Ifo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko WeckbrodtIfo-Niederlassung Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Grund: Bevölkerung in Deutschland schrumpft bis 2070 um ein Zehntel, im Osten gar um 22%

Dresden, 17. Februar 2026. Weil die Bevölkerung in Deutschland stärker schrumpft als zunächst gedacht, forcieren sich auch Arbeitskräftemangel, die Finanzlücken bei Rente und Pflege sowie der Spardruck in den Verwaltungen. Darauf hat das Ifo-Institut in Dresden in einer demografischen Analyse hingewiesen.

Demografische Probleme verschärfen sich zuerst im Osten

Die Wirtschaftsforscher rechnen damit, dass die sich daraus ergebenden Probleme die ostdeutschen Flächenländer eher ereilen als die Stadtstaaten sowie den Süden und Westen der Republik – ähnlich wie schon in den Jahren nach der Wende in der DDR. „Die Bevölkerung hier … bis zum Jahr 2070 um rund 22 % gegenüber dem Niveau von 2021 zurückgehen, die Zahl der Kinder und Jugendlichen sowie der Einwohnerinnen im erwerbsfähigen Alter sogar um rund 30 %“, warnen die Forscher. Von daher werden die Probleme eines sich verschärfenden demografischen Wandels erneut zunächst die Ostdeutschen konfrontieren und dann mit einer gewissen Zeitverzögerung auch die „alten Länder“ erreichen. Sprich: Die Probleme, vor denen Sachsen, Brandenburg, Meck-Pomm, Thüringen und Sachsen-Anhalt heute stehen, erreichen morgen auch NRW & Co.

Bevölkerungsrückgang wird wohl Reformen im Gesundheitswesen, Pflege und Behörden erzwingen

„Der verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung müssen schon heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung, beispielsweise bei Gesundheit und Pflege, berücksichtigt werden“, rät Ifo-Ökonom Joachim Ragnitz. „Bei weniger Menschen brauchen wir weniger Wohnungen, weniger Verkehrsinfrastrukturen und auch weniger Personal im öffentlichen Dienst“, ergänzt sein Kollege Robert Lehmann. Gleichzeitig nehme der Anteil der Älteren sehr viel stärker zu, mit Folgen für den Bedarf an Gesundheits- und Pflegeinfrastrukturen.

Zuwanderung bleibt unter den Prognosen

Auslöser dieser Warnung: Laut neueren Prognosen schrumpft die Bevölkerung in Deutschland bis 2070 nicht „nur“ um ein Prozent, sondern sogar um ein Zehntel. So hatte der jüngste Zensus ergeben, dass in der Bundesrepublik tatsächlich nur 81,9 Millionen Menschen leben statt 83,2 Millionen, wie aus früheren Hochrechnungen heraus angenommen. Dies hängt nicht nur mit zu niedrigen Geburtenraten zusammen: „Die Analyse zeigt, dass vor allem die unterschiedlichen Annahmen über den Verlauf der Nettozuwanderung nach Deutschland ausschlaggebend für die abweichenden Ergebnisse sind“, resümieren die Studienautoren. So haben sich insbesondere die Erwartungen in das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, „Chancenkarte„, „Blaue Karte„, „Green Card“ und andere Förderinstrumente für die „qualifizierte Einwanderung“ bisher nicht im gewünschten Maße erfüllt. All dies dämpft die Geburtenzahlen weiter und wirkt auch – weil Zuwanderer oft vergleichsweise jung sind – auf die Alterspyramide.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ifo, Oiger-Archiv, DW, Bundesregierung

Wissenschaftliche Publikation:

„Künftige Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland – Schrumpfung und Alterung viel dramatischer als bislang vermutet“ von Robert Lehmann und Joachim Ragnitz, in: „ifo Dresden berichtet“ 01/2026, Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt