Die Leidenschaft des noch recht jungen Vereins Talsounds gilt der Indie-Musik. Vor allem Newcomer-Bands holen Jochen Pötter und Sacha Léger in die Stadt. Mit Partnern wie dem Loch schaffen sie Raum für Konzerte, Begegnungen und neue musikalische Entdeckungen.
Auf der Bühne des Lochs, dem Raum für Kunst, Kultur und Gesellschaft im Haus der Jugend in Elberfeld, waren die Sängerin und Songschreiberin Isabelle Pabst und die Berliner Band Braake auf Einladung von Talsounds zu Gast.
Isabelle Pabsts Musik ist eine Mischung aus Sprache und Gesang
Die Musik und der Gesang von Pabst sind schon außergewöhnlich. Eine Mischung aus Sprache und Gesang mit einer Stimme, die, wenn sie voll eingesetzt wird, kraftvoll und mitreißend ist. Mal erklingen ihre Texte wie in Andeutungen, leichten Hinweisungen, dann wieder knallhart und sezierend. Musik und Texte hinterlassen Spuren, setzen sich in ihrer Einzigartigkeit fest. Ihre Version des Hildegard Knef Song „Wieviel Menschen waren glücklich, dass du gelebt hast“ zum Beispiel. Oder ihr Lied „Wann darf man töten?“ Zwischen sanft schwebend und tiefer Schwere, zwischen philosophischer tagträumerischer Zärtlichkeit und harter Wirklichkeit, immer in ihrer eigenen langsamen Darbietung. „Deine Worte lose Steine in einer Brücke, die nichts verbindet“, heißt es. Sie spricht und singt in einer Kombination, die ihr eigenartig ist, thematisiert auch dunkle Wahrheiten, Gefühle und inneren Zwiespalt. In „Was bleibt“ nimmt sie die Zuhörer mit auf die emotionale Reise einer Trennung. Mit ihrer ruhigen Darbietung, ihrer Stimme, die auch laut und energiegeladen sein kann, setzt sie Akzente, die in Erinnerung bleiben. „Als die Stille aus der Zeit fiel“ heißt ihr Album.
Braake rockt in kleinerer Besetzung die Bühne problemlos
Die fünfköpfige Band „Braake“ aus Berlin kam nur zu viert, Julian Colin war nicht dabei. Doch Benno Bings, Till Schomburg, Gregor Zenns und Camillo Kießig rockten die Bühne auch in kleinerer Besetzung locker. Ein Hauch von Rio Reiser durchzog bei ihrem Auftritt das Loch, eine zeitweilige Melancholie liegt, bei manchen Stücken kaum greifbar, in der Luft. Ein Mix aus eigensinnigen, poetischen und eindringlichen Texten, fetziger Musik und lockerem Auftritt. Dazu die warme und einschmeichelnde Stimme von Sänger Benno. Die außergewöhnlichen Texte beschreiben Alltagsprobleme mal skurril, mal traurig, mal tiefgründig, mal lustig. In „Was für ein guter Tag“ heißt es „ Wir füttern die Engel im Zoo. Sie fressen die schwarzen Schafe, wir fressen Haribo“.
Sänger Benno studierte Philosophie und Germanistik und ist mit dem Herzen immer nah am individuellen Text. Die Liebe ist wiederholtes Thema, doch mit Texten, die eher lyrisch sind, jenseits der Schnulze. „Ich geb` dir 1000 Küsse auf deinen Bauch aus Marzipan.“ Ihre Musik ist ein Mix aus eingängigen Grooves und verspielten Melodien, dem auch der 60/70er Jahre Folk und Rock zugrunde liegt. Mehr davon zu hören ist auf ihrem Album „Kann ja alles sein“.
Die Talsounds-Konzerte gehen im April weiter. Mit „One Sentence Supervisor“ kommen am 9. April Krautpop aus der Schweiz und am 30. Mai „Lederen“, ein Post Punk Duo und „Die Bachratten“ mit Sixties Pop und Grunge um jeweils 20 Uhr ins Loch.