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Donald Trump will die US-Wirtschaft mit seinen Zöllen stärken. Weil das nicht wirklich funktioniert, wird der Gegenwind vor den Midterms rauer.

Washington – Sie sind das liebste Drohmittel von Donald Trump. Aber zugleich auch längst bittere Realität. Wenn der US-Präsident das Gefühl hat, eine andere Nation würde seinen Plänen im Weg stehen, bringt er oft neue oder höhere Zölle ins Spiel. Seit Monaten bestimmen die vom Weißen Haus zusätzlich erhobenen Abgaben für Produkte aus fast jedem Land der Welt den globalen Handel.

Donald Trump steht in einem Durchgang und macht ein weinerliches GesichtDas kann er gar nicht gebrauchen: Kleinunternehmer begehren gegen die Zoll-Politik von Donald Trump auf. © Mandel NGAN / AFP

Die Folgen von Trumps aggressiver Zoll-Politik bekommen aber auch die US-Amerikaner deutlich zu spüren. Obwohl der Republikaner nicht nur rund um seinen „Day of Liberation“ das Narrativ verbreitete, während andere Nationen finanziell bluten müssten, würde sein Land von den zusätzlichen Zöllen profitieren. Vor allem natürlich die heimische Wirtschaft, zumal er ausländische Konzerne wie jene aus der deutschen Autoindustrie in die Vereinigten Staaten locken will.

Studie zur Trump-Politik: „Die Zölle sind ein Eigentor“

Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass Trump sein Motto „America first“ in diesem Fall ad absurdum führt. So ergaben Forschungsergebnisse des Kiel Institut für Weltwirtschaft, dass Importeure und Verbraucher in den USA 96 Prozent der Zolllast tragen. Analysiert wurden über 25 Millionen Lieferungsdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen.

Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut und Mitautor der Studie, sagt daher: „Die Zölle sind ein Eigentor.“ Trumps Worte scheinen damit widerlegt. „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung“, ergänzt der Experte.

Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025Eklat im Oval Office, Demos gegen Friedrich Merz und Putin-Trump-Gipfel in Alaska: Das Politik-Jahr 2025 war von großen Aufregern geprägt. Fotostrecke ansehenFolgen von Trumps Zöllen: Kleinunternehmen zahlen mehr als 60 Milliarden US-Dollar

Vor allem offenbar die kleinen Betriebe. Das verdeutlicht ein Bericht des Senate Committee on Small Business & Entrepreneurship. Das Papier von Ed Markey, Senator von Massachusetts und ranghöchstes demokratisches Mitglied des Ausschusses, informiert darüber, dass seit Trumps Amtseinführung 36 Millionen Kleinunternehmen und deren Angestellte mit höheren Kosten konfrontiert seien. Der Preisanstieg umfasse alles von der Gesundheitsversorgung, über Strom, Lebensmittel, Kinderbetreuung und Wohnen bis zu anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Zwischen März und November 2025 hätten die Kleinbetriebe Zölle in Höhe von 63,1 Milliarden US-Dollar gezahlt. Allein auf November seien davon 8,1 Milliarden US-Dollar entfallen. Weiter ist zu lesen, sollten die Zölle in dieser Form aufrechterhalten werden, kämen auf Kleinunternehmen im Jahr allein dadurch Kosten von 100 Milliarden US-Dollar zu. Im Dezember sei die US-Produktion zum zehnten Mal in Folge gesunken, seit Trumps „Day of Liberation“ im April seien in Fabriken im Land 72.000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

Donald Trump hält die Übersicht seiner ZölleFür den US-Präsident ein Feiertag: An dem von ihm ausgerufenen „Day of Liberation“ präsentiert Donald Trump eine Übersicht seiner Zölle. © Mark Schiefelbein/AP/dpa

„Im Gegensatz zu größeren Unternehmen, die verschiedene Kosten auffangen oder verhandeln können – und oft eine Sonderbehandlung von Trump erhalten –, arbeiten kleine Unternehmen mit geringen Margen“, wird zum Abschluss festgestellt: „Wir müssen uns weiterhin gegen Trump und die rücksichtlose Anti-Kleinunternehmens-Politik der MAGA-Republikaner wehren (…).“

Kleinunternehmer über Trump-Zölle: „Das ist verrückt, ich kann nicht verkaufen.“

Einige der Kleinunternehmen versammeln sich mittlerweile unter dem Zusammenschluss „Small Businesses against Tariffs“ – also: Kleinunternehmen gegen Zölle. Das Projekt will Kleinunternehmern eine Stimme geben, sie dürfen selbst erklären, in welchem Ausmaß ihnen die Trump-Zölle das Leben erschweren.

Dafür wurden kurze Videos veröffentlicht. So berichtet Jennifer Bergman, Besitzerin des New Yorker Spielwarenunternehmens „West Side Kids“, dass sie den 1981 von ihrer Mutter gegründeten Laden infolge der Zölle bereits aufgeben musste. Die Einführung der Zölle nannte sie „wirklich beängstigend“, denn auf Importe aus China wurden Sonderabgaben von bis zu 145 Prozent fällig.

„Das ist verrückt. Ich weiß nicht, was ich tun soll, ich kann nicht verkaufen“, betont Bergman. Die Entscheidung, den von ihrer Mutter eröffneten Laden zu schließen, sei „die härteste Sache“ gewesen. Dabei würden kleine Geschäfte wie ihres die USA erst groß machen – womit sie auf Trumps MAGA-Motto verwies.

Kleinunternehmer sitzen auf Stühlen und redenKleinunternehmer unter Druck: Jennifer Bergman musste wegen der US-Zoll-Politik den von ihrer Mutter gegründeten Spielwarenladen schließen, Gabe Hagen muss wohl die Kaffee-Preise anziehen. © Screenshots YouTubeKleinunternehmer gegen Trump: „Zölle sind in grundlegendster Form Steuern.“

Gabe Hagen, Geschäftsführer des Cafes Brick Road Coffee aus Arizona, stellt klar: „In der grundlegendsten Form sind Zölle Steuern. Wenn wir etwas aufnehmen, bekommen wir eine Rechnung, die ich dann bezahlen muss. Wir können entweder die Kosten senken, um die Ausgaben zu decken, oder wir können die Kosten weitergeben.“

Um die zusätzlichen Kosten durch die Zölle zu decken, müsse er 20 Stunden an Arbeitszeit einsparen, was etwa einem Teilzeit-Beschäftigten entspreche. Jenen, die betonen, die Zölle würden dabei helfen, Unternehmen in die USA zu locken, könne er nur entgegnen: „Der Anteil von Kaffee, der im US-Gebiet wächst, beträgt weniger als ein Prozent.“ Durch die zusätzlichen Abgaben müsste er für Kaffee mehr verlangen, als Kunden bereit wären zu zahlen.

Deutlich wird auch Sari Wiaz, die Baby Paper erfunden hat: ein Spielzeug zum Zeitvertreib für die Kleinsten, um diese ruhig zu halten. Als die Zölle auf zehn Prozent festgelegt wurden, habe sie noch gedacht, das könne sich ausgehen. Doch durch den Anstieg auf 30 Prozent „muss man seine Preise um 15 bis 20 Prozent erhöhen“. Sie warnt: „Das ist nicht nachhaltig.“

Wiaz schildert die Folgen der Trump-Politik in einfachen Worten: „Wenn ein Land Zölle gegenüber einem anderen Land verhängt, wird nicht dieses Land die Zölle bezahlen. Diejenigen, die die Güter einkaufen, zahlen die Zölle. Die werden dann an die Kunden weitergereicht.“

Trump vor den Midterms: Republikaner könnten Mehrheiten im Kongress verlieren

Für Trump kommt dieser Aufstand gegen seine Politik zur Unzeit. Denn im November stehen die Midterms an, in denen neue Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus entstehen könnten. In beiden Kongress-Kammern verfügen die Republikaner nur über eine minimale Mehrzahl an Abgeordneten. Heißt auch: Den Demokraten reicht die Übernahme von nur wenigen Sitzen, um Trump das Regieren in der zweiten Hälfte dieser Amtszeit deutlich zu erschweren.

Zuletzt sahen fast alle Umfragen die Oppositionspartei vorn. Bei den Midterms schneidet zumeist diejenige der beiden großen Parteien besser ab, die nicht im Weißen Haus sitzt, weil die Wahlen zur Mitte einer Amtszeit viele unzufriedene US-Bürger an die Urnen locken. Bei den Midterms stehen alle Sitze des Repräsentantenhauses und rund ein Drittel der Sitze im Senat auf dem Spiel.

Wie wichtig Kleinunternehmen für die US-Wirtschaft sind, verdeutlichte das Weiße Haus in der Woche der Kleinunternehmen Anfang Mai 2025. Damals wurde von 33 Millionen Kleinunternehmen in den USA gesprochen, die 61,7 Millionen US-Amerikaner beschäftigen. Das sei fast die Hälfte der Angestellten im privaten Sektor. Sie würden nahezu zwei von drei neuen Arbeitsplätzen schaffen. (Quellen: Kiel Institut für Weltwirtschaft, Senate Committee on Small Business & Entrepreneurship, Small Businesses against Tariffs, Weißes Haus) (mg)