstaltungen. „Bei jeder Aktion bleibt ein bisschen was hängen, aber klar, nicht bei allen Kindern. Wiederholung schafft Nachhaltigkeit.“ Daher wollen er und Angelo Tanga das soziale Engagement ausbauen, in der Johannes-Kullen-Schule wie anderen Schulen. Außerdem möchten sie auch Obdachlose unterstützen und junge Menschen im offenen Strafvollzug.

Für Craig Taylor waren seine Eltern die Helden

Alles ins Rollen brachte im vergangenen Jahr das Pilotprojekt „Koch-Challenge“, ein von der Vector-Stiftung gefördertes Projekt des Schulbauernhofs Zukunftsfelder. Mit der Einrichtung wollte Craig Taylor schon immer kooperieren. „Die „Koch-Challenge“ ist laut dem Projektleiter Florian Aufrecht von den Zukunftsfeldern „mehr als ein kulinarisches Event. Sie ist ein sozialpädagogisches Projekt, das jungen Menschen Selbstwirksamkeit, Teamgeist und Wertschätzung vermittelt“. Kochen mit Produkten vom Feld, begleitet von Profis, und ein gemeinsames Essen auf Augenhöhe, das sei einmalig. „Florian Aufrecht sorgt dafür, dass Ideen nicht Ideen bleiben“, meint Craig Taylor.

Bereits im November 2025 kochte Craig Taylor in Korntal in der Johannes-Kullen-Schule. Mit Edi Kovaci (Chefkoch des Schulbauernhofs Zukunftsfelder) und Georg Bauch (BBQ-Master „Bauchfood“) bereitete er ein gesundes Essen zu. Der Trainer Angelo Tanga bot Bewegungsboxen an. Foto: Simon Granville

Über die sozialen Projekte hat er sogar zwei Praktikanten gefunden. Im Frühling packen die Teenager für je zwei Wochen bei ihm und seiner Frau Theresa, mit dem der 38-Jährige das Erlebnisrestaurant in Korntal betreibt, mit an. Und wer weiß, vielleicht führt Craig Taylors Einsatz dazu, dass zumindest einer der Jugendlichen auch mal Koch wird? Er lacht. „Ich fühle mich wie ein Held“, gibt er unumwunden zu. Was ihn weiter antreibe. Die Helden seiner Kindheit seien seine Eltern gewesen – und im Sport jener Vereinstrainer. Künftig will Craig Taylor auch mehr Veranstaltungen in seinem Erlebnisrestaurant haben. Mit mehr Reichweite in seiner Heimat könne er mehr bewegen.

Der Kontakt zu Fernsehkoch Frank Rosin ist geblieben

Reichweite, gesehen werden, das war auch der Grund, warum Craig Taylor bei „The Taste“ mitmachte. Im Finale der 13. Staffel flog er raus. „Natürlich wäre ein Sieg toll gewesen“, sagt Craig Taylor. Doch er, der Optimist, sehe es positiv: Er sei genommen worden, in jeder Folge dabeigewesen, habe Erfahrungen gesammelt, sich weitergebildet. Dafür sei er dankbar. „Mental war es brutal“, erinnert er sich: Schließlich hätte er sich blamieren können. Zu Frank Rosin, in dessen Team er war, hat Taylor weiter Kontakt. In der Show gewesen zu sein, habe seine Karriere gepusht. Ein Ende seiner Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht.