Ermittler betonen immer wieder, dass jeder Fall einzigartig ist. Aber die Polizeistatistik arbeitet trotzdem mit Faustregeln. Von den Menschen, die länger als vier Stunden als vermisst gemeldet sind, klären sich etwa die Hälfte innerhalb einer Woche, rund 80 Prozent binnen eines Monats, gut 97 Prozent innerhalb eines Jahres. Die übrigen drei Prozent werden zu Langzeitfällen. Sie bleiben in Fahndungsdateien, tauchen in der zentralen Datei des Bundeskriminalamtes für Vermisste und unbekannte Tote auf, liegen in Ordnern der Vermisstenstellen. „Vermisstenfälle werden nicht eingestellt“, sagt der Kriminalist Christian Matzdorf, der an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) lehrt. Sie würden ruhend gestellt und könnten jederzeit wieder aufleben, wenn neue Hinweise kommen oder unbekannte Tote identifiziert werden.
12.946 Menschen waren im Jahr 2025 in Berlin als vermisst gemeldet – die allermeisten nur vorübergehend. 99 Prozent der Fälle habe die Polizei aufgeklärt, sagt Andrea Friese. Die alltägliche Masse sieht anders aus als die wenigen Fälle, die die Öffentlichkeit beschäftigen. Auf der Vermisstenseite der Berliner Polizei finden sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene [berlin.de]. Eine 61‑jährige Frau aus Charlottenburg, die ihre Wohnung verlassen hat und nicht zurückkehrte. Ein 17‑jähriges Mädchen, das im Oktober 2021 nicht in ihre Jugendeinrichtung im Wedding zurückkam; sie gilt bis heute als vermisst. Die zwölfjährige Sandra Wißmann, die sich im Jahr 2000 an einem Nachmittag am Kottbusser Damm von ihrer Mutter verabschiedete und nicht wiederkam.
Die meisten anderen Kinder tauchen nach Stunden oder wenigen Tagen wieder auf. Tausende Minderjährige werden jedes Jahr vermisst gemeldet, der Großteil ist schnell wieder da. Oft sind es auch ältere, demenzkranke Menschen, die nicht mehr nach Hause finden.