Für beide ist es der Prozess, der auf dem Weg zum fertigen Kunstwerk zählt. Sich treiben und überraschen zu lassen von den Wegen, die sie dabei einschlagen. Anke Büttner und Christof Geisler stellen ab Sonntag, 22. Februar, im BKG-Studio des Kolkmannhauses aus.

Es ist das erste Mal, dass die beiden Künstler gemeinsam ihre Arbeiten – Skulpturen und Malerei – nebeneinander präsentieren. „Ich mag diese Korrespondenz, die Stimmung. Es ist so inspirierend“, sagt Anke Büttner. Seit 2018 ist sie inzwischen Mitglied bei der BKG. In die gemeinsame Ausstellung bringt sie ältere und neue Werke ein. Große Malereien mit tanzenden Figuren, warmen, bunten Farben. Der Tanz dabei ein Element, das ihr immer wieder begegne, während sie Kunst schaffe. „Ich bin verliebt ins Tanzen“ sagt sie. Und hat, während sie malt, kein Ziel vor Augen, beschäftigt sich mit dem eigenen Körper, der Dynamik, dem eigenen Verständnis von Kommunikation, Wachstum und Bewegung. Will künstlerisch das festhalten, „was kommt und geht, in Wellen verläuft“. Zwischenzeitlich selber nicht wissend, was es am Ende wird: eine Blume? Ein Mensch? Eine Erinnerung? Für ein großes Bild auf Gewebe mischt sie die Acrylfarben selbst und beginnt mit einem leuchtenden, aber sanften Orange, malt damit, bis die Farbe aufgebraucht ist. Um im Anschluss nach Weite zu suchen und sich zu fragen, was auf dem Orange passieren soll. An anderer Stelle hängen Bilder von Blumen, in Ölpastellfarbe. Auch hier hält Büttner den Moment fest, zwischen Leben und Sterben.

Neue, ausgestellte Werke von Anke Büttner lehrten sie, „während des Prozesses zur Ruhe zu kommen. Eine neue Disziplin für mich.“ Denn nach über vier Jahrzehnten, in denen sie bereits Figuren male, habe sie sich das Bedürfnis nach etwas Neuem aufgedrängt. So seien in den vergangenen Monaten Arbeiten auf Stoffresten entstanden, ausgerungen, zerknüllt, mit Farbresten, Kohle, Asche. Mit Tusche bringt die Künstlerin malerische Landschaften auf den widerspenstigen Stoff, mit Pinsel, Feder oder Finger. Auf einem Werk zeichnet sie Kreide über die Tusche, um „das Gewohnte zu brechen, was sich doch wieder einschleichen wollte.“

Ein Nebeneinander
von Bewegung und Statik

Neben Büttners Werken stehen die Stein- und Holzskulpturen von Christof Geisler. Zwei der gefertigten Holzarbeiten begleiten ihn schon seit zehn Jahren in der heimischen Küche. Eine rund 50 Kilogramm schwere Figur aus Kirschholz fertigte er erst kürzlich an. „Am Anfang hatte ich noch keine Idee, was es werden wird“, erzählt Geisler. Mit dem Hinterteil der Figur fängt er an, arbeitet nur mit der Kettensäge. Dann ein angedeuteter Kopf, ein in die Höhe gereckter Arm – und dann? „Vor fünf Jahren hätte ich mich für eine Faust entschieden. Heute ist es der Mittelfinger geworden. Das passte für mich in dem Moment.“ Seine politische Meinung lasse er sonst nicht in seine Werke einfließen, erzählt er, der sich damit selbst überraschte. Die unruhigen, unsicheren Zeiten hätten ihn dazu gebracht, „mal was rauszulassen“.

Insgesamt gebe er sich dem künstlerischen Prozess gerne hin. „Ich mag das Substraktive, wenn etwas wegfällt und sich dadurch Unerwartetes ergibt“, so Geisler. Vielen seiner Figuren verleiht er weit geöffnete Münder – man vermutet einen stummen Schrei, dann wieder Harmonie, Singen und Lachen. Eigentlich ist das meistens sein Anspruch: „Dass die Figuren freundlich schauen. Ich suche eigentlich erst einmal nach Harmonie.“ Ein bearbeiteter Sandstein trägt den Namen „Surprise“, eröffnet unerwartete neue Perspektiven, während man ihn umrundet. Stein ist ohnehin das Material, das Geisler am liebsten bearbeitet. „Holzfiguren sind für mich ein guter Ausgleich, weil sie ein anderes, schnelleres Erfolgserlebnis mit sich bringen“, erklärt er. Die meisten seiner Skulpturen verändert er farblich nicht. Eine bildet einen Farbklecks, in gelb und orange. „Schöneberg“ nennt er sie, weil sie in Berlin bei einem Workshop mit dem Künstler Robert Schmidt-Matt entstanden ist, der zuvor das BKG-Sommeratelier 2024 besuchte. Eine weitere Holzskulptur malt er nach Vorlage einer Künstlichen Intelligenz an. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich aber auch zwei Granit-Steine. Einer begrüßt die Besucher mit freundlichem Gesicht – einer war zuvor ein Grabstein, mit der Flex umgearbeitet in Gedenken an seinen verstorbenen Bruder.

Die Vernissage findet am Sonntag, 22. Februar, um 12 Uhr statt. Samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr ist die Ausstellung anschließend bis zum 25. März geöffnet.