
Real Madrid hat das Playoff-Hinspiel bei Benfica Lissabon gewonnen. Dabei stand Torschütze Vinicius Junior im Fokus, er soll einmal mehr rassistisch beleidigt worden sein.
Im Estádio da Luz traf der Brasilianer in der 50. Minute zum 1:0-Siegtreffer und bescherte den „Königlichen“ eine gute Ausganglage für das Rückspiel in Madrid. Wer ins Achtelfinale der Champions League einzieht, entscheidet sich am Mittwoch (25. Februar, 21 Uhr). Benfica-Trainer Jose Mourinho sitzt dann nicht auf der Bank, er sah in der Schlussphase Gelb-Rot.
Schnelles Wiedersehen nach spektakulärem Trubin-Treffer
Beide Teams hatten erst Ende Januar am letzten Gruppenspieltag in Lissabon gegeneinander gespielt – mit spektakulärem Ende. Benfica-Torwart Anatoliy Trubin traf tief in der Nachspielzeit (90.+8) per Kopf zum 4:2-Endstand und sicherte seiner Mannschaft damit Platz 24 und den Einzug in die Playoffs. Real rutschte durch die Pleite auf Rang neun ab und verpasste die direkte Qualifikation für das Achtelfinale. Die Szene hat mittlerweile Kultstatus.
Und auch die beiden Trainer haben eine gemeinsame Geschichte. Benfica-Coach Jose Mourinho leitete von 2010 bis 2013 die Geschicke in Madrid. Einer seiner Schützlinge war der heutige Real-Coach Alvaro Arbeloa. Der Ex-Profi machte unter Mourinho mehr als 100 Pflichtspiele.
Partie beginnt auf Augenhöhe
Die Partie begann intensiv, Benfica spielte sofort mutig nach vorne. Schon nach wenigen Minuten sah sich Reals Abwehrchef Antonio Rüdiger genötigt, seine Kollegen lauthals wachzurütteln.
Die Drangphase der Portugiesen dauerte aber nur zehn Minuten, danach übernahm Real das Kommando. Die erste große Chance hatte Vinicius Junior. Dessen Drehschuss aus sechs Metern nach einer Flanke von Trent Alexander-Arnold ging aber knapp am Tor vorbei.
Doch auch Benfica war weiter im Spiel. In der 24. Minute hatte Real-Torwart Thibaut Courtois seine liebe Mühe mit einem Schuss von Fredrik Aursnes, der noch abgefälscht und deshalb schwierig zu parieren war.
Real macht vor der Pause viel Druck
Kurz vor der Pause drehten die „Königlichen“ dann auf. Zuerst verpasste Kylian Mbappe in der Mitte eine Flanke von Alexander-Arnold nur ganz knapp. Danach schob der Franzose nach einem tollen Spielzug über Alvaro Carreras und Vinicius Junior den Ball knapp am Tor vorbei – und dann lenkte Trubin einen schönen Schlenzer von Arda Güler um den Pfosten. Als der französische Schiedsrichter Francois Letexier zur Pause pfiff, werden die „Adler“ aus Lissabon heilfroh gewesen sein.
Vinicius Junior mit Traumtor zur Real-Führung
Benficas Problem: Real machte nach der Pause munter weiter und ging dann auch schnell in Führung. Bei einem schnellen Spielzug kam der Ball auf der linken Seite zu Vinicius Junior, der noch einen Haken schlug und den Ball dann vom Strafraum-Eck ansatzlos in den Winkel des langes Ecks schlenzte.
Torschütze Vinicius Junior rassistisch beleidigt?
Der Brasilianer blieb im Fokus. Zuerst sah er für seinen etwas zu intensiven Jubel die gelbe Karte, dann beschwerte er sich vehement beim Schiedsrichter. Gianluca Prestianni soll Vinicius Junior rassistisch beleidigt haben.
Die Emotionen kochten hoch, Schiedsrichter Letexier unterbrach die Partie für insgesamt zehn Minuten. Auch Mbappe, der neben Prestianni und Vinicius Junior gestanden hatte, war nicht zu beruhigen. Es kam zu hitzigen Diskussionen an der Seitenlinie, ein Benfica-Betreuer sah die Rote Karte, Vinicius selbst saß zwischenzeitlich kopfschüttelnd auf der Ersatzbank. Letexier beließ es bei Ermahnungen, der Referee hatte die vermeintliche Beleidigung nicht gehört. Vinicius wurde im Anschluss bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.
Mbappe: „Schwerwiegender Vorfall“
Mehreren Medienberichten und auch Spielern von Real zufolge soll Vinícius Junior angegeben haben, dass das Wort „mono“ gefallen sei – ein spanischer Ausdruck für Affe. Zu beweisen dürfte das kaum sein, Prestianni hatte sich bei der verbalen Auseinandersetzung das Trikot über Mund und Nase gezogen. „Dieser Spieler verdient es nicht mehr, in der Champions League zu spielen, aber wir werden sehen, was passiert“, sagte französischen Medien zufolge Mbappe nach der Partie. Der Real-Angreifer sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“.
Real bleibt dominant
Was das Sportliche angeht, brachte die Aufregung Real nicht aus dem Tritt. Die Madrilenen blieben am Drücker und schnürten den Gegner in dessen Hälfte ein. Benfica kam nicht in die Zweikämpfe und ließ sich viel zu tief in die eigene Hälfte drängen. Erst nach 70 Minuten konnten sich die „Adler“ vom Real-Druck befreien.
Doch es fehlte an Ideen und Durchschlagskraft. Real verteidigte im Stile einer Klassemannschaft und ließ im Gegensatz zur jüngsten 2:4-Pleite in der Gruppenphase kaum etwas zu.
Gelb-Rot für Mourinho
Nachdem er nach einem Foul eine gelb-rote Karte für Vinicius Junior gefordert hatte, sah Benfica-Trainer Mourinho in der hitzigen Schlussphase seinerseits Gelb-Rot und wird beim Rückspiel in Madrid nicht auf der Bank sitzen können.
Dort muss sein Team einen Rückstand aufholen, denn Real überstand auch die zwölfminütige Nachspielzeit.