Ganz weiß und etwas unförmig sieht das Modell aus, das Bildhauerin Julia Schleicher in den Händen hält. Es ist eine Anfertigung aus Gips und gleichzeitig nur ein Vorgeschmack auf das, was die Künstlerin in den kommenden Monaten für die Innenräume der Leopoldina schaffen will: „Ich habe ein Bild gesucht, was sozusagen ein autonomes System irgendwie darstellt. So eine Art Sinnbild für Autonomie.“

Thema „Autonomie“ als Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst

Schleichers große skulpturale Insektenpuppen sollen ab Ende August in den Gängen der Wissenschaftsakademie liegen, von der Decke baumeln und die Blicke der Gäste auf sich ziehen. Sie sind ihr Beitrag zur diesjährigen Jahresversammlung der Leopoldina zum Thema „Autonomie“.

Es ist nicht das erste Mal, dass in der ältesten Wissenschaftsakademie der Welt auch Kunst einen Platz bekommt. Über Jahrhunderte hinweg hat die Leopoldina selbst Werke in Auftrag gegeben und ist in den Austausch mit Kunstschaffenden getreten, erklärt Danny Weber, Leiter der Abteilung Archiv und Bibliothek der Akademie. Das diesjährige Thema sei prädestiniert für eine Verbindung beider Sparten: „Autonomie ist ein ganz facettenreiches Konzept, das in verschiedenen Forschungsbereichen eine entscheidende Rolle spielt.“

Kooperation mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Die Idee, die Leopoldina zur Ausstellungsfläche zu machen, entstand aus einer jahrelangen Verbindung zur Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Eine Kooperation, die Raum für Neues schaffen soll, schmunzelt Stiftungsleiterin Manon Bursian: „Ich glaube, die Leopoldina weiß noch gar nicht genau, worauf sie sich eingelassen hat, aber wir werden dieses Haus jetzt in etwas anderes transformieren.“

Die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und der Wissenschaftsakademie sei vor allem an einem Ort wie Halle etwas Besonderes, so Bursian. Ziel sei es, Gäste nicht nur in das imposante Gebäude auf dem Jägerberg zu locken, sondern auch nachhaltig etwas mit der Institution und den Menschen vor Ort zu machen.

Die beiden Kunstprojekte, die wir hier favorisieren, werden auch etwas mit den Menschen, der Stadt und der Institution machen.

Manon Bursian, Direktorin Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Künstlerkollektiv Klub7 aus Halle beteiligt

Aus insgesamt sechs Einreichungen wählten Kunststiftung und Leopoldina schließlich zwei Projekte aus, die die Leopoldina zur Schaukulisse für Kunst machen sollen. Neben Julia Schleichers „Autonomie der Puppe“ außerdem die Künstlergemeinschaft Klub7. Die Mitglieder sind Absolventinnen und Absolventen der Burg Giebichenstein und bringen mehr als 28 Jahre Erfahrung in der Gestaltung urbaner Räume mit.

Für die Jahresversammlung an der Leopoldina will Klub7 innerhalb und außerhalb des Hauptgebäudes begehbare Installationen enstehen lassen, bunte Kompositionen mit Sound und Licht.

Urbane Räume wie Halle sind für uns ein riesengroßes Spielfeld, das nie erschöpft ist.

Mike Okay, Künstler und Mitglied Kollektiv Klub7

Dabei verstehe das Team das Gelände als großes Spielfeld für künstlerische Freiheit, erklärt Kollektiv-Mitglied Mike Okay: „Wir haben viele Jahre im öffentlichen Raum gearbeitet und sehen die Stadt für uns als Inspirationsort, in dem man Kunst im öffentlichen Raum hinterlässt.“

Halle als kulturgeschichtlichen Ort sichtbarer machen

Die Kunstinstallationen von Klub7 und Julia Schleicher sollen nicht nur eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst schlagen, sondern auch das kulturelle Erbe der Stadt Halle neu erzählen. Kulturstiftungsleiterin Manon Bursian sagte, dabei sei das Ziel, in die Gesellschaft zu wirken, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und die Wissenschaft auch ein wenig herauszufordern.

Sie sei gespannt, wie offen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Kunst reagieren würden: „Es ist auf jeden Fall ein Projekt, bei dem Heiterkeit und Explosion garantiert sind.“

Eingeweiht werden die Kunstprojekte offiziell am 21. August. Zu sehen sind sie mindestens bis zur Jahresversammlung der Leopoldina am 24. und 25. September.