Chefarzt erklärt Auswirkungen der Liebe
„Verliebtsein ist Stress für den Körper“
Aktualisiert am 17.02.2026 – 09:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Liebesschlösser am Weserstadion in Bremen: Verliebte geben sich nicht nur einander, sondern auch bestimmten Hormonen hin, wie der Bremer Chefarzt Deniz Karagülle erklärt. (Quelle: nordphoto / Paetzel via www.imago-images.de/imago)
Der Valentinstag ist vorbei und dennoch sind einige Verliebte von Stress und Schlaflosigkeit geplagt. Warum Verliebtheit mehr als nur Bauchkribbeln ist, erklärt der Bremer Chefarzt Deniz Karagülle.
Bauchkribbeln, Nervosität und Appetitlosigkeit: Verliebtsein kann echte Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden haben. Welche das genau sind, erklärt Deniz Karagülle, Chefarzt der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikverbund Gesundheit Nord.
Hormone und biochemische Prozesse seien hauptverantwortlich für die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Neben diesen körperlichen Auswirkungen kommen psychologische Auswirkungen, etwa die Wahrnehmungsverzerrung, hinzu.
Bei dem Gefühl des Verliebtseins schüttet der Körper verstärkt Dopamin und Oxytocin aus. Während das „Glückshormon“ Dopamin den Körper in rauschähnliche Zustände versetze, ist das „Kuschelhormon“ Oxytocin für den Wunsch nach Nähe und Bindung zuständig, erklärt Karagülle.
Bei Frauen hat das „Kuschelhormon“ zusätzlich einen Einfluss auf die Stimmung und die Ausprägung der Mutter-Kind-Beziehung. Bei Männern wirkt das Hormon angstlösend und sorgt dafür, dass sie sich schneller auf andere Menschen einlassen können. Oxytocin hemmt außerdem die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.
Dieses Stresshormon wird beim Verliebtsein zusammen mit jeder Menge Adrenalin produziert. Die beiden Stresshormone sorgen dafür, dass das Nervensystem in Alarmbereitschaft gerät. Das Gehirn vernachlässigt dabei den Verdauungstrakt. „Wer verliebt ist, hat kaum Appetit und verdaut auch schlechter“, erklärt Karagülle.
Wenn man das Blut von Menschen in der Phase des Verliebtseins untersuchen würde, könnte man diesen Zustand tatsächlich feststellen. Bei den meisten würde man dabei auch einen abgesenkten Wert des Glückshormons Serotonin sehen, erklärt Karagülle.
Was zunächst widersprüchlich klingt, rührt daher, dass der Partner in diesen Momenten „voll und ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit steht“. Verliebte reagieren dementsprechend mit sofortigen Entzugserscheinungen, wenn sie von der Person ihrer Begierde getrennt sind.
Neben den körperlichen Auswirkungen stellt Karagülle zudem psychologische Effekte heraus. Als Beispiel nennt er die „rosarote Brille“, die Verliebte oft auf der Nase tragen. Die sorgt dafür, dass man die geliebte Person idealisiere und über manche Eigenschaften hinwegsehe.
„Man muss es so sagen: Verliebtsein ist Stress für den Körper“, fasst der Chefarzt zusammen. Das ist auch der Grund, warum sich nach circa sechs Monaten die Hormonausschüttung wieder normalisiert und die rosarote Brille auch andere Farben zulässt. Dafür können Ruhe und Zufriedenheit einkehren und eine tiefe Liebe und Verbundenheit entstehen.
