„Sarkophag“ nennt Bernhardt denn auch seine Arbeit. An den Wandplatten innen stehen, zum Teil übersetzt, Sprüche, die die Liquidatoren an die Wände des Reaktors geschrieben haben. Eine Gasmaske, Schutzkleidung, ein Geigerzähler machen die gruselige Situation spürbar. Im Video erzählt Bernhardt zwischen Nachrichtenausschnitten und Politikerinterviews, wie er die Zeit damals erlebt hat. Ein Video-Triptychon zeigt eine seltsame Wolke, die er seinerzeit in Wales fotografiert hat. Sie kam angeblich von Tschernobyl.

Heute, 40 Jahre später, ist die Katastrophe von Tschernobyl fast in Vergessenheit geraten. Dabei ist die Strahlung, die damals freigesetzt wurde, nicht verschwunden. Und die EU überlegt, ob sie weiter Atomenergie fördern will. Die Gefahr ist noch längst nicht gebannt. „1996 war das Thema noch präsent“, sagt Bernhardt. „Heute ist es weg.“ Er erinnert an das größte bestehende Atomkraftwerk der Ukraine in Saporischschja, das von Russland besetzt ist und ständig der Gefahr einer Havarie durch den Krieg ausgesetzt ist. 

Die Themen sind noch immer aktuell

Die Menschen wollen vergessen, sagt Bernhardt. Er aber will aufrütteln: gegen Krieg, gegen die atomare Gefahr, wie er es immer getan hat. 1986, das Jahr des Atomunfalls, bedeutete auch für sein Leben eine Zäsur. In diesem Jahr musste er die Leitung des Stuttgarter Künstlerhauses abgeben, das er mitgegründet und acht Jahre geleitet hatte. Das kommt in der Ausstellung nicht vor, ebenso wenig wie seine frühen Aktivitäten als Videoaktivist oder die Gruppe SOUP, gegründet im Zuge der Stuttgart-21-Proteste.