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Berlin – Was hat Europa den USA als größter Wirtschaftsmacht der Welt entgegenzusetzen? Wirtschaftsforscher haben mehrere Bereiche ausgemacht, in denen die Amerikaner von den Europäern abhängiger sind als bislang bekannt. Käme es zu einem erneuten Handelsstreit, hätte Europa einen neuen Hebel gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump.
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Die deutsche Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner (Denkfabrik Dezernat Zukunft) hat gemeinsam mit Kollegen das Dokument erarbeitet. Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer erklärt sie, welche Macht Europa über die USA hat – und was sie bei der Recherche selbst überrascht hat.
Insbesondere auf Gasturbinen aus Deutschland seien die Amerikaner angewiesen, so die Expertin. Die Gründe: „Das eine ist: Die sind gar nicht so leicht herzustellen, denn die müssen ziemlich viel aushalten. Und die USA haben einfach eine sehr, sehr große Nachfrage nach Gasturbinen momentan.“ Konkret werden die Turbinen benötigt, um die energiefressenden Datenzentren, die für moderne KI-Programme benötigt werden, mit Strom zu versorgen.
Wie Europa gegen Trump zurückschlagen kann. Hören Sie jetzt die neue Folge von Paul Ronzheimer. Bei Spotify, Apple Podcast, YouTube oder Acast.
Ohne Datencenter fehlt KI-Programmen die benötigte Rechenleistung. Auf die Schnelle könnten die USA die Turbinen nicht selbst herstellen, so Sigl-Glöckner. Möglicher Schaden für die USA, wenn die Europäer den Export der Turbinen einstellen: bis zu 50 Milliarden Euro.
Trump braucht Europas Uran
„Ein Produkt, bei dem es mich sehr überrascht hat, dass die USA so begrenzte Kapazitäten haben, ist niedrig angereichertes Uran“, sagt die Ökonomin bei RONZHEIMER. Für Donald Trump, der die „große Atomrenaissance“ ausgerufen hat, sei Uran für die AKW von größter Bedeutung. Sigl-Glöckner: „Die haben eine einzige Produktionsstätte, die gehört auch einem europäischen Unternehmen. Aber das allermeiste niedrig angereicherte Uran (…) kommt momentan aus Europa.“

Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner (36) hat Trumps Schwächen erforscht
Foto: picture alliance / teutopress
Dann gebe es einen dritten Bereich, den die Forscher selbst als „sehr kritisch“ betrachten – „nämlich den Pharma-Bereich“. Die Expertin erklärt: „Da gibt es einige spezialisierte Produkte, die wir den USA zuliefern, die sie innerhalb eines Jahres wahrscheinlich ersetzen könnten. Aber man weiß, was passiert bei kritischen Medikamenten, wenn die ein Jahr nicht da sind: Da wird sehr großes Leid ausgelöst. Außerdem würden die Amerikaner wahrscheinlich Gleiches mit Gleichem vergelten. Das wäre nicht gut.“ Deshalb raten die Experten dazu, Medikamente bei Handelsstreitigkeiten außen vorzulassen.
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Was der Ökonomin Sorgen bereitet? Die „Idee des Kill Switches“. Also eines einzigen Schalters, den die USA umlegen müssten, um in Europa großen Schaden anrichten. „Also was passiert, wenn die Amerikaner jetzt einfach mal Cloud abschalten? Die meisten Unternehmen werden irgendwo bei Microsoft oder Google in der Cloud hängen.“ Die Folgen für die Wirtschaft wären verheerend.
Mehr zum Thema„Dann trifft es die amerikanischen Rentner“
Gleichzeitig sieht Sigl-Glöckner auch die Europäer in einer Machtposition, wenn es um die amerikanischen Tech-Konzerne geht. Schränkt die EU die Tech-Giganten ein, fallen deren Börsenkurse: „Und wenn die Aktienkurse der amerikanischen Unternehmen fallen, dann trifft es nicht nur die Großinvestoren, sondern dann trifft es die amerikanischen Rentner, weil die alle Renten haben, die in Pensionsfonds am Aktienmarkt investiert sind. Und weil diese Tech-Unternehmen so groß sind, machen die ungefähr ein Viertel dieses Renten-Portfolios aus.“ Dies werde politisch ungemütlich.
Sigl-Glöckner: „Also während ich vorher dachte, dass es eigentlich ein Machthebel der Amerikaner uns gegenüber ist, denke ich mittlerweile eigentlich eher, dass es unser Machthebel den Amerikanern gegenüber ist, weil kein Präsident beliebt ist, wenn er seiner Bevölkerung die Rente kaputtmacht.“