Der Gemeinderat hatte einst lange gerungen, ob die Holzbauweise für das neue Kinderhaus in der Ortsmitte die richtige sein würde. Zu anfällig schien sie manch einem Rat. Das war vor mehr als zehn Jahren. Leise klang diese Kritik auch jetzt wieder mit, als die Verwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung über einen massiven Wasserschaden in dem inzwischen 13 Jahre alten Gebäude berichtete, dessen Reparatur die Stadt rund eine halbe Million Euro kosten wird. Versichert ist der Schaden nicht.
Im Jahr 2013 wurde das Kinderhaus Schloss eröffnet. Die Architektenkammer Baden-Württemberg und das Landratsamt Ludwigsburg zeichneten das Gebäude in der Folge mit 21 anderen Gebäuden für „Beispielhaftes Bauen 2013-2019“ aus. Die Preisträger seien „Beweis dafür, dass Architektur Lebensqualität schafft“, so die Sprecherin der Kammer, Carmen Mundorff, damals. Eine Jury aus Experten und Laien hatte aus 82 eingereichten Arbeiten eine Vorauswahl getroffen und dann 34 Objekte besichtigt. Die Gebäude bewertete sie anhand der Kriterien äußere Gestaltung, innere Raumbildung, Angemessenheit der Mittel und Materialien sowie mit Blick auf den städtebaulichen Kontext.
Eine Wand im Kinderhaus wurde nass, tragende Elemente ebenso
Doch Ende des vergangenen Jahres bekam das Bild vom preiswürdigen Gebäude Risse: Im Bereich der Kindertoiletten wurde eine feuchte Stelle im Innenbereich festgestellt. Laut der Verwaltung Ditzingen zeigte sich, dass die betroffene Wand vollständig durchfeuchtet war, einschließlich der tragenden statischen Elemente. Als die Fläche von außen freigelegt wurde, wurde offensichtlich, dass auf einer Breite von vier Metern Wasser eingetreten war.
Als Ursache wurde ein im Wandaufbau liegendes Regenabwasser-Fallrohr identifiziert, das laut der Verwaltung zum damaligen Zeitpunkt nicht fachgerecht montiert worden war. Die Kunststoff-Fallrohre seien nicht ordnungsgemäß verschweißt worden, wodurch sich im Laufe der Zeit Rohrverbindungen gelöst hätten. Infolgedessen konnte Wasser ungehindert in den Wandaufbau eindringen.
Rohre wurden im Ditzinger Holzbau nicht fachgerecht montiert
Das Gebäude verfügt insgesamt über vier Regenfallrohre. Bei der Überprüfung aller Fallrohre stellte sich laut der Verwaltung heraus, dass diese ebenfalls nicht fachgerecht montiert worden waren, und Wasser daher an mehreren Wandbereichen eingetreten ist. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund eine halbe Million Euro. Er soll bis zum Winter repariert sein.
Die Baufirmen sind raus: keine Gewährleistung
Ein Fall der Gewährleistung ist das dennoch nicht. „Nach eingehender Prüfung des Sachverhalts muss leider festgestellt werden, dass keine Gewährleistungsansprüche mehr geltend gemacht werden können. Ein möglicher verdeckter Mangel kann den ausführenden Firmen nicht angelastet werden“, so die Verwaltung. Zudem sei der Schaden nicht vom Leistungsumfang der Gebäudeversicherung gedeckt. Die Kosten der Sanierung muss daher die Stadt selbst bezahlen. Darauf hob der Oberbürgermeister Michal Makurath (parteilos) ab, der in dieser Situation dem Rat einmal mehr die finanzielle Situation der Kommune vor Augen führte.
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Denn die Stadt muss mit einbrechenden Gewerbesteuereinnahmen klarkommen. Sie verliert zudem finanzielle Zuweisungen vom Land durch ein – wie die Kommune argumentiert – fehlerhaftes Zensus-Ergebnis: Laut der jüngsten Volkszählung soll die Stadt zehn Prozent weniger Einwohner haben als angenommen. Die Stadt zweifelt den Verlust von 2500 Einwohnern an. Doch das bedeutet in der Folge, dass ihr ab 2027 jährlich fünf Millionen Euro an Zuweisungen fehlen.
Sie ist mit dem fragwürdigen Zensusergebnis nicht alleine: „Im kompletten Landkreis ,fehlen‘ uns 20 000 Menschen“, beklagte auch der Landrat Dietmar Allgaier unlängst bei einer Pressekonferenz. Ein Runder Tisch im baden-württembergischen Finanzministerium soll Klarheit bringen – nach der Landtagswahl.