Der imponierende Zuwachs ist auf verbindliche EU-Vorgaben und die gleichzeitige „Windradphobie“ der ungarischen Regierung zurückzuführen. Gemäß der Erneuerbare-Energien-Richtlinie müssen mindestens 42,5 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU bis 2030 aus erneuerbaren Quellen stammen, wobei jeder Mitgliedstaat zu diesem Ziel beitragen und verbindliche Vorgaben erfüllen muss.

Hasst Orbán Windräder?

Da die ungarische Regierung aber Windräder skeptisch sieht und dem Energieexperten András György Deák von der Eötvös-Lorand-Universität in Budapest zufolge ein „politisches Veto“ dagegen eingelegt hat, wurde die genannte EU-Vorgabe hauptsächlich mit Hilfe von Solarenergie erreicht.

Als Argumente gegen Windenergie führten Regierungsvertreter an, dass die Bedingungen in Ungarn für die Nutzung nicht gut genug seien und Windkraftanlagen die natürliche Umwelt schädigen und das Landschaftsbild verändern würden. Außerdem sei ihre Rentabilität ungewiss, hieß es. Die gesetzlichen Vorgaben für die Errichtung von Windrädern, z.B. in Bezug auf den Abstand zu Wohngebieten, waren jahrelang so hochgeschraubt, dass sie in der Praxis Windräder verhinderten.

In der Öffentlichkeit hält sich unterdessen hartnäckig die Überzeugung, dass die Regierung Windkraft blockiert, weil Viktor Orbán den Anblick von Windrädern nicht mag – Belege dafür gibt es allerdings nicht. Fakt ist, dass die ungarische Regierung der Windkraft lange eher abgeneigt war und erst seit kurzem die Errichtung von Windrädern erleichtert.

Ein Grund für die Bevorzugung von Solarenergie dürfte laut Deák die Hoffnung gewesen sein, dass es mit chinesischer Unterstützung gelingen könnte, die Produktion von Solarzellen nach Ungarn zu holen. Diese Hoffnung habe sich nicht erfüllt, so der Experte.

Solarpanelbesitzer: trotz Förderung enttäuscht

Obwohl in den letzten Jahren zahlreiche Verbraucher staatliche Förderungen für die Installation von Solaranlagen in Anspruch nehmen konnten, teilweise sogar in Höhe von 100 Prozent, sind viele Besitzer von Solaranlagen in Ungarn unzufrieden.

Der Grund: Die Regierung hat die Abrechnungsmodalitäten verändert – zuungunsten der Bürger. Bis dahin hatten Haushalte mit Solaranlagen die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch mit ihrer Produktion auf Jahresbasis zu verrechnen. Was sie im sonnigen Sommer ins Netz eingespeist hatten, konnten sie im grauen, sonnenarmen Winter verbrauchen und ihre Stromrechnung auf diese Weise reduzieren.

Für neuinstallierte Anlagen sowie Anlagen, die älter als zehn Jahre sind, gilt das seit 2024 nicht mehr. Stattdessen tritt die sogenannte Bruttoabrechnung in Kraft: Der Stromversorger kauft den erzeugten Solarstrom zu einem Preis an, der deutlich niedriger ist als das, was er den Haushalten in Rechnung stellt. In den sonnenarmen Monaten müssen die Verbraucher somit deutlich tiefer in die Tasche greifen – in manchen Fällen kann die neue Stromrechnung sogar zehnmal so hoch wie die alte sein.

Hat der Staat die Bürger betrogen?

Der Verein Interessenvertretungsplattform für Solarstromnutzer (NÉP) wirft dem Staat vor, die Besitzer von Solaranlagen (inzwischen rund 330.000) „betrogen“ zu haben. „Sie haben ihr Geld nicht nur aus finanziellen Gründen investiert, sondern auch zum Schutz unserer Umwelt. Diese Bürger wurden in den letzten Jahren von der ungarischen Regierung mehrfach getäuscht und betrogen. Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat wurde ausgenutzt. Man kann sagen, dass die Berechenbarkeit fehlt, und es gibt keine Garantie, dass es in Zukunft keine weiteren nachteiligen Veränderungen geben wird. Dabei reden wir hier von Investitionen, die sich über 20 bis 30 Jahre amortisieren“, sagte Vereinschef László Molnár dem MDR.

Mit Unterstützung des Vereins wandten sich mehr als eintausend Besitzer von Solaranlagen an das Verfassungsgericht, unter anderem mit der Begründung, dass die rückwirkende Änderung verfassungswidrig sei. Das Gericht wies die Anträge im Januar 2026 jedoch zurück.

Neues Förderprogramm als „Trostpflaster“

Als „Trostpflaster“ hat die Regierung ein neues Förderprogramm aufgelegt, diesmal vor allem für die Speicherung von Solarenergie. Dafür werden im Rahmen einer Ausschreibung 100 Milliarden Forint (mehr als 250 Millionen Euro) an Privathaushalte verteilt.

Ministerpräsident Orbán begründete das neue Förderprogramm damit, dass die Verbraucher „mit dem Problem konfrontiert sind, dass sie entweder durch die Solaranlage erzeugten überschüssigen Strom ins Netz einspeisen können oder dieser verloren geht.“

Der rasche Anstieg der Solarstromkapazitäten bringt tatsächlich Schwierigkeiten mit sich. Die in den Sonnenstunden entstehende Überproduktion kann das Netz überlasten. Zur Lösung des Problems fordert die Interessenvertretung NÉP einen Netzausbau und eine industrielle Speicherung in der Nähe der Transformatoren durch den Netzbetreiber. Darüber hinaus sollten Menschen in Gemeinden unter 5.000 Einwohnern die Möglichkeit bekommen, Energiegemeinschaften zu gründen, in denen sie gemeinsam Strom erzeugen und verbrauchen können.

Hat die Fidesz-Regierung Fehler gemacht?

András György Deák warnt jedoch, dass der Netzausbau kostspielig werden könnte. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Überproduktion nur phasenweise während des Jahres und des Tages auftritt. Dies würde den Solarstrom deutlich verteuern.