Was jetzt passieren soll

Schrottimmobilie: Bremen beendet „trauriges Kapitel“

17.02.2026 – 12:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Das Hans-Koschnick-Haus in Gröpelingen (Archivfoto): Viele Jahre stand das Haus leer, jetzt wird es abgerissen.Vergrößern des Bildes

Das Hans-Koschnick-Haus in Gröpelingen (Archivfoto): Viele Jahre stand das Haus leer, jetzt wird es abgerissen. (Quelle: Screenshot/kultur-vor-ort-com)

Verfall, Feuer, eine Gefahr für Anwohner: Bremens wohl berühmteste Schrottimmobilie wird abgerissen. Für die Neuentwicklung des Areals springt jetzt die Brestadt ein.

Mehr als 20 Jahre stand das Hans Koschnick-Haus in Gröpelingen leer, verkam zur Problemadresse und zum Sinnbild verfehlter Stadtentwicklung. Nun soll die wohl berühmteste Schrottimmobilie Bremens zurückgebaut werden. Die städtische Entwicklungsgesellschaft Brestadt hat den Auftrag erhalten, teilte das Bauressort am Dienstag mit.

Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) hat die Brestadt offiziell damit beauftragt, das Gebäude in der Geeststraße 134 fachgerecht abzubrechen. Der Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer ist nach Angaben der Behörde geschlossen. Damit beginnt nach Jahren des Stillstands ein neues Kapitel – nicht nur für das Haus selbst, sondern für das Quartier.

Das Wohn- und Geschäftshaus stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Jahrzehntelang prägte es das Straßenbild in Gröpelingen. Es war im Besitz der Familie von Hans Koschnick, dem früheren Bremer Bürgermeister und Präsidenten des Senats (1967 bis 1985), der in Gröpelingen aufwuchs. Sein Name ist in Bremen bis heute präsent – unter anderem durch den Airport Bremen Hans Koschnick oder den Bürgermeister-Koschnick-Platz im Stadtteilzentrum.

Doch das Gebäude, das seinen Namen trägt, wurde zum Gegenteil eines Erinnerungsorts. Nach einem Brand vor mehr als 20 Jahren stand es leer. Baustopps, Eigentümerwechsel und ausbleibende Sanierungen beschleunigten den Verfall. Fenster wurden vernagelt, Teile der Fassade bröckelten, das Innere galt seit Jahren als unbewohnbar. Für Anwohner war das Haus längst kein Denkmal mehr, sondern ein Ärgernis – und ein Sicherheitsrisiko.

„Das Hans Koschnick-Haus ist leider seit vielen Jahren zu einem schwierigen Ort in Gröpelingen geworden und wird inzwischen weder seinem Namen noch seiner Funktion als Gebäude gerecht“, sagte Unsäl. Mit dem Rückbau werde „dieses traurige Kapitel“ beendet und „Raum für Neues“ geschaffen, teilte die Bausenatorin weiter mit und ergänzte: „Wir werden bei Problemimmobilien nicht zuschauen, wenn Stadtteile massiv darunter leiden.“

Das Haus war über Jahre hinweg Gegenstand politischer Debatten. Immer wieder gab es Ankündigungen von Investoren, immer wieder versandeten Pläne. Für viele Gröpelinger wurde die Immobilie zum Symbol für versprochene, aber nie umgesetzte Aufwertung.

Dass nun ausgerechnet die Brestadt den Rückbau übernimmt, ist politisch gewollt. Die städtische Entwicklungsgesellschaft ist bislang vor allem mit Großprojekten in der Innenstadt betraut worden – etwa dem Bremer Hof oder dem ehemaligen Horten-Kaufhaus in der Innenstadt. Der Auftrag in Gröpelingen ist ihr erster offizieller Einsatz in der Quartiersentwicklung außerhalb des Zentrums.

Zunächst soll das marode Gebäude vollständig zurückgebaut werden. Was auf dem Grundstück entstehen soll, ist noch offen. Klar ist nur: Die Fläche gilt als städtebaulich sensibel. Sie liegt in einem dicht bebauten Bereich nahe des Zentrums von Gröpelingen – einem Stadtteil, der seit Jahren im Fokus von Förderprogrammen steht.