Bekommt der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) eine neue, langersehnte Langstreckenverbindung? Im Streit um weitere Landerechte von Emirates in Deutschland liegt offenbar ein Vorschlag auf dem Tisch. Danach könnte die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Direktverbindung zwischen dem BER und Dubai einrichten. Doch ganz zufrieden sind die Beteiligten nicht – und weiterhin gibt es Widerstand aus Hessen, wo sich der Flughafen Frankfurt am Main befindet.

Es geht darum, dem deutschen Hauptstadtflughafen endlich mehr Interkontinental-Verbindungen zu verschaffen. Vom Drehkreuz Dubai fliegt Emirates zahlreiche Ziele in Asien, Afrika und Australien an.

Eine willkommene Ergänzung für die wenigen Langstreckenrouten am BER, aus Sicht von Politikern und Wirtschaftsvertretern unverzichtbar. Bislang zeigte sich der Bund skeptisch, doch das hat sich geändert.

Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf – und Berlin?

Denn inzwischen zeigt sich die Bundesregierung offen für Start- und Landemöglichkeiten für Emirates am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld. „Die Vereinigten Arabischen Emirate wünschen sich einen Ausbau der Verbindungen von und nach Deutschland, weshalb auch das Thema Landerechte – neben vielen anderen Themen – angesprochen wurde“, teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Golfregion vor kurzem bereist.

Die Regierung arbeite intensiv daran, die Möglichkeiten internationaler Flugverbindungen von und nach Deutschland zu erweitern, hieß es. Eine Entscheidung in der Frage ist bislang aber noch offen.

Die Frage, ob Emirates über die jetzigen Ziele hinaus weitere Flughäfen in Deutschland ansteuern darf, sorgt schon lange für Streit. Heute sehen die Regeln vor, dass die Gesellschaft maximal vier deutsche Flughäfen bedienen darf. Derzeit ist sie in Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg vertreten. Einen dieser Standorte zugunsten von Berlin aufzugeben, kam für das Unternehmen bisher nicht infrage.

Emirates bereitet Start für Dezember 2026 vor

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) unter Chefin Aletta von Massenbach sowie die beiden beteiligten Bundesländer fordern deshalb, die Zahl der möglichen Emirates-Ziele in Deutschland auf fünf zu erhöhen, um mehr Langstreckenverbindungen am BER anbieten zu können. Die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Kai Wegner (CDU) und Dietmar Woidke (SPD), reagieren positiv auf die Bereitschaft der Bundesregierung, über diese Frage zu verhandeln.

„Die Menschen und Unternehmen in der Hauptstadtregion erwarten, dass es mehr Direktverbindungen ohne unnötige und ökologisch fragwürdige Umstiege an anderen europäischen oder deutschen Flughäfen gibt“, teilten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Eine Direktverbindung in eine wichtige globale Wachstumsregion stärkt ganz Ostdeutschland als Wirtschaftsstandort, wird mehr Investitionen in die Region bringen und neue Arbeitsplätze schaffen.“

Brandenburger Minister unterstützt die Forderung

Der brandenburgische Verkehrsminister Detlef Tabbert sagte: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn es vom BER zeitnah tägliche Direktverbindungen – etwa nach Dubai – gibt: Das stärkt die internationale Anbindung unserer Hauptstadtregion und macht Reisen für Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger einfacher, weil unnötige Umstiege entfallen können. Mehr Direktverbindungen ab BER erhöhen zudem die Attraktivität Berlins und Brandenburgs als Standort – deshalb unterstütze ich ausdrücklich die Forderung, hier nach jahrelanger Diskussion zu tragfähigen Lösungen zu kommen.“

Der Tagesspiegel und andere Medien berichten, dass inzwischen ein Vorschlag des Bundes auf dem Tisch liegt. Danach soll Emirates zweimal pro Woche den BER ansteuern. Beobachter wenden jedoch ein, dass eine solche Route häufiger bedient werden müsse, um als Anschlussverbindung erfolgreich und profitabel zu sein. Es wäre sinnvoll, wenn Emirates an jedem Tag nach Berlin fliegen würde. Dem Vernehmen nach richtet sich Emirates auf eine tägliche Verbindung ab Dezember 2026 mit Boeing 777 ein.

Hessen sieht Pläne mit großer Sorge

Der Emirates-Wettbewerber Lufthansa lehnt eine weitere Lizenz für den Konkurrenten in Deutschland hingegen strikt ab. Er befürchtet weiteren Wettbewerb durch eine Airline, die einem staatlichen Mischkonzern gehört und im Gegensatz zum eigenen Unternehmen im Notfall auf öffentliche Zuschüsse hoffen könnte.

Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein ist dagegen, dass Emirates eine weitere Lizenz bekommt, die dann am Hauptstadt-Airport BER genutzt werden kann. „Weitere Landerechte an Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu geben, sehe ich mit großer Sorge“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

„Langstreckenverbindungen lassen sich nur über leistungsfähige und starke Drehkreuze wie Frankfurt am Main und München ökonomisch und ökologisch nachhaltig und im Sinne des Standorts Deutschland umsetzen“, so Rhein. Für profitable Langstreckenverbindungen brauche es große Einzugsgebiete wie in den Metropolen London und Paris oder genug Transferpassagiere wie in Frankfurt und München.

„Deshalb sollten wir dringend alles vermeiden, was die zentralen Drehkreuze des Luftverkehrs in Deutschland schwächt“, betonte Rhein. „Mehr Drehkreuze führten nicht zu mehr, sondern zu weniger Konnektivität.“ (mit dpa)