Es gibt nicht viel, was Elli cooler findet als die neu beklebte orange-blaue Schwebebahn. Pferde vielleicht oder die Disney-Prinzessin Elsa. Das Wahrzeichen Wuppertals ist der Vierjährigen so wichtig, weil es Tag für Tag am Wohnzimmer-Fenster vorbeifährt – und damit zu ihrem Alltag gehört, beinahe Teil der Möblierung ist.

So kann die Vierjährige stundenlang auf der Fensterbank sitzen und warten, bis die nächste Bahn vorüberfährt – dann wettet sie mit ihren Eltern, ob die nächste Schwebebahn von links oder von rechts anrollt. Also von oben oder unten: Denn die Kaiserstraße verläuft leicht abschüssig, was man durch die Fenster am Gerüst erkennen kann.

Seit die Stadtwerke die eine Schwebebahn in Erinnerung an den GTW 72 orange-blau beklebt haben, wartet Elli also immer gespannt, ob sie bald wieder vorbeikommt. Im Grunde hält sie jetzt den ganzen Tag Ausschau nach dieser einzigartigen Bahn, die noch besonderer ist als jede der hellblauen Schwebebahnen.

Oft sitzt sie allein da am Wohnzimmerfenster, lehnt sich an die Wand, blickt verträumt nach draußen oder spitzt die Ohren, um die nächste Bahn schon zu hören, bevor sie zu sehen ist. Oft schaut sie aber auch mit ihren Eltern hinaus, und immer häufiger ist ihre kleine Schwester Yara dabei. Yara ist mit ihren sechs Monaten zwar noch ein richtiges Baby, aber sie findet schon alles spannend, was ihre große Schwester interessiert. Also auch und vor allem die Schwebebahn.

Ellis Vater Timo Flick hat die Fensterbank extra mit einem Holzbrett verbreitert, damit die ganze Familie gemütlich vor dem besten Lokalprogramm sitzen und die Schwebebahn beobachten kann. Überaus faszinierend sind die Momente, in denen die Schwebebahn ein Haltesignal bekommt – das ist neu, das gibt es erst, seit Generation-15-Fahrzeuge durchs Tal rollen. Dann bleibt sie direkt gegenüber stehen, und manchmal schauen die Fahrgäste sogar nach oben: Und wenn Elli richtig viel Glück hat, winken sie ihr zurück.

Doch Elli ist nicht nur Zuschauerin, sondern auch Fahrgast, erzählt ihre Mutter Lisa Flick. Mit ihren vier Jahren kennt sie schon die meisten Stationen und weiß, wo sie aussteigen muss, um ihren Onkel oder befreundete Kinder zu besuchen. Sie kann sogar das höchst komplizierte Wort „Pestalozzistraße“ aussprechen – ein Zungenbrecher auch für Erwachsene. Ohnehin hat Elli sehr früh gesprochen. Und da sie stets dem Einfluss des wohl besten öffentlichen Verkehrsmittels der Welt ausgesetzt war, ist es nur logisch, dass zu Ellis ersten Wörtern „Schwebebahn“ zählte – wobei sie es als kleines Kind noch „Mehmam“ aussprach.

In dieser Zeit wurde die Schwebebahn sogar in die Abendroutine eingebaut: Wenn sie vorbeikam und in Richtung Endstation fuhr, ging sie ebenso schlafen wie die kleine Elli. Aber natürlich nicht in einem Bett, sondern in ihrer gemütlichen Wagenhalle.

Jetzt, wo sie schon ein großes Kind ist, erzählt Elli ganz viel von der Schwebebahn und ihrem Lieblingsfahrzeug in Orange und Blau. Einmal ist Elli und ihrer Mutter eine große Ehre zuteilgeworden: Als der Aufzug am Ausstieg in Vohwinkel kaputt war und sie mit dem Kinderwagen unterwegs waren, durften sie in der Bahn bleiben und, ja, Sie lesen richtig, sie durften mit um die Kurve fahren! Ein Highlight – aber wohl nicht so spannend, wie man es von außen mit dem großen Wunsch, mal mit um die Kurve zu fahren, vermuten würde.

Alle halten Ausschau nach der Jubiläumsbahn

Wenn andere Kinder die Familie Flick besuchen, versammeln sich alle gemeinsam vor dem Fenster und halten Ausschau: nach der orange-blauen Jubiläumsbahn, nach einem Stopp am Haltesignal, nach winkenden Fahrgästen. Die Erwachsenen, so erzählen es Ellis Eltern, kleben zwar nicht die ganze Zeit am Fenster, freuen sich aber doch, wenn eine Schwebebahn vorbeifährt. Und sind vor allem erstaunt, dass durch die neuen Fenster wenig von der Bahn zu hören ist. Die Straße hingegen, besonders beim Nachmittagsstau, macht sehr viel mehr Lärm. In den Räumen der Wohnung, die Fenster zum Hinterhof haben, ist es aber sehr ruhig. Die vielen Autos, Lkw und Schwebebahnen sind hier nicht zu hören. Kaum erwarten kann Elli die ersten Fahrten des Kaiserwagens, der zurzeit noch auf seinen großen Auftritt vorbereitet wird. Auf das Fest zum 125-jährigen Bestehen der Schwebebahn freut sie sich ebenfalls. Und bis dahin beobachtet sie einfach, wie die Schwebebahn von Vohwinkel aus gen Osten und von Barmen aus nach Hause in die Wagenhalle rollt. Von ihrem erstklassigen Logen-Platz aus: der Fensterbank mit dem wohl besten Blick der Stadt.