Es war eine Premiere, die selbst die alteingesessenen Karnevalisten der Saalestadt so noch nicht erlebt hatten. Während die vergangenen Jahrzehnte von eisigen Minusgraden, peitschendem Regen oder fast schon frühlingshafter Milde geprägt waren, hüllte Frau Holle den diesjährigen Rosenmontagsumzug in ein dichtes, weißes Kleid. Doch wer glaubte, der Schnee könne die hallesche Lebensfreude einfrieren, der hatte die Rechnung ohne die Narren gemacht.

Pünktlich um 11:11 Uhr setzte sich der Tross in der Burgstraße in Bewegung. Unter dem passenden Motto “35 Jahre voller Spaß – Neue Besen geben Gas!” rollten 70 bunt geschmückte Fahrzeuge und 35 enthusiastische Laufgruppen los. Der dichte Schneefall verlieh der Szenerie eine fast magische Atmosphäre, die der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: Die Kostüme leuchteten vor dem weißen Hintergrund umso kräftiger, und das obligatorische „Halle Helau!“ hallte durch die verschneiten Straßenzüge. Mit dabei waren beispielsweise Karnevalisten aus Roitzsch, Werdershausen, Obhausen, Nemsdorf, Barnstädt, Zscherndorf, Salzfurth, Teutschenthal, Lieskau und Bernburg.

An der Spitze des Zuges thronte die Prominenz: Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt und Bürgermeister Egbert Geier ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit dem strahlenden Prinzenpaar Henrik I. und Julia II. den Festwagen anzuführen. Von dort oben aus bot sich ihnen ein Bild der Begeisterung.

Tonnenweise „Schnongse“ für die Fans

Trotz der winterlichen Widrigkeiten säumten tausende Hallenser die Strecke. Von der Burgstraße über den Mühlweg, die Bernburger Straße und die Geiststraße bis hin zur Großen Ulrichstraße – überall herrschte Ausnahmezustand. Die Mission der Zuschauer war klar: Kamelle-Jagd!

Und die Ausbeute konnte sich sehen lassen: Über 12.000 Kilogramm Süßwaren („Schnongse“ und Lutscher) flogen in die Menge. Unzählige Tüten mit Popcorn und Flips wechselten den Besitzer. Teilweise wurden sich auch in die aufgespannten Schirme gesteckt, somit mussten die Kamelle nicht von nassen Boden aufgelesen werden. Für die innere Wärme sorgte das eine oder andere Schnäpschen, während die Sternburg Brauerei großzügig Dosenbier unter das Volk brachte. Musikalisch gab es in diesem Jahr einen Wachwechsel. Hatte im Vorjahr noch der Ohrwurm „Wackelkontakt (Wär ich ein Möbelstück…)“ die Hitparade der Wagen angeführt, so dominierte diesmal unangefochten der „Gute-Laune-Song“, der selbst bei Schneegestöber für Sommergefühle in den Herzen sorgte.

Logistik hinter den Kulissen: Abschleppwagen und Umleitungen

Ein Event dieser Größenordnung erfordert Präzision – und manchmal auch harte Maßnahmen. Bevor der erste Wagen rollen konnte, hatte das Ordnungsamt in der Burgstraße alle Hände voll zu tun. Trotz des ausgeschilderten Parkverbots blockierten einige Fahrzeuge die Aufstellung. Während die Beamten einige Halter noch rechtzeitig aus dem Bett klingeln konnten, verstanden sie bei drei besonders hartnäckigen Falschparkern keinen Spaß: Diese traten die Heimreise am Haken des Abschleppdienstes an. Auch der öffentliche Nahverkehr musste den Narren weichen. Da die Route entlang zentraler Straßenbahntrassen wie der Großen Steinstraße und dem Hansering verlief, wurden zahlreiche Linien der HAVAG weiträumig umgeleitet. Die Fahrgäste nahmen es gelassen – Rosenmontag in Halle ist eben nur einmal im Jahr. Polizeiautos versperrten Zufahrten, das DRK war mit zahlreichen Helfern vor Ort, um bei einem medizinischen Notfall sofort eingreifen zu können. Zum Glück kam es dazu nicht,

Das „Wohnzimmer“ wird schöner: Empfang auf dem Marktplatz

Am Nachmittag erreichte der farbenfrohe Lindwurm schließlich den Marktplatz. Hier schloss sich der Kreis der diesjährigen Session. In einer symbolträchtigen Zeremonie forderte OB Vogt den Rathausschlüssel zurück, den er am 11.11. an die Narren abgetreten hatte.

Vogt nutzte die Bühne für eine Mischung aus Humor und Zuversicht. Mit Blick auf die Stadtfinanzen scherzte er: „Wir machen, dass wir Pleite sind, weiter“, schlug dann aber optimistische Töne an. Besonders die Stadtentwicklung liege ihm am Herzen.

„Wir machen den Marktplatz schön für euch. Es soll das schönste Wohnzimmer Deutschlands werden“, versprach der Rathauschef. Als konkrete Beispiele nannte er die Revitalisierung im ehemaligen Kaufhof-Gebäude. hier werden bald ein Intersport und zwei neue Restaurants für Belebung sorgen. Und auch die Begrünung war Thema. Noch in diesem Jahr soll der erste Baum direkt auf dem Marktplatz gepflanzt werden.

Sicherheit geht vor: Ein Wermutstropfen

So ausgelassen die Stimmung auch war, das Wetter forderte am Ende doch seinen Tribut. Das geplante Bühnenprogramm auf dem Markt musste kurzfristig angepasst werden. Zwar wurde kräftig gesungen und geschunkelt, doch die traditionellen Tänze der Funkengarden mussten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.

Der Bühnenboden war durch den anhaltenden Schneefall und die Feuchtigkeit schlichtweg zu glatt geworden. Das Risiko für Verletzungen bei den artistischen Tanzeinlagen war zu groß. Die Garden nahmen es sportlich – die Gesundheit der Tänzerinnen und Tänzer ging vor, und die gute Laune ließen sie sich auch ohne Spagat auf dem Eis nicht nehmen.