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Der Iran beschäftigt auch die Münchner Sicherheitskonferenz. Vor Ort ist Reza Pahlavi – das bereitet Exil-Aktivisten Unmut und Sorge.

München – Update vom 16. Februar 2026: Die größten Schlagzeilen der Münchner Sicherheitskonferenz galten der Beziehung zwischen USA und Europa – die iranische Opposition hat aber dennoch ein wichtiges Wochenende in München erlebt. Der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, reiste an, führte Gespräche und hielt eine Pressekonferenz ab. Zu einer von Pahlavi unterstützten Demonstration gegen das Mullah-Regime kamen in der bayerischen Landeshauptstadt 250.000 Menschen. Mehr über die Kundgebung, Pahlavis Auftritt in München und Kritik daran lesen Sie hier.

„Schlag ins Gesicht“: Schah-Sohn bei der Sicherheitskonferenz – Wut im iranischen Widerstand

Bericht vom 12. Februar 2026: Auch der Iran ist ab Freitag ein großes Thema bei der Münchner Sicherheitskonferenz: Zuletzt hat das Regime Proteste mit brutaler Gewalt niedergeschlagen und offenbar auch tausende Menschen inhaftiert. Vertreter der Machthaber sind in München daraufhin wieder ausgeladen worden. Den Organisatoren willkommen ist aber eine prominente Figur – Reza Pahlavi wird anreisen, der Sohn des letzten Schahs. Bei Teilen des iranischen Widerstands sorgt das für Empörung, wie Sahar Sanaie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media schildert.

Reza Pahlavi spricht an einem Podium, im Hintergrund der Montage das Hotel Bayerischer Hof.Reza Pahlavi ist am Wochenende offiziell in München zu Gast – Teile der iranischen Opposition erzürnt das. © Montage: Sven Hoppe/Mark Schiefelbein/picture alliance/dpa/AP

Die Oppositions- und Menschenrechtsaktivistin, Unterstützerin des Nationalen Widerstandsrats Iran (NRWI), nennt Pahlavi anders: „Sohn des letzten Diktators“. Die Einladung für Pahlavi sei ein „Schlag ins Gesicht der Freiheitsbewegung“, rügt sie. Pahlavi habe sich nie von Verbrechen seiner Vorfahren, unter anderem an ethnischen Gruppen im Iran, distanziert, er verfolge ein bedenkliches Programm – und er spalte mehr, als dass er Hoffnungsträger sei.

Schah-Sohn Pahlavi in München – Regime-Gegner warnen: „Setzt sich auf die Welle“

Pahlavi hatte von den USA aus die Massenproteste im Iran öffentlich unterstützt. Er gilt – wohl auch wegen seines Namens – als einer der bekanntesten Gegner des Mullah-Regimes. Einige deutsche Politiker sehen ihn als mögliches strahlkräftiges Aushängeschild der iranischen Opposition, etwa der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter. Er sprach am Dienstag per Videoschaltung mit Pahlavi und dankte für einen „exzellenten Austausch“.

Pahlavis Porträt ist immer wieder bei Protesten in Deutschland präsent, er selbst verwies in einem Interview mit dem US-Sender CBS auch auf Unterstützung für seine Person bei den Unruhen im Iran. Bei einer Großdemonstration in Berlin am vergangenen Wochenende zählte er allerdings nicht zu den Hoffnungsträgern. Dort lautete der Titel „Nein zum Schah! Nein zu den Mullahs!“. Sanaie hatte die Veranstaltung mitorganisiert. Sie spricht von 100.000 Teilnehmern, die Polizei zählte 10.000.

Sanaie rügt, Pahlavi instrumentalisiere und schwäche die Proteste. Einige ethnische Gruppen hätten sich wegen seiner Person im Dezember und Januar den Protesten nicht angeschlossen: „Sie haben gesagt, sie möchten an keinen Protesten teilnehmen, bei denen sich Pahlavi ‚auf die Welle setzt‘.“ Sanaie verweist auf Pläne und Umfeld des Schah-Sohnes. „Seine Berater sind Personen aus dem jetzigen Regime, aber auch aus dem Geheimdienst der Schah-Diktatur. Sein 100-Tage-Programm für den Iran basiert darauf, dass er sich zum Alleinherrscher über alles erklärt.“ Tatsächlich kennt das Dokument zwar verschiedene Machtelemente wie ein „National Uprising Council“ und eine Übergangsregierung – deren Köpfe aber von Pahlavi ernannt werden sollen. Gemeinsam sollen sie die Fortdauer ihrer Macht verlängern können.

Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im IranElahe Tavakolian auf einer Demonstration gegen das Mullah Regime im IranFotostrecke ansehen

Kritisch betrachtet die Aktivistin insofern auch eine für Samstag angekündigte Großdemonstration in München. Bis zu 100.000 Teilnehmer hat das Bündnis „The Munich Circle“ offiziell angemeldet. Die Organisatoren beantworteten eine Anfrage unserer Redaktion vom Dienstag nicht. Sanaie sieht im Hintergrund allerdings „monarchistische Strömungen“. Der richtige Weg aus ihrer Sicht: „Die Ablehnung jeglicher Autokratie.“ Sie verweist auf eine andere Demonstration in München; am Freitagvormittag findet nahe der Sicherheitskonferenz ein weiterer Protest unter dem Titel „No to the Shah, No to the Mullahs“ statt. Chancen für einen echten Wandel im Iran sieht Sanaie gegeben. „Es gibt einen organisierten Widerstand im Iran, der vernetzt ist“, betont sie, „wir haben das auch eindeutig während der jüngsten Proteste gesehen“.

Sanaie ist seit Jahren von Deutschland aus für den iranischen Widerstand aktiv, unter anderem als Teilnehmerin im UN-Menschenrechtsrat in Genf – auf eigene Kosten, wie sie betont. Sie und ihre Mitstreiter unterstützen den „Zehn-Punkte-Plan“ von NRWI-Präsidentin Maryam Rajavi. Die Gruppe ist im Iran verboten, und in der Opposition umstritten – unter anderem wegen ihrer Verbindung mit den Volksmudschaheddin, die als Terrororganisation galten. Im Jahr 2009 hat der Europäische Gerichtshof diese Einstufung aber untersagt. Der NRWI erhält indes Schützenhilfe von prominenten Politikern, darunter etwa die früheren Minister Peter Altmaier oder (bis zu ihrem Tode) Rita Süssmuth. (Quellen: Gespräch mit Sahar Sanaie, dpa, eigene Recherchen)

Transparenzhinweis: Wir haben am 13. Februar Informationen über NRWI, Volksmudschaheddin sowie eine Anfrage unserer Redaktion an die Organisatoren der Münchner Großdemonstration auf der Theresienwiese ergänzt.